„Supertoskana“ – bei solch einem Romantitel glaubt man fast schon zu wissen, was einen im Buch erwartet. Ja, und was so schön nach Urlaub klingt, ist tatsächlich auch eine prima Urlaubslektüre. Allerdings erleben die Figuren darin, drei Paare, ihre gemeinsame Auszeit in der Toskana alles andere als entspannend.
Es ist lange her, seit dem letzten Urlaub, den sie zusammen in Frankreich verbracht haben. Vieles hat sich seither verändert, zwischenmenschlich, altersmäßig, beruflich und überhaupt. Gemeinsamkeiten gibt es so gut wie keine mehr. Die Jahre haben ihre Spuren in allen Bereichen hinterlassen.
Die Hauptfiguren sind zum einen das zu Geld gekommene, künstlerisch veranlagte Gastgeberpaar, weiter ein gutmütiger, belesener Zahnarzt mit seiner neuen Flamme, deren Niveau so gar nicht zu den anderen passt, samt Baby, und letztlich sind noch Jean, der alle bekocht und seine Frau Jacqueline dabei.
Alle bringen ihre Konflikte und Erwartungshaltungen mit in das abgelegene Ferienhaus. Die Paare harmonieren weder zu zweit noch untereinander. Der Autor stellt sie alle mit ihren Allüren und den Abgründen, die immer größer werden, pointiert vor den Lesern bloß.
Die jeweiligen Charaktere sind einfach umwerfend und staunenswert realitätsnah beschrieben. Hier wirkt nichts gekünstelt oder aufgesetzt. Jede Figur glaubt man zu (er)kennen. Ihre Verhaltensmuster, ihre Ausdrucksweisen und Gedankengänge sind frappierend echt nachempfunden.
Alles passt zusammen, die Handlung fließt und liest sich stimmig.
Das drohende Unheil schwelt immer wieder zwischen den Zeilen
Die jeweiligen Kapitel sind zweisprachig – italienisch und deutsch betitelt, was dann nochmals unterstreicht, dass sich alles ja in der Toskana abspielt.
Am Ende kippt die Stimmung immer mehr, wie das Unwetter, das plötzlich hereinbricht und alles verändert.
Fazit: Absurd, spannend, urkomisch, bitterböse und dabei ganz nah am Leben.
Max Küng: Supertoskana.
Kein & Aber, Juni 2026.
gebundene Ausgabe, 450 Seiten, 27,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
