Der Rowohlt-Verlag hat den Booker-Prize-Gewinner 2022 nun auch auf Deutsch herausgebracht: Shehan Karunatilaka: Die sieben Monde des Maali Almeida. Dabei handelt es sich sowohl formal als auch inhaltlich um einen ungewöhnlichen Roman. Der Titelheld, ein Fotograf, muss Anfang der 90er-Jahre in Sri Lanka zur Kenntnis nehmen, dass er gestorben ist und sich nun in einem Zwischenreich aufhält, das wie ein völlig überfülltes Amt wirkt. Er hat nun als Geist sieben „Monde“ – gemeint sind Nächte – Zeit zu ergründen, wie und warum er gestorben ist. Geschrieben ist das Ganze – irritierenderweise – in der zweiten Person: „Du bist gestorben“.
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Jasmin Schreiber: Endling
Die 1988 geborene deutsche Autorin Jasmin Schreiber schickt in ihrem Roman „Endling“ ihre Heldin Zoe, eine Biologin, auf zwei ungewöhnliche Reisen. Zusammen mit der pubertierenden Schwester Hanna und der arg skurrilen Tante Auguste – sie hat panische Angst vor Infektionen – macht sie sich auf die Suche nach zwei seltsamen Dörfern, in denen nur Frauen überleben können. Das Ganze spielt im Jahre 2041, in dem das Artensterben immer mehr zunimmt und eine rechtsradikale Regierung das Sagen hat, die zum Beispiel Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Mit im Gepäck haben die drei Frauen eine Weinbergschnecke, die die letzte ihrer Art ist: einen „Endling“ – und so erklärt sich der Titel.
WeiterlesenKerri Maniscalco: Stalking Jack the Ripper
Jack the Ripper, der 1888 im Londoner East End mindestens fünf Morde verübt hat, bildet die reale Grundschlage für einen historischen Thriller der US-amerikanischen Autorin Kerri Maniscalco. Im englischsprachigen Original schaffte „Stalking Jack the Ripper“ es auf Platz eins der York-Times-Bestsellerliste. Jetzt ist er auch auf Deutsch erschienen.
Audrey Rose Wadsworth, die in einem begüterten Elternhaus aufwächst, hat wenig Spaß an Teegesellschaften oder Stickmustern. Stattdessen geht sie zum Leidwesen ihres Vaters lieber bei ihrem Onkel in die Lehre, einem Gerichtsmediziner. Sie hat keinerlei Skrupel, Leichen aufzuschneiden, Organe zu entnehmen und zu begutachten.
WeiterlesenAlex Schulman: Endstation Malma
Der schwedische Autor Alex Schulman legt mit „Endstation Malma“ einen emotional sehr dichten, inhaltlich aber recht verzwickten Roman vor, in dem es um ein in der Kindheit erlittenes Trauma geht, das über Jahrzehnte bis in die nächste Generation nachwirkt.
Im Mittelpunkt stehen drei Zugfahrten in den fiktiven Ort Malma. Sie finden zu unterschiedlichen Zeiten statt. Zunächst fährt die kleine Harriet als Kind mit ihrem Vater dorthin, viele Jahre später unternimmt sie als erwachsene Frau mit ihrem Mann Oskar die gleiche Reise. Bis zum Schluss des Romans ist nicht klar, zu welchem Zweck das Paar reist, denn seine Ehe ist zu diesem Zeitpunkt längst zerrüttet. Und wiederum viel später fährt ihre Tochter Yana ebenfalls nach Malma, um zu ergründen, was auf der zweiten Reise mit ihren Eltern geschah.
WeiterlesenBridget Collins u.a.: Schaurige Nächte
Wer auf beliebte Gruselzutaten wie eingemauerte Skelette, Geister in alten Gemäuern oder Rollstühle von Verstorbenen steht, die sich selbst in Bewegung setzen, der sollte den Kauf der Horror-Anthologie „Schaurige Nächte“ in Erwägung ziehen.
Sie stammt aus England, dem Mutterland des viktorianischen Schauerromans, und in ihr sind die Geschichten von acht Autorinnen und Autoren versammelt, die allesamt schon ihre Lorbeeren auf dem Gruselsektor gesammelt haben – wie Laura Purcell, die zuletzt mit „Die stillen Gefährten“ oder „Das Porzellanhaus“ für Furore gesorgt hat – oder Bridget Collins, die preisgekrönte Autorin der Jugendbücher „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ und „Das große Spiel“.
