Buzzy Jackson: Wir waren nur Mädchen

Ich muss gestehen, der Name „Hannie Schaft“ hat mir zunächst einmal nichts gesagt. Ganz im Gegensatz zu Anne Franks ist die Geschichte des „Mädchens mit den roten Haaren“, das sein Leben dem Widerstand der Nazi-Besatzer in den Niederlanden opferte, um Freunde zu schützen und einfach nur zu helfen, eher wenig bekannt.

Geboren am 16. September 1920 als Jannetje Johanna Schaft in Haarlem, nahm Jo den Namen „Hannie“ an, als sie in Amsterdam anfing, Jura zu studieren. Ehrgeizig, fleißig, engagiert und mit Bestnoten. An der Universität lernte sie Sonja und Philine kennen, zwei jüdische Kommilitoninnen, die zu ihren besten Freundinnen wurden. Zunächst spielte es für die drei jungen Mädchen keine Rolle, dass Sonja und Philine Jüdinnen waren, erst als die deutschen Besatzer Ende 1940 immer schärfere Regeln für Juden in den Niederlanden durchsetzten, waren die beiden und ihre Familien in Gefahr. Hannie versuchte, zu helfen. Zunächst „besorgte“ sie den Freundinnen Personalausweise, die sie im Stadtbad in Spinden anderer junger Frauen geklaut hatte. Später machte sie das eher regelmäßig und half so jüdischen Mitbürgern. Außerdem half sie, Verstecke für sie zu organisieren. Sonja und Philine brachte sie wenig später nach Haarlem zu ihren Eltern, die sie damit einer riesigen Gefahr aussetzte, die ihre Tochter aber ohne Nachfrage unterstützten.

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T. C. Boyle: No Way Home

Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle wird im Dezember dieses Jahres 77 Jahre alt. Inzwischen hat er dreißig Bücher geschrieben. Einige haben wir auf unserer Homepage besprochen. Zuletzt die Storys unter dem Titel „I Walk Between the Raindrops“ aus dem letzten Jahr. Am 16. September 2025 ist Boyles neuer Roman „No Way Home“ im Carl Hanser Verlag erschienen. Dirk van Gunsteren hat ihn aus dem Englischen übersetzt.

Zwei Männer und eine Frau in einer Kleinstadt in der Wüste Nevadas

In sieben Kapiteln erzählt T. C. Boyle die Dreiecksgeschichte zwischen Terrence, Bethany und Jesse. Dabei wechseln die Perspektiven der Figuren von Kapitel zu Kapitel. Boyle beginnt mit Terrence (Terry) Tully, einem Arzt Anfang dreißig, der in einem Krankenhaus in Los Angeles arbeitet. Der Krankenhausalltag ist stressig und belastend. Terrences Mutter verstirbt plötzlich und er muss sich um ihren Nachlass kümmern. Die Mutter lebte in Boulder City, Nevada, einer kleinen Stadt am Rande der Wüste. Sie hinterlässt ihm ihr kleines Haus und ihre Hündin Daisy. Bei einem ersten Besuch in Boulder City lernt Terrence die schöne Bethany in einer Bar kennen. Aber auch ihren Ex, den High-School Lehrer und Motorradfahrer Jesse Peter Seeger. Terrence und Bethany schlafen miteinander. Wie selbstverständlich nistet sich Bethany im Haus von Terrys Mutter ein. Und dann hat Terrence einen Unfall.

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Nadine Schneider: Drei Kilometer

Der Roman „Drei Kilometer“ von Nadine Schneider begleitet das Leben der Protagonistin Anna. Anna lebt in einem Dorf in Rumänien, im Banat. Das Land steht kurz vor dem Zusammenbruch der Diktatur, vor der Revolution 1989. Die Sprache ist unverblümt und in vielen poetischen Metaphern eingerückt. Das Buch beginnt mit einem wunderbaren Satz: „Der Fahrtwind war der schönste Begleiter. Strich mir durchs Haar und kühlte meine Stirn.“

Anna gehört der deutschsprachigen Minderheit an. Die Frage: bleiben oder das Land verlassen? begleitet Anna, begleitet ihre Eltern, begleitet ihre Freunde Hans und Misch. Drei Kilometer, ein Maisfeld, trennt sie vom gefährlichen Weg in die Freiheit nach Jugoslawien. Der Schritt muss bis zum Herbst getan werden, bevor das Maisfeld abgeerntet ist. Ängste, die hochkommen. Annas Vater darf schließlich für einen Verwandtenbesuch nach Deutschland. Das rumänische Regime genehmigt ihm die Reise. Der Vater plant, in Deutschland zu bleiben. Annas Freunde denken über ein Weggehen nach. Fragen, die unausgesprochen im Alltag stehen. Wird man es schaffen? Was passiert, wenn man es nicht schafft? Was passiert mit denen, die bleiben? Werden sie unter Repressalien des Regimes leiden müssen?  

