Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären

Das Porträt einer wagemutigen Frau, die unser modernes Verständnis von Tierliebe mitgeprägt hat: Ruth Harkness lebt als Modedesignerin in New York und ist als High-Society-Ikone für ihre legendären Partys bekannt. Ihr Ehemann Bill startet weltweit Expeditionen, um seltene Tiere aufzuspüren. Sein Traum: einen Panda zu finden. Die scheuen Waldbewohner hatten in den 1930er Jahren noch den Status eines Einhorns – viele Legenden rankten sich um sie. In der westlichen Welt hat sie noch kein Mensch zu Gesicht bekommen. Nach Bills plötzlichem Tod möchte Ruth sein Vermächtnis fortsetzen und startet eine eigene Expedition. Ihr Ansatz lautet anders: Sie möchte die Tiere nicht schießen und ausstopfen. Sie möchte lebende Pandas fangen, damit man sie in Zoos studieren kann. Auf diese Weise möchte sie Menschen dazu bringen, Tiere als etwas Lebens- und Liebenswertes anzusehen und zu ihrem Schutz beizutragen. Mit hehren Absichten gestartet, tritt Ruth unwissentlich eine Welle in Gang, die jedoch genau Gegenteiliges zu bewirken scheint … Eine tragisch-schöne Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten.

Die Suche nach den mysteriösen Pandas
Als Ruth alleine nach Shanghai aufbricht, um dort ihre Expedition nach Pandas zu organisieren, bricht sie gleich mit mehreren Konventionen. Zum einen trauen es ihr verwegene Abenteuer aufgrund ihres Geschlechts nicht zu. Zum anderen gilt ihr Ansatz, Tiere nicht zu schießen, sondern lebend zu erhalten und zu schützen, als verpönt und zu „weiblich“. Doch mit Charme, Witz und Wagemut, schafft es Ruth, ein Team zusammenzustellen, um nach den Bambusbären zu suchen. Darunter ist der Fotograf Richard, bald heimlich in Ruth verliebt, der die Expeditionen dokumentieren soll. Denn Ruth weiß: ohne Publicity keine Forschungsgelder. Bald muss sich Ruth den widrigen Bedingungen der Hochlandwälder ebenso stellen wie Vorurteilen, Machtrangeleien und konkurrierenden Expeditionen. Erschwerend kommen politische Unruhen am Vorabend des Zweiten Weltkrieges dazu. Japaner marschieren in China ein. Dann geschieht das Unmögliche: Ruth findet ein kleines Panda-Mädchen, das sie Su Lin nennt. Sie umhegt es wie ein Baby, bringt es zurück in die Staaten, posiert und sorgt für allgemeines Entzücken. Das Interesse ist immens, der Zoo verzeichnet Rekordeinnahmen – und der Run auf die Pandas ist offiziell eröffnet.

Bewahren statt töten
Doch leider haben die meisten Jäger und Sammler nichts Gutes im Sinn. Das Wohl der Tiere ist zweitrangig, es zählt nur der schnelle Profit. Viele Tiere sterben, zumal kaum etwas über die Bedürfnisse der pflanzenfressenden Bären bekannt ist. Hat Ruth ihr Ziel verfehlt? Sie bricht mehrmals nach China auf, doch ihre Expeditionen sind von Rückschlägen gezeichnet. Ruth wird zur Ruhelosen, denn nach all den Erfahrungen, scheint sie in ihr altes Leben in New York nicht mehr zu passen.

Historische Frauen auf die Weltbühne holen
Die deutsche Autorin Ruth Kornberger hat sich auf historische Frauenfiguren spezialisiert, die im Schatten der Weltbühne stehen. Wie in ihrem Roman „Symphonie der Sterne“ über die Astronomin Caroline Herschel. Ebenso gelungen ist „Die Spur des Pandabären“ über die Entdeckerin Ruth Harkness, die im Gegensatz zu Tierschützerinnen und Forscherinnen wie Dian Fossey oder Jane Goodall der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist. Dies ist ein Buch über starke Frauen, über Tierliebe und den Blick auf eine Welt, in der die wahren „Wilden“ nicht in den Bäumen des Urwalds lauern, sondern in der sogenannten zivilisierten Welt anzutreffen sind. Nicht nur für Tierfreunde absolut lesenswert!

Ruth Kornberger: Die Spur des Bambusbären.
C.Bertelsmann, Juni 2025
352 Seiten, Hardcover, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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