Jo Cheetham: Love and Rent

Mitte Dreißig und ständig pleite
Der Roman der englischen Autorin Jo Cheetham wird als „Bridget Jones für eine neue Generation“ gefeiert. Eine passende Beschreibung! Gemeinsam ist der herrlich britische Humor und die liebenswerten Charaktere, welche alles andere als perfekt sind. Während die „echte“ Bridget Ende der 1990er Jahre erstmals nach ihrem Mr. Right suchte, geht es bei Protagonistin Hannah jedoch weniger um Romantik, als ums nackte Überleben. Angestellt in einem unterfinanzierten Museum, kann sie sich den Alltag in der Großstadt Sheffield nicht mehr leisten. Ständig pleite, ständig mit den Rechnungen in Verzug, ständig Angst, aus ihrer Mietwohnung zu fliegen – und das mit Mitte Dreißig.

Daten im Zeitalter von Dickpics
Obwohl sie Filme hasst, in denen ein Mann zur Rettung herbeieilt, wünscht sie sich doch insgeheim, mal relaxed eine Pizza zu kaufen, ohne befürchten zu müssen, dass ihre Kreditkarte abgelehnt wird. Wenn ihr ein gut situierter Partner dies bieten könnte… wäre sie zu einer Ausnahme bereit. Doch Hannah muss sich mit Dingen herumschlagen, die Bridget Jones vor fast 30 Jahren noch nicht kannte. Zum Beispiel absurde Tinder-Profile oder die Schrecken ungefragter Dickpics! Dieser Roman zeigt deutlich: Das Dating-Leben ist nicht leichter geworden. Aber dafür umso amüsanter.

Köstlicher Spaß mit viel Female Empowerment
Halt und Spaß geben Hannah ihre besten Freundinnen Kiera (finanziell und männertechnisch genauso erfolglos) und Bex (verheiratet, erfolgreich, lesbisch, aber etwas langweilig werdend). Als Hannah eines Tages Kieras neuen Kollegen kennenlernt und ihn versehentlich zu einer Art Date auffordert, ist es nicht das große Kribbeln im Bauch. Oscar ist zwar reserviert, aber reich. Und er ist ein Macher, der es liebt, Probleme analytisch zu lösen. Also eigentlich genau der Typ Mann, den die erfolglose Hannah dringend in ihrem Leben bräuchte, oder? Außerdem ist er zuverlässig, beherrscht die englische Grammatik und lässt sein bestes Stück in der Hose, anstatt es vor die Handykamera zu zerren. Ein Fortschritt.

Nach und nach entdeckt Hannah natürlich erste „Leichen im Keller“. Oscar scheint unter dem Pantoffel seiner überkandidelten Mutter zu stehen, entwickelt zudem einen Fitness- und Optimierungstick. Als Hannah familiäre Probleme mit ihrer Mutter und ihrem Bruder hat, muss sie erkennen, dass emotionaler Beistand wichtiger ist als Geld. Zum Glück sind da immer noch ihre beiden Freundinnen. Bereit ihr beizustehen und wenn nötig, gehörig den Kopf zu waschen.

Ein Debütroman mit Potenzial zur Romanreihe
Jo Cheetham überzeugt mit einem wunderbaren, höchst amüsanten Debütroman, der förmlich nach einer Fortsetzung schreit! Bevor sie Autorin wurde, hatte sie in Kunstgeschichte promoviert und in verschiedenen, teils außergewöhnlichen Jobs gearbeitet, zum Beispiel als Christmas Pudding Herstellerin. Sie hat folglich Erfahrung damit, wie es ist, sich kreativ durchs Leben zu schlängeln.

Dabei beherrscht sie die Mischung aus schwarzem Humor und den leisen, tiefgründigen Momenten perfekt. Im Fall von Hannah sind es schwierige Familienverhältnisse, die ihre Beziehungen noch im Erwachsenenalter prägen. Ob ihre pflegebedürftige Mutter oder emotional abgestumpfte Männer, immer wieder muss sich Hannah fragen, warum sie in destruktiven Gewohnheiten feststeckt.

Englischer Humor von seiner besten Seite
Das darf durchaus humorvoll aufgearbeitet werden, mit herrlichen „Listen“! Eine knochentrocken kommentierte Liste von Ex-Freunden, köstliche Pro-Contra-Gegenüberstellungen vor lebenswichtigen Entscheidungen oder Checklisten, woran man vornehme Menschen erkennen kann. Oder die Bedürfnisliste ihrer Mutter an einem stinknormalen Nachmittag bis hin zu einem Ranking mit den besten Spitznamen für ungefragt zugeschickte Dickpics. Motto: Auch wenn dir das Leben Zitronen schenkt, wenigstens ist es nicht langweilig! Ein köstlicher Erstling, der Lust auf eine Buchreihe macht!

Jo Cheetham: Love and Rent.
Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Röser.
Tropen, August 2026.
336 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.


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