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Anna Maschik: Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten

Dieses Buch handelt von einem ungewöhnlichen Familienepos. Ungewöhnlich, weil die Autorin die Handlung auf wenige Seiten konzentriert und verdichtet. Es ist ein Konzentrat, das aufzeigt, wie gewisse Eigenheiten und Ausprägungen mancher Charaktere über Generationen hinweg in einer Familie erhalten bleiben und sich in denen, die nachkommen, offenbaren.

Die Geschichte beginnt mit der Zeit des Ersten Weltkrieges. Die Autorin schildert das harte bäuerliche Leben auf einem Hof in Norddeutschland. Hier lebt Almas Urgroßmutter Henrike, die im Alter von dreizehn Jahren ihre Mutter verliert. Von nun an kümmert sich Henrike um den Haushalt und die jüngeren Brüder. Henrike schlachtet Tiere, bepflanzt den Garten. Als sie eines Morgens bemerkt, dass das Gemüse in den Beeten eine milchig-weiße Farbe angenommen hat, weiß sie, dass der Vater im Krieg gefallen ist.

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Benedict Jacka: Haus Ashford – Magisches Erbe

Stephen Oakwood lebt, mehr schlecht als recht, zusammen mit seinem Kater in London. Seine Mutter, die aus begütertem Hause stammt, hat ihn und seinen Vater kurz nach seiner Geburt verlassen. Sein Dad ging vor einem Jahr und hinterließ ihm nur einen Brief, in dem stand, dass er gehen müsse – warum, das schrieb er nicht.

Inzwischen weiß Stephen, dass seine Mutter dem Haus Ashford entstammt – einem alten, sehr begüterten Magier-Adel – und dass weder sie noch seine Stiefgeschwister oder sein Großvater näheren Kontakt mit ihm wünschen. Dabei beherrscht er, und das ohne jegliche Schulung, Drucraft – so wird die Magie mittels Sigils genannt.

Als Stephen seinen Job, magische Quellen zu suchen, verliert, hat er ein Problem. Sein Kontostand tendiert massiv in Richtung Rot; da bleibt nur ein mehr als zwielichtiges Angebot, illegal Quellen abzuschöpfen.

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L. K. Steven: Silvercloak: Unter Feinden

Einst – sechs lange Jahre ist es mittlerweile her – war die Welt für die damals noch kindliche Saffron noch in Ordnung. Sie wuchs behütet in einem Heim voller elterlicher Liebe auf. Ihre Mutter, eine der begabtesten magischen Heilerinnen, und ihr Vater, ein Magier, der die seltene Verschleierungsmagie beherrschte, haben sie stets beschützt, umsorgt und unterrichtet. Dabei fiel ihnen auf, dass alle magischen Sprüche an ihrer Tochter abprallten – ein Kind, das immun gegen Magie ist? Wo gibt es denn so etwas?

Dann kamen die Agenten der Bloodmoons – einer verbrecherischen Bande, die ihre Macht aus dem Schmerz, vornehmlich dem ihrer Umgebung, zieht – zum pittoresken Häuschen der kleinen Familie. Sie suchten eine Nekromantin und glaubten, in der Mutter eine solche gefunden zu haben. Saffron musste hilflos versteckt mit ansehen, wie zunächst der Vater, dann die Mutter von einem Zauberspruch getroffen, grausam zu Tode kamen.

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Dirk Stermann: Die Republik der Irren

