Die Welt im Jahr 2030. Dürresommer voller Waldbrände wechseln sich mit Wintern voller Überschwemmungen ab. Das Wetter schlägt allen Menschen aufs Gemüt, zermürbt sie, radikalisiert sie, lässt sie kopflose Entscheidungen treffen. Wer es sich leisten kann, macht auf Island Urlaub, der Rest des Planeten verspicht keinerlei Erholungswert mehr. Mittendrin in Djians Roman straucheln Protagonisten voller kognitiver Dissonanzen. Denn zwischen dem Wissen, um das, was richtig ist, und dem entsprechenden Handeln danach, liegen Welten. Obwohl die Welt an die Wand fährt, sind sie nicht fähig, von destruktiven Verhaltensweisen abzulassen.
WeiterlesenBelletristik
Emily Henry: Book Lovers: Die Liebe steckt zwischen den Zeilen
Nora Stephens trägt unter den New Yorker Literaturagenten den Spitznamen „Der Hai.“ Sie ist kontrolliert, angeblich gefühlskalt, tough und erfolgreich. Beruflich. In der Liebe sieht es anders aus. Die Männer an ihrer Seite kommen ihr allesamt abhanden und hinsichtlich Dates schafft es selten ein Kandidat zu mehr als einem. Nora führt Listen, wie Männer sein sollen und kaum einer genügt ihren strengen Kriterien. Geweint hat sie das letzte Mal beim Tod ihrer Mutter.
Wegen Männern pflegt sie nicht zu weinen. Einzig ihre Schwester Libby ist ihr Augenstern. Libby überredet Nora auch dazu, mit ihr vier Wochen Urlaub in dem beschaulichen Städtchen Sunshine Falls in North Carolina zu machen. Sunshine Falls ist der Schauplatz ihres absoluten Lieblingsbuches.
WeiterlesenStefanie Sargnagel: Iowa: Ein Ausflug nach Amerika
Die österreichische Autorin und Cartoonistin Stefanie Sargnagel (Jahrgang 1986) macht sich 2022 auf den Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie fliegt nach Grinnell in Iowa, um an dem dortigen College „Creative Writing“ zu unterrichten. Begleitet wird sie von ihrer Freundin, der Musikerin Christiane Rösinger. Von dieser Reise und ihrem Aufenthalt berichtet sie in dem Buch „Iowa – Ein Ausflug nach Amerika“, das am 19. Dezember 2023 im Rowohlt (Hundertaugen) Buchverlag erschienen ist.
Im Land der übergewichtigen Flanellhemdträger und -innen
Gleich vorweg: ich glaube, ich bin zu alt für dieses Buch.
WeiterlesenIldiko von Kürthy: Eine halbe Ewigkeit
Ich muss zugeben, ich hab ein bisschen kramen müssen bis ich „Mondscheintarif“ von Ildiko von Kürthy in einem der ziemlich vielen Bücherregale gefunden hatte, aber „das Haus verliert ja bekanntlich nichts“. 25 Jahre sind halt eine recht lange Zeit, aber es gibt so Romane, die entsorgt man eben nicht. Kurz reinlesen und man ist wieder à jour und mitten im Leben von Cora Hübsch, 30 ¾ Jahre alt und nicht wirklich mit sich und ihrem Leben zufrieden.
Jetzt, 25 Jahre später knüpft „Eine halbe Ewigkeit“ quasi nahtlos an Coras früheres Leben an. Herrlich amüsant, temporeich – manchmal hat man beim Lesen wirklich das Gefühl, einfach mal Luft holen zu müssen! Auch wenn man „Mondscheintarif“ damals vielleicht nicht gelesen hat oder sich nicht mehr erinnert, ist man schon auf den ersten Seiten mittendrin. Ildiko von Kürthy lässt die berühmten Bilder im Kopf von Anfang an entstehen – farbig, bunt, intensiv. Aber auch nachdenklich und berührend. Eine 25 Jahre ältere Cora, wie sie ihrem früheren Leben ausgerechnet am Altpapiercontainer begegnet und sich in einem lange vergessenen Tagebuch – eben „Mondscheintarif“, wie sie es damals bezeichnete – verliert.
WeiterlesenLina Nordquist: Mein Herz ist eine Krähe
Armod und Unni nannten diese halbverfallene Kate mitten im schwedischen Wald von Hälsingland Frieden. Hier sollte 1897 ihre Flucht aus Norwegen enden und die Kate ihre neue Heimat werden. Mit dem Eigentümer wurden sie ebenfalls handelseinig. Weil sie kein Geld hatten, verpflichtete sich Armod, zehn Jahre lang für den Waldbauern zu arbeiten. Danach würde ihnen ein Stück des Waldes und die Kate gehören. Armod, Unni und der kleine Roar hätten dann eine Zukunft. Sie begannen zu schuften.
