Daniela Dröscher dürfte den meisten Lesern durch ihren 2022 erschienenen Roman „Lügen über meine Mutter“ bekannt sein. In unserem Leselustportal ist die Rezension ihres 2025 erschienenen Romans „Junge Frau mit Katze“ zu finden.
Wie man vom Titel bereits ableiten kann, sind in ihrem Essayband „Sprechen“ die Sprache und das Sprechen ihr zentrales Thema. Hier beleuchtet Daniela Dröscher Sprache von der wissenschaftlichen Seite aus und Sprache im Allgemeinen. Dabei nimmt sie Stellung zu Dialekten, Hochdeutsch, Fachsprache, zur sozialen Herkunft oder zur Tonalität der Worte.
Wie die Autorin selbst anmerkt, legt sie den Fokus dabei auf die Sphäre des Zwischenmenschlichen.
Immer wieder lässt sie Beispiele mit Interna aus ihrer Kindheit, die sie auch schon in ihren Romanen thematisiert hat, einfließen. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Hunsrück, war sie dort mit dem örtlichen Dialekt ebenso konfrontiert wie mit dem Hochdeutschen, das ihre Mutter zu sprechen pflegte. Geprägt von der Mutter, die sich auf ihre ganz eigene Art einst in die Dorfgemeinschaft einbrachte, versuchte auch Daniela Dröscher als Kind, sich präzise auszudrücken. Wir lesen unter anderem von Streitgesprächen in der Familie, vom Nichtverstandenwerden oder von falschen Interpretationen des Gesagten.
Später gab es Phasen in Daniela Dröschers Leben, in denen Sprechen für sie zum Problem wurde. Lange Zeit redete sie überhaupt nichts mehr. Die Angst vor Missverständnissen, vor dem Nichtverstandenwerden, vor Blamage, ließ sie verstummen. Dass sie auch später, als Literaturstudentin, sich nichts zu sagen traute, ist kaum vorstellbar. Erst als ihr das In-Verbindung-Treten mit anderen wichtiger als die Perfektion des Gesagten erschien, konnte sie dieses Dilemma durchbrechen.
All das gehört der Vergangenheit an. Längst hat sie sich emanzipiert und ist als Schriftstellerin eine öffentliche Person geworden.
In diesem Essay verdeutlicht die Autorin, welche wichtige Bedeutung die Sprache im Leben von uns allen einnimmt.
Beeindruckend ist die uneingeschränkte Ehrlichkeit und der private Blick, mit dem Daniela Dröscher sich ihren Lesern gegenüber öffnet.
Daniela Dröscher: Sprechen.
Hanser, April 2026.
112 Seiten, gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
