Philippa Perry (Jahrgang 1957), die britische Psychotherapeutin und Autorin des Erziehungsratgebers „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ aus dem Jahr 2020, hat sich an einem Krimi versucht. Mit „Die Therapeutin und ihre Mörder – Dr. Pat Philipps und der tote Klient“ debütiert sie in diesem Genre. Das Buch ist am 7. Mai 2026 bei Ullstein erschienen. Elke Link hat es aus dem Englischen übersetzt.
„Die Therapeutin und ihre Mörder“ von Philippa Perry ist very British und ein wenig Old School
Dr. Patricia Philipps ist Psychotherapeutin und lebt, nachdem sie London verlassen hat, mit ihrem Kater Dave in Westlinke, einem kleinen Dorf in Südengland. Ihre Klienten empfängt sie in einem umgebauten Schäferwagen, der im Garten ihres Cottages steht. Eines Tages wird einer ihrer Klienten, Henry Clayton, Anfang dreißig, unterhalb der Klippen von Birling Gap tot an den Kieselstrand gespült. Die Polizei von Westlinke, bestehend aus Detective Sergeant Amanda Stevens und Police Constable Barry Footer, vermutet, dass Clayton Selbstmord begangen hat. Der Küstenabschnitt am Beachy Head und den Seven Sisters zieht immer wieder suizidgefährdete Menschen an. Pat und ihr Nachbar und Freund Prichard Knowles glauben nicht an diese Theorie. Für sie ist Henry ermordet worden. Sie beginnen zu ermitteln. Dabei geraten unterschiedliche Personen, allen voran Henrys Freund Derek, in den Fokus ihrer Nachforschungen.
Nach und nach führt Philippa Perry die Dorfbewohnerinnen und -bewohner von Westlinke ein. Da sind die neu Hinzugezogenen wie das reiche Ehepaar Malcolm und Fiona Davis oder der junge, alkoholabhängige Mann mit dem goldenen Ohrring oder Dorna Braddon, eine attraktive Immobilienentwicklerin, die ein Hotel mit Spa und Golfplatz ins Naturschutzgebiet direkt vor Pats Cottage bauen lassen will. Und mehrere Alteingesessene, wie Prichard Knowles, der grauenhaften Schnaps brennt, oder Peggy von der Postfiliale oder Bev, die die Nachbarschaft hinter ihren Gardinen beobachtet oder Jacqui, die Schmuckdesignerin, die den örtlichen Malclub leitet.
Für ihre Figurenzeichnungen nimmt sich Perry viel Raum im Buch und lässt einige Erzählfäden lose hängen, wahrscheinlich plant sie weitere Krimis mit ihrer selbsternannten Ermittlerin. Auf der Innenseite des Buches finden die Lesenden eine Skizze von Westlinke zur Orientierung.
Dr. Patricia Philipps ist eine selbstbewußte, nicht unbedingt sympathische, aber einprägsame Hauptfigur mit Charakter, die Philippa Perry mit ihrem eigenen psychotherapeutischen Fachwissen ausgestattet hat. Pat geht morgens im eiskalten Ärmelkanal schwimmen, blafft Touristen und Hundebesitzer an und sammelt Müll auf. Sie hat eine Tochter namens Sofia, zu der sie wenig Kontakt hat, ihren Exmann Martin und ihre Exfreundin, die Anwältin Sue.
Bei ihren Nachforschungen stoßen Pat und Prichard auf verschiedene Ungereimtheiten, aber die Polizei weigert sich weiter, zu ermitteln. Der Fall Clayton ist für sie abgeschlossen. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und Pat Philipps und Prichard Knowles können den Fall doch noch aufklären. Damit ist „Die Therapeutin und ihre Mörder“ von Philippa Perry ein gelungenes Debüt.
Ich störe mich an zwei Dingen im Buch. Und das ist einmal die plötzliche und wenig nachvollziehbare Sympathie der Therapeutin Pat für Dorna Braddon und zum anderen der auf mich selbstgefällig wirkende Hinweis auf Perrys Erziehungsratgeber „Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen“ in einem der Dialoge zwischen Pat und ihrer Tochter Sofia. Vor allem diesen „Wink mit dem Zaunpfahl“ hätte der Krimi nicht nötig gehabt.
Klassischer Krimi mit einer überzeugenden Protagonistin
Philippa Perry hat mit „Die Therapeutin und ihre Mörder – Dr. Pat Phillips und der tote Klient“ einen klassischen Krimi britischer Tradition und einer überzeugenden Protagonistin geschrieben, der weniger brillant als unterhaltsam ist und mit dessen Fortsetzung Leserinnen und Leser sicher rechnen können.
Philippa Perry: Die Therapeutin und ihre Mörder: Dr. Pat Philipps und der tote Klient
Aus dem Englischen von Elke Link
Ullstein Buchverlage, Mai 2026
352 Seiten, Paperback, 17,99 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.
