Ronja von Rönne: Alles Liebe

Die deutsche Autorin und Moderatorin Ronja von Rönne (Jahrgang 1992) hat ein neues Buch geschrieben. Auf diesem Blog haben wir zuletzt ihren Roman „Ende in Sicht“ aus dem Jahr 2022 besprochen. Am 2. Juli 2026 veröffentlichte dtv ihren aktuellen Roman mit dem Titel „Alles Liebe“.

Ronja von Rönnes „Alles Liebe“ bietet Erschreckendes über die menschliche Liebe

Schon das Buchcover gibt den Lesenden einen Hinweis darauf, dass nicht alles, was unter dem Deckmantel der Liebe in menschlichen Beziehungen daherkommt, auch Liebe ist. Ein eingeschnürtes dickes und rotes Herz steht für die negativen und sogar schädlichen Formen der Liebe. So erzählt Ronja von Rönne von Menschen, deren Vornamen die Überschriften der Kapitel liefern, in beiläufigem Ton Erschreckendes über die menschliche Liebe.

Da ist das Kind Laura, dessen beste Freundin Miriam an Krebs erkrankt, und das sich im Mitleid ihrer Schulfreunde aalt. Laura lernt, sich Geschichten auszudenken, um sich interessant zu machen.

Barbaras Tochter Klara ist ebenfalls an Krebs erkrankt. Der Vater hat die Familie verlassen. Barbara flüchtet sich in eine fiktive Welt, wie aus dem Katalog.

Heike hat Norbert geheiratet und ist mit ihm in sein Elternhaus im Hunsrück gezogen. Dort hat ihre Schwiegermutter Edith das Sagen.

Fedor und Christina lernen sich an der Kunstakademie kennen. Christinas Kunst beruht auf Verkleinerungen. Mit ihren Miniaturen erreicht sie einen gewissen Ruhm. Fedors Kunstwerke sind groß. Er verkauft nicht viele. Dann wird Christina schwanger.

Im letzten Kapitel sitzt Mattis vor Gericht. Ihm wird sexuelle Nötigung seiner Kollegin Laura vorgeworfen. Die beiden arbeiten für die Lokalzeitung, den Oberbayerischen Kurier. Und Laura ist der Star in der Redaktion.

„Alles Liebe“ bleibt einem im Hals stecken

Ronja von Rönne schreibt einen Episodenroman, in dem Figuren aus den einzelnen Kapiteln („Laura“, „Barbara“, „Heike“, „Fedor“ und „Mattis“) in anderen Kapiteln wieder auftauchen. So stößt man im letzten Kapitel „Mattis“ auf die erwachsene Laura aus dem ersten Kapitel. Und der Kreis der Erzählungen schließt sich.

Allerdings ist von Rönnes Roman kein Roman im klassischen Sinn mit einer durchgehenden Geschichte. Sie wirft Schlaglichter auf die einzelnen Figuren und deren Leben. Allen Personen gemein ist eine ungesunde Form der Liebe in ihren Beziehungen, sei es zur „besten“ Freundin, zu einem Katalog-Model, zu einer Schwiegermutter oder zur Arbeitskollegin. Und alle lügen und betrügen, was das Zeug hält.

Selten habe ich eine so schlechte Laune während des Lesens eines Buches entwickelt, wie bei „Alles Liebe“. Selten waren Protagonisten so unsympathisch, dass man misanthropisch werden könnte, und verstrickten sich zudem immer tiefer in fatale Situationen, die von Rönne konsequent schlecht ausgehen lässt.

Dabei ist von Rönnes Erzählton mitleidslos, kurz und treffend:
„Christina war ihm von Anfang an zu fett gewesen“. (S. 135)

Ronja von Rönnes „Alles Liebe“ ist schwere Kost, die mir als Lesende erst beinahe im Hals stecken bleibt, um dann wie ein Stein im Magen liegen zu bleiben. Mit anderen Worten: Man kann das Buch mögen, muss man aber nicht.

Ronja von Rönne: Alles Liebe
dtv, Juli 2026
240 Seiten, Hardcover, 23,- Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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