Eine irrsinnige Geschichte, die wahr ist

Zum Inhalt

Dirk Stermanns Buch ist aus der Sicht des jungen Cherubino geschrieben. Er wird im Alter von 15 Jahren von seinem Heimatdorf in den Abruzzen zur Ausbildung als Krankenpfleger nach Pergine eingeladen. Eine Gelegenheit, die er gerne annimmt. In der dortigen psychiatrischen Anstalt lernt er nicht nur einen Beruf, sondern auch Lesen und Schreiben, verliebt sich in die junge Nonne Letizia und schließt Bekanntschaften mit futuristischen Künstlern. Einer von diesen ist es auch, der dem Leiter der Anstalt von einem neuen Projekt erzählt. Die italienische Stadt Fiume (heute Rijeka) wurde im Zweiten Weltkrieg durch die Italiener von den Kroaten zurückerobert. Dort möchte ein gewisser Gabriele D’Annunzio einen neuen Staat gründen. Dieser soll modern, voller Liebe, Militär-Verehrung und Musik sein. Als Minister sollen „harmlose Irre“ aus psychiatrischen Anstalten aus ganz Italien eingesetzt werden – u.a. auch aus Pergine. Cherubino wird beauftragt, den Patienten Zino nach Fiume zu begleiten. Dort angekommen ist Cherubino über praktische Umsetzung dieses modernen Staates schockiert: Orgien, Drogenexzesse, ständige Feiern und keine Justiz. Dennoch beschließt er mit Letizia als Begleiterin dort zu bleiben, um „auf die Irren aufzupassen.“ Denn andere Pfleger verlassen die Stadt schnell wieder oder werden versehentlich bei Salut-Schüssen umgebracht.

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Jonathan Coe: Der Beweis meiner Unschuld

Christopher Swann, linksliberaler Blogger, macht sich auf den Weg zu einem Kongress der TrueCon-Bewegung, einer Sammlung von radikalen Marktwirtschaftlern und rechtsorientierten Politikern, Professoren und Unternehmern, um deren finstere Machenschaften aufzudecken. Das Luxushotel in den malerischen südenglischen Cotswolds verlässt er nicht mehr lebend.

Wer – und warum – tötete ihn mit elf Stichen eines japanischen Küchenmessers? Schnell finden sich mehrere Tatverdächtige inklusive Motiv. Spuren in die Vergangenheit deuten möglicherweise auf einen zweiten Mord hin. An dieser Stelle spielt Coe, teilweise ironisch, mit verschiedenen Versatzstücken des Genres: Es gibt einen Locked Room, einen Geheimgang, eine alkoholaffine, kurz vor der Pensionierung stehende Kommissarin (immerhin mal eine Frau) und eine kryptische Botschaft des Opfers.

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Navessa Allen: Lights Out

Ich möchte diese Rezension gerne damit beginnen zu betonen, dass ich keine dieser hochtrabenden Rezensenten bin, die alles schlecht finden, was der Masse Spaß bringt und ohne ein Wörterbuch lesbar ist. Ich lese allen möglichen Schund, wenn er mich unterhält und bin der festen Meinung, dass ein gutes Buch keinesfalls direkt hohe (unverständliche?) Literatur sein muss.

Nun, da das gesagt wurde: Was für ein schlechtes Buch! Respectfully.

Aber erstmal: Worum geht es?

Aly ist Trauma-Krankenschwester und kämpft im Alltag damit, die schlimmsten Fälle zu bearbeiten – von Vergewaltigungsopfern bis Mördern ist bei ihren Patienten alles dabei. In ihrer Freizeit verschafft sie sich Ablenkung, indem sie sich auf Social Media in Thirst Traps von maskierten Männern verliert und darüber fantasiert, ihnen im echten Leben zu begegnen.

Einer dieser Männer ist Josh, dem Alys Besessenheit von ihm so schmeichelt, dass er beschließt, ihren Traum wahrzumachen und beginnt, sie zu stalken und ihre heißen Fantasien zu erfüllen.

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Matthew Blake: Anna O

Vier Jahre hat Anna ihre Augen nicht mehr geöffnet – nicht seit jener Nacht auf der Farm, in der man sie im Tiefschlaf neben den Leichen ihrer Freunde fand. Die einen halten das Mädchen für unschuldig, die anderen für kaltblütig. Bisher hat sie niemand aufwecken können. Bis jetzt.

Der Start in das Buch ist etwas schleppend, doch schon bald konnte ich es kaum aus der Hand legen. Gut platzierte Twists machten es fast unmöglich, an gewissen Stellen aufzuhören – allerdings war deren Auflösung manchmal weniger spannend, als ich erwartet hatte. Auch an den Aufbau des Buches muss man sich erst gewöhnen: Die Geschichte wird im Präsens aus mehreren Perspektiven erzählt, wodurch man eine gewaltige Ladung an Informationen erhält. Erzählt Ben die Geschichte, wechselt die Erzählweise plötzlich und sie spricht aus der Ich-Perspektive. Es dauerte eine Weile, bis ich damit klargekommen bin. Richtig in der Geschichte angekommen war ich eigentlich erst ab der Hälfte des Buches. Im Verlauf erfährt man viel Neues über Schlafforensik, Neurologie und Psychologie – das gefiel mir sehr gut, einiges davon war mir bisher unbekannt.

Ein verworrenes Spiel ist es, das hier gespielt wird. Nicht alle Opfer sind wirklich welche.

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