„An den Rändern“ wird vor allem für Fans von Elena Ferrantes Büchern interessant sein. In diesem Essay gewährt sie ausgesprochen persönliche Einblicke in ihre Schriftstellerei. Mit den vier Bänden ihrer „Neapolitanischen Saga“ erreichte die italienische Schriftstellerin, die unter Pseudonym veröffentlicht, Weltruhm.
In unserem Leselustportal sind von Elena Ferrante folgende Rezensionen zu finden:
Frau im Dunkeln, Tage des Verlassenwerdens, Zufällige Erfindungen, Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben sowie die vier Bände aus der Neapolitanischen Saga: Die Geschichte des verlorenen Kindes, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte eines neuen Namens, Meine geniale Freundin
Hier nun sind Elena Ferrantes Vorträge, die sie an der Universität Bologna über ihr Schreiben hielt, nachzulesen.
Wir erfahren, wie Elena Ferrante schon als junges Mädchen zum Lesen fand und wie sich ihr Schreiben entwickelte, das sie als regelrechte Sucht bezeichnet. Weiter lesen wir davon, wie sie ihre bislang erschienenen Romane konzipierte. Hierzu gibt die Autorin Einblicke in die Überlegungen, welche sie anstellte, um die Charaktere und das Agieren ihrer Protagonistinnen zu erschaffen und weiter vom Entwickeln und Zusammenführen verschiedener Erzählstränge. Wer Ferrantes Bücher gelesen hat, wird also bald wieder auf ihre bekannten Figuren Lenú und Lila aus ihrer Neapolitanischen Saga und weitere Protagonistinnen wie Delia, Olga, oder Leda stoßen.
Wir erfahren von den gegensätzlichen Seiten des Schreibens: vom geplanten Erzählen und vom zufallsgesteuerten Schreiben.
Zusammenfassend wird schnell klar, dass Elena Ferrantes eigener literarischer Anspruch zu schreiben, einer Obsession gleicht. Was sich später zwischen zwei Buchdeckeln so wunderbar und faszinierend liest, war zuvor mit enorm viel innerem Antrieb, Mühe und Kraft verbunden.
Ferrante befasste sich eingehend mit historischen Vorbildern und nimmt unter anderem Bezug auf Dante, Jane Austen, Ingeborg Bachmann, Emily Dickinson, Virginia Woolf oder Gertrude Stein.
Ein zentrales Thema und Anliegen von Elena Ferrante ist immer wieder auch die Emanzipation schreibender Frauen in einer lange von Männern dominierten Szene.
„An den Rändern“ kann man als eine Form der Begegnung mit der geheimnisumwitterten Schriftstellerin durch die interessanten Einblicke in ihr Schaffen betrachten.
Ein Muss für LeserInnen von Elena Ferrante.
Elena Ferrante: An den Rändern.
Aus dem Italienischen von Barbara Schaden.
Suhrkamp, April 2026.
94 Seiten, gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