WeiterlesenAnnie Lyons: Der Buchclub
Ein Schmöker, wie er im Buche steht – berührend, spannend, herzerwärmend
Was für ein Buch! Eine Überraschung geradezu, hatte ich doch nicht wirklich erwartet, dass mich dieser Roman derart in seinen Bann zieht. So sehr, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Um fünf Uhr nachmittags begann ich die Lektüre und um halb elf am Abend war das Ende erreicht.
Und dass ich das Ende der Geschichte erreicht hatte, stimmte mich fast traurig. Man mag die Figuren dieses Romans, diese liebenswerten Charaktere nicht verlassen, so sehr wachsen sie ans Herz, während man ihren Abenteuern, ihrem Schicksal folgt.
WeiterlesenBonnie Garmus: Eine Frage der Chemie
Der Buchschnitt-Hype macht vor nichts halt, nicht mal vor Elizabeth Zott – die dafür, glaube ich, wenig Verständnis gehabt hätte. Dabei ist die Neuausgabe wirklich hübsch mit dem türkisen Buchschnitt und den Buchstaben, die ans Periodensystem der Elemente erinnern. Geblieben ist das Foto auf dem Titel, das schon bei der Erstauflage an die typischen 50er Jahre Nachkriegsbücher erinnert und so gar nicht zu dem Buch passt. Die Aufmachung hat mich damals von dem Buch lange abgehalten.
Elizabeth Zott ist Chemikerin im Jahre 1961. Sie arbeitet an einem der renommiertesten Labors des Staates – natürlich nicht als Chemikerin, sondern als Laborhilfe. Das ändert sich erst, als sie mit dem Superstar des Labors zusammenarbeitet, der zwar ebenso verschroben wie erfolgreich ist, aber ihr Talent erkennt. Er fördert sie, bis er es eben nicht mehr kann. Danach ist sie wieder auf sich selbst gestellt und die Diskriminierung beginnt von vorne. Bonnie Garmus lässt wenig aus, was die Unterdrückung von Frauen in den 60ern angeht. Elizabeth wird zur Schreibkraft degradiert, ihre Forschungsergebnisse werden ungefragt von ihren männlichen Kollegen ausgeschlachtet, schließlich muss sie gehen.
WeiterlesenNathan Hill: Wellness
Wow, was für ein großartiger, begeisternder, vielschichtiger, reichhaltiger und intelligenter Roman! Der 1975 geborene amerikanische Schriftsteller Nathan Hill legt nun mit „Wellness“ ein ähnlich fulminantes und rundum überzeugendes Werk vor wie bereits 2016 mit „Geister“.
Hauptfiguren sind diesmal Elizabeth, die aus einem reichen, aber herzlosen Elternhaus stammt, und Jack, der irgendwo in der Provinz großgeworden ist – mit einem Vater, der sich aufs Abbrennen von Feldern verstand und einer geradezu bösartigen Mutter. Beide haben dunkle Geheimnisse in ihrer Vergangenheit.
WeiterlesenBernhard Schlink: Das späte Leben
Der deutsche Jurist und Schriftsteller Bernhard Schlink (Jahrgang 1944) schreibt Erzählungen und Romane. Darunter auch ab Ende der 1980er Jahre eine Kriminalroman-Trilogie mit dem Privatdetektiv Gerhard Selb („Selbs Justiz“, „Selbs Betrug“ und „Selbs Mord“), für die ich hier gerne eine Leseempfehlung ausspreche. International bekannt wurde Schlink durch seinen Roman „Der Vorleser“ (1995), der 2008 mit Kate Winslet und David Kross verfilmt wurde. Am 13. Dezember 2023 erschien im Diogenes Verlag Bernhard Schlinks neuester Roman „Das späte Leben“.
WeiterlesenTessa Korber: Das Leben im Großen und Ganzen
Eine einsame Frau mit Ansprüchen – nicht ganz überzeugender Selbstfindungsroman
So recht fand ich keinen Zugang zur Protagonistin dieses Romans, die voller Selbstmitleid ihr männerloses Dasein beklagt, andererseits aber an ihren Ansprüchen scheitert.
Der vorige Roman von Tessa Korber, in dem sie vier Frauen zusammenbringt zu einer Wohngemeinschaft, die mit Humor und Zusammenhalt ihre jeweiligen Probleme und Schicksale bewältigen, gefiel mir gut. Er machte Mut, er zeigte starke Frauen, die selbst oder gemeinsam die kleinen und größeren Steine aus ihren Wegen räumen.
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