Kenner der Krimi-Reihe um Samantha Kälin, genannt Sammy, sind sicher gleich wieder mittendrin, im achten Fall für die Ermittlerin, die eigentlich gar keine ist, aber immer wieder in irgendwelche Kriminalfälle verwickelt wird. Wer Sammy und die anderen Bücher nicht kennt, tut sich stellenweise etwas schwer, wenn in Halbsätzen oder kurzen Anmerkungen Bezug genommen wird auf Dinge, die früher geschehen sind. Etwa einen Fall, bei dem Sammy sich, als sie fliehen musste, das Knie verletzt hat. Das passiert ihr jetzt wieder, ein Skiunfall, dasselbe Knie. Gott sei Dank nur verstaucht, nichts Schlimmeres, aber blöd und langwierig ist es trotzdem. Sammy ist auch nicht wirklich überzeugt, dass es „nur“ eine „Pistensau“ war, die sie hart angerempelt und ihren bösen Sturz damit verursacht hat, sie glaubt, es war Absicht. So vieles, was in den letzten Tagen vor ihrem Kurzurlaub mit Joel, seiner Schwester und ihrer Familie im Chalet in Zermatt passiert war, lässt sie hellhörig und auch ein bisschen ängstlich werden.
An Zufall zu glauben, fällt ihr gerade ziemlich schwer. Es ist erst ein paar Tage her, seit sie gemeinsam mit ihrem Partner Joel auf einem alten Bauernhof, den zwei Freunde von Joel aus Kindertagen zu einem Wellnesshotel umgestalten wollen, bei der Besichtigung der Fortschritte eine mumifizierte Leiche in einer doppelten Wand gefunden haben. Der Bauernhof hat den Eltern von Freddy, einem von Joels Freunden, gehört, Freddy hat dort seine Kindheit verbracht. Der Hof steht inzwischen einige Zeit leer, Freddys Vater ist dement und lebt in einem Seniorenheim, seine Mutter hat den Hof vor zwei Jahren verlassen und ist in eine kleinere Wohnung gezogen. Wegen Freddys Wunsch, den Hof zu restaurieren und ein Hotel daraus zu machen, gab es ein Zerwürfnis mit dem Vater, der strikt dagegen war. Neben der Leiche wird ein Hammer gefunden, der eindeutig Joels Vater gehört. Was hat das zu bedeuten?
Die Eltern waren ebenfalls befreundet, Joels Vater hat immer mal wieder handwerklich ausgeholfen, aber was sollte er mit einer eingemauerten Leiche zu tun haben? Fragen über Fragen, die nicht nur Kommissar Jan Nussbaum gerne beantwortet hätte. Auch Sammy lässt das alles keine Ruhe. Sie kann sich – genauso wenig wie Joel – vorstellen, dass sein Vater etwas mit der Leiche zu tun hat. Das zu beweisen, ist nicht einfach. Vieles spricht dafür. Von Freddys Vater können sie kaum klare Antworten erwarten, Freddys Mutter hat anscheinend keine Ahnung und doch muss ja jemand für den Tod des Menschen verantwortlich sein und wissen, wieso er eingemauert worden war. Die Recherchen decken tief Verborgenes auf, werden für Sammy und ihre Freunde ziemlich gefährlich und drohen, neue Zerwürfnisse zu verursachen.
Ein Schweiz-Krimi, der Krimihandlung und Privatleben der sympathisch gezeichneten handelnden Personen locker verbindet, viel Lokalkolorit und Liebe zur Region, gespickt mit Schweizer Grammatik und Ausdrücken, die für alle, die sie nicht so richtig verstehen, am Ende in einem Glossar erklärt werden. Manchmal ein bisschen viel Verwicklungen, aber im Großen und Ganzen gut zu lesen und gut aufgebaut.
Ina Haller: Liestaler Lügen
Emons, April 2026
272 Seiten, 22,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
