Marisa Kashino: Tödliches Angebot

Der Wunsch nach einem eigenen Haus, in dem das so sehr ersehnte, noch nicht geborene Kind aufwachsen soll, wird für Margo übermächtig. Während Jan, ihr Mann, alles deutlich entspannter sieht, entwickelt sich Margos Sehnsucht nach dem Traumhaus zur Obsession. Ihre biologische Uhr tickt, und bislang sind alle Versuche, schwanger zu werden, gescheitert. Ihre Gynäkologin meint, sie setze sich zu sehr unter Druck. Margo denkt darüber nach, Eizellen einfrieren zu lassen – für alle Fälle. Gleichzeitig ist sie fast sicher, dass es mit dem Schwangerwerden klappen wird, sobald sie ihr neues Heim gefunden haben und aus der beengten Wohnung ausziehen können.

Die Erfüllung dieses Wunsches scheint greifbar nah, als Ginny, ihre Maklerin, anruft und von einem Haus in bester Wohnlage erzählt. Es wird noch nicht offiziell angeboten, doch Ginny weiß sicher, dass es verkauft werden soll, weil die Besitzer Washington aus beruflichen Gründen verlassen und nach London ziehen wollen. Das habe ihre Schwägerin berichtet, die mit einem der beiden Eigentümer im selben Fitnessstudio trainiert. Dieser Anruf verändert für Margo alles. Diesmal muss es gelingen.

Nach achtzehn Monaten, in denen sie und Jan immer wieder an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit gegangen sind und niederschmetternde Bieterschlachten um Häuser sämtlicher Kategorien verloren haben – und nach all dem Stress, den das für ihre Beziehung bedeutete –, muss es diesmal einfach klappen. Margo setzt sich sofort ins Auto, fährt zu der angegebenen Adresse und schaut sich das Objekt aus der Nähe an. Traumlage, Traumhaus – einfach perfekt. Sie schleicht durch den Garten, wirft durch die Terrassentür sogar einen Blick ins Innere und wird prompt erwischt. Mit einer fadenscheinigen Ausrede kann sie diesmal noch davonkommen. Doch als sie wenig später „rein zufällig“ zu einer Probestunde in genau jenem Fitnessstudio auftaucht, in dem Jack, einer der Besitzer, trainiert, wird es schwieriger. Gut, dass sie beim Blick ins Wohnzimmer das Foto eines kleinen Mädchens gesehen hat. Sie verwickelt Jack in ein Gespräch über Kinder und ihren unerfüllten Kinderwunsch.

Dabei erfährt sie, dass Jack und Curt ihre Tochter adoptiert haben – ein weiterer Ansatzpunkt, um das Gespräch zu vertiefen. Margo gelingt es, sich Jacks Vertrauen zu erschleichen. Er lädt sie und Jan zu einem Abendessen zu sich nach Hause ein, damit sie mehr über die Adoption und die damit verbundenen Auflagen erfahren können. Der Abend kippt, als Margo unverblümt ein Kaufangebot für das Haus macht, das noch gar nicht auf dem Markt ist. Das kommt bei Curt, dem zweiten Eigentümer, gar nicht gut an. Der Abend ist gelaufen. Doch Margo lässt nicht locker. Immer neue, skrupellose Ideen entwickelt sie, um das Objekt ihrer Begierde zu ergattern – auch gegen den erklärten Willen ihres Mannes. Margo schreckt vor nichts zurück. Kein Mittel ist ihr zu niederträchtig, um dieses Traumhaus zu bekommen. Weder Rufmord noch Mord.

Eine gute Grundidee, der es jedoch an der nötigen, glaubwürdigen Spannung fehlt, um wirklich zu fesseln. Streckenweise wirkt die Handlung überzogen und sehr amerikanisch-theatralisch.

Marisa Kashino: Tödliches Angebot
Aus dem Englischen von Sybille Uplegger
Ullstein, Januar 2026
336 Seiten, Paperback, 16 Euro 99

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.