WeiterlesenAnnette Mingels: Der letzte Liebende
Die Kölner Autorin und Literaturwissenschaftlerin Annette Mingels (Jahrgang 1971) ist promovierte Germanistin. Sie schreibt Romane und Erzählungen. Mingels lebte einige Jahre in den USA. 2020 erschien der Erzählband „Dieses entsetzliche Glück“ mit Geschichten aus dem fiktiven Hollyhock, Virginia. Am 30. August 2023 veröffentlichte der Penguin Verlag ihren neuen Roman „Der letzte Liebende“.
Zu diesem Roman haben unsere Rezensenten Sabine Sürder und Andreas Schröter ganz unterschiedliche Meinungen. Wir veröffentlichen hier beide. Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung in den Kommentaren unten mit.
WeiterlesenDaniel Kehlmann: Lichtspiel
Eine gelungene Mischung aus Fiktion und wahren Begebenheiten ist der neue Roman „Lichtspiel“ des deutschen Erfolgsautors Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“). Es geht dabei um den österreichischen Filmregisseur G.W. Pabst (1885-1967), der neben Lang, Lubitsch und Murnau zu den Größten seiner Zeit gehörte. Er gilt als derjenige, der mit seinem Film „Die freudlose Gasse“ (1925) die große Greta Garbo berühmt gemacht hat.
Kehlmanns Roman taucht tief ein in die Kinogeschichte, und Filmenthusiasten dürften ihre helle Freude an den genau recherchierten Begebenheiten bei den Dreharbeiten haben – zum Beispiel wie Pabst gemeinsam mit der berühmt-berüchtigten und als wenig sympathisch beschriebenen Nazi-Kollaborateurin Leni Riefenstahl in eisiger Kälte „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ drehte oder später – ebenfalls mit Riefenstahl – an den Dreharbeiten zu ihrem Film „Tiefland“ im bayrischen Krün beteiligt war.
WeiterlesenDietlind Falk: No Regrets
In ein Tattoo-Studio irgendwo im Ruhrpott entführt uns die 1985 geborene Autorin Dietlind Falk in ihrem Roman „No Regrets“. Luz, die alle der Einfachheit halber Lutz nennen, heuert in einem Laden dieser Art an.
In ihm herrscht ein gnadenloses Durcheinander, und im Schaufenster verströmt ein ausgestopfter Alligator einen widerlichen Geruch. Die drei Gestalten, die dort arbeiten, haben ihre beste Zeit hinter sich oder sind gnadenlos verschüchtert. Zumindest gilt das für den Zeitpunkt, an dem Luz sie kennenlernt.
Natürlich ändert sich das. Die Neue bringt Schwung in die verkrustete Situation, und auch ihre Kollegen erwachen zu neuem Leben.
Nele Pollatschek: Kleine Probleme
Nele Pollatschek, eine 1988 geborene Autorin aus Berlin, beschreibt in ihrem Roman „Kleine Probleme“ einen 49-jährigen Mann – Lars heißt er –, der mit den kleinen Anforderungen des Lebens so seine Probleme hat.
Am letzten Tag des Jahres macht er sich eine Liste, auf der immer wieder aufgeschobene Arbeiten stehen, die er noch vor Jahresende erledigen will: putzen, Steuererklärung machen, das Bett für die Tochter aufbauen, den Vater anrufen, die Regenrinne sauber machen … Dabei sieht er sich ja eigentlich als kommenden großen Schriftsteller, der „den besten Roman der Welt“ schreiben wird. Jedes Kapitel handelt von einem anderen Punkt auf Lars‘ Liste. Demnach umfasst die Handlung lediglich diesen Silvestertag.
WeiterlesenWieland Freund: Dreizehnfurcht
Wie Christian Handel und Andreas Suchanek in ihrem erst kürzlich erschienenen Roman „Spiegelstadt“ geht auch Wieland Freund in „Dreizehnfurcht“ von einem zweiten, geheimen Berlin aus. Es heißt „Dreizehneichen“ und ist nur über seltene Portale zu erreichen. Die Bewohner verdammen jeglichen Fortschritt. Sie sind auf einem Stand irgendwann im 19. Jahrhundert stehen geblieben. Es gibt weder Strom, noch Medizin.
In diese Welt verschlägt es ausgerechnet den lebensuntüchtigen Moritz Bang, der an Zwangshandlungen leidet, weil er eine ausgeprägte Furcht vor der Zahl 13 hat. Als eine ernste Situation eintritt, entwickelt er aber dann doch überraschenden Tatendrang.
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