Silvia Trippolt: Küchengeflüster: Die verborgene Zutat der Liebe

Ein wunderbar leichter Roman über das harte Leben in der Gastronomie. Wer schon mal „gekellnert“ hat, kann das bestätigen. Der Ton ist rau, die Arbeit hart und vor allem meistens dann, wenn andere eben frei haben. Wer nur von außen draufschaut, sieht das nicht unbedingt und macht gerne auch mal den Fehler, eben oberflächlich zu urteilen. Genau wie die Protagonistin im Roman, die unter einem Pseudonym ihre „Tischnotizen“ in einer Food-Zeitschrift veröffentlicht und mit den Gastronomen und Restaurantbesitzern nicht selten ziemlich hart ins Gericht geht. „Emil Fürst“, so das Pseudonym, ist denn auch bekannt für seine Scharfzüngigkeit und harten Worte, in der Gastroszene eher gefürchtet. Tilda, die junge Journalistin, die hinter dem Pseudonym steckt, ist wohl mehrfach über das Ziel einer gerechten Kritik hinausgeschossen und hat sich zuletzt richtig Ärger eingehandelt. Einmal, als sie „den Italiener“, den eine ehemalige Schauspielerin, eine „Promi-Quereinsteigerin“, eröffnet hat, ziemlich schlecht hat wegkommen lassen, – damit ist sie bei ihrem Chef, Heinrich Setten, dann noch einigermaßen milde davon gekommen. Er hat lediglich die Zusage von ihr verlangt, den nächsten Text erst von ihm absegnen zu lassen, bevor sie ihn in Druck gibt. Okay, mit einem Rüffel und dieser Auflage kann sie leben. Allerdings hält sie sich nur bedingt an die Abmachung. Sie legt den Text über ihren Besuch im Sterne-Restaurant „Wolf“ zwar vor, aber nachdem Heinrich sein Okay gegeben hat, „peppt“ sie ihn noch ein bisschen auf. Und das bricht ihr dann beinahe das Genick. Rena Wolf, die Restaurantbesitzerin, erscheint persönlich in der Redaktion und macht ihrem Ärger Luft. Der Text sei niederträchtig, widerwärtig und fies, Tilda unterscheide nicht zwischen Tatsachenbehauptungen und Werturteilen. Das sei unzulässig. Leider stimmt Heinrich dem zu, statt Tilda zu verteidigen. Aber statt Tilda zu verklagen, hat sich Rena Wolf eine ganz andere Strafe für sie ausgedacht. Tilda soll drei Monate lang in ihrem Restaurant arbeiten, um selbst zu erfahren, was da geleistet wird und wie hart die Arbeit ist. Danach kann sie dann über ihre arrogante Kritik nachdenken. Tildas Chef stimmt diesem Vorschlag unbedingt zu und stellt Tilda vor die Wahl, entweder das Angebot anzunehmen und, getarnt als Foodbloggerin, im „Wolf“ zu lernen, was Gastro bedeutet oder sie ist ihren Job los.

Was bleibt Tilda also übrig? Ziemlich kleinlaut und ängstlich, was da wohl auf sie zukommt, fängt sie drei Tage später im „Wolf“ an. Als Azubi unter „dem großen Magnus Lehner“, den sie in ihrer Kritik als Emil Fürst so runtergemacht hat. Allerdings weiß außer Rena niemand, dass Tilda dieser fiese Emil Fürst ist. Puh. Die Mannschaft macht es ihr nicht leicht, zumal Tilda von Kochen nicht die geringste Ahnung hat. Lediglich Luisa, die Servicekraft, die Tilda in ihrer Kritik ebenfalls ziemlich mies beurteilt hat, geht auf sie zu und wird zu einer Freundin.

Dass sich schließlich alles zum Guten wendet, ist natürlich klar, der Plot ist einigermaßen vorhersehbar und so ähnlich auch schon dagewesen, aber die Geschichte um Tilda, ihre Familie, ihre Erfahrungen im Restaurant, die neuen Freunde, die sie genau da findet, wo sie sie am wenigsten vermutet hätte, ist einfach unterhaltsam und amüsant erzählt. Man fiebert mit der sympathischen, leicht chaotischen Hauptfigur, lebt ihr Leben mit ihr und ihren Freunden und lernt durchaus das ein oder andere Neue aus dem Bereich Kochen. Dass die Autorin selbst Kulinarikjournalistin ist, merkt man dem leichten Roman durchaus an. Sie weiß, wovon sie schreibt. Der Stil ist locker, humorvoll witzig und mit Genuss zu lesen, die Charaktere authentisch gezeichnet. Eine herzliche, warme Liebesgeschichte rund ums Essen.

Silvia Trippolt: Küchengeflüster: Die verborgene Zutat der Liebe
Knaur, April 2026
368 Seiten, Taschenbuch, 13,99 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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