Im letzten Teil der Trilogie Die Tiefe von Karen Sander beginnt für Mascha Krieger und Tom Engelhardt, dem Ermittlerduo und jetzt offiziellen Paar, ein Wettlauf mit der Zeit. Allmählich glauben sie zu wissen, wer hinter den brutalen Serienmorden steckt. Nur eines wissen sie jedoch mit Gewissheit, es befinden sich noch weitere Menschen in Gefahr.
Die erfolgreiche Thrillerautorin Karen Sander hat inzwischen eine neue Geschichte abgeschlossen, in der mysteriöse Todesfälle im oder an Gewässern im Zentrum der Ermittlungen stehen. Dieses Mal geraten nicht nur die Ermittler selbst in lebensgefährliche Situationen. Ein als Warnung gedachtes Attentat zeigt Tom, dass die komplexe Mordserie auch auf seine persönliche Ebene gezogen worden ist. Wie soll man seine professionelle Distanz im Arbeitsalltag behalten, wenn das Leben der Liebsten bedroht ist?
Wie auch in ihren früheren Thrillern arbeitet Karen Sander mit verschiedenen Perspektiven, die jeweils ihren Anteil an der großen Geschichte haben. Aus den Nebenschauplätzen entsteht ein Puzzle, das erst im dritten Teil ein ganzes Bild ergibt. Cliffhanger und unterschiedliche Akteure sorgen dabei für eine abwechslungsreiche Lektüre.
Wer nun was auf dem sprichwörtlichen Kerbholz hat, zeigt die Autorin, wenn ihre Charaktere in Ausnahmesituationen hineingeraten. Manche Handlungsverläufe bleiben offen, weil diese Teil des Verwirrspieles geworden sind.
Wer die ersten beiden Teile der Trilogie vor ein paar Monaten gelesen hat, wird im dritten Teil problemlos den Anschluss finden. Freunde des Ermittlerduos Mascha Krieger und Tom Engelhardt werden vermutlich im kommenden Jahr eine neue Trilogie lesen dürfen, schreibt Karen Sander in ihrem Nachwort.
An dieser Stelle erlaube ich mir noch eine persönliche Anmerkung: Inzwischen lässt sich eine reduzierte Aufmerksamkeit bei den Medienkonsumenten erkennen. Aus diesem Grund sind Miniserien mit kleinsten Videosequenzen besonders beliebt. Schnell und kurz ist diese Form der Unterhaltung. In längeren Filmen werden inzwischen Erklärungen eingebaut, warum jemand etwas gesagt, getan oder erlebt hat. Diese Wiederholungen sollen abgelenkte Konsumenten bei der Stange halten, die in ihrem Leben parallel auf unterschiedlichen Ebenen aktiv sind. Würde zum Beispiel Karen Sanders Trilogie von allen Erklärungen und Einfügungen befreit werden, würde aus ihrer Thrillerserie in ihrer wesentlichen Essenz vermutlich ein Buch mit dem Gütesiegel Extraklasse. Letztendlich ist und bleibt alles eine Geschmacksfrage der Medienkonsumenten und eine Entscheidung der Lebensgestaltung. Mal eben schnell und nebenbei konsumieren geht mitunter zulasten einer Geschichte.
Karen Sander: Die Tiefe: Verloren
Rowohlt Taschenbuchverlag, Juni 2026
348 Seiten, Taschenbuch, 14,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.
