Silvia Trippolt: Das Glück beginnt in Istrien

Vor der wunderbaren Kulisse Istriens ist es nicht schwierig, sich in einen Urlaub zu träumen. Falls Sie also noch Lektüre für den Sommer brauchen, dieser leichte, unterhaltsame Roman bietet sich an. Leichtes Gepäck für den Urlaubskoffer, aber flott geschrieben, witzig und durchaus berührend, einfühlsam und dennoch deutlich. Die Sprache klar und schnörkellos, die Charaktere sehr plastisch und realistisch. Eine Pension wie Darias Bed & Breakfast „Vista Mare“ in Rovinj gibt es zwar wohl eher nicht, aber man kann sich gut vorstellen, dass sie existiert und diese bunte Mischung aus sehr unterschiedlichen Gästen sich dort wohlfühlt. Daria wird als einfühlsame, lebenskluge, offene und warmherzige Gastgeberin mit wunderbaren kulinarischen Fähigkeiten beschrieben, die gleich sieht, was ihren Gästen „fehlt“. Nicht im Sinne von Krankheiten, nein, eher die seelischen Verwundungen betreffend, die alle, die da wohnen, in irgendeiner Weise mit sich rumschleppen.

Egal ob Stacey, die Heimatlose, Isabell, die vermeintlich so erfolgreiche Stimme hinter Film- und Fernsehstars, arbeitslos und am Leben verzweifelt, oder Sebastian, der Weinkenner und -händler, den sein Mann grade zugunsten einer Frau verlassen hat oder eben Linda, um die es hier geht. Sie steht sozusagen vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Glanz und Glamour, ein reicher Verlobter mit toller Wohnung, ein guter Job als Rezeptionistin in einem guten Hotel – alles weg. Jordi, ihr Verlobter, hat sich als Millionenbetrüger entpuppt, sitzt inzwischen in Haft, die tolle Wohnung ist weg, der Ruf ruiniert, und deshalb hat Linda auch ihren Job im Hotel verloren. Sie ist nicht mehr tragbar als Rezeptionistin.

Da sie im wahrsten Sinn des Wortes ja nun auf der Straße steht, weil es Jordis Wohnung war, in der sie in Graz gelebt haben, setzt sie sich in ihrer Wut, ihrem Frust und Kummer in ihren ollen Fiat Panda und fährt einfach mal drauflos. Sie landet in Istrien. Dummerweise bleibt ihr Wagen liegen, und Linda findet sich mitten in einem Wald wieder. Dort findet sie Trüffelsucher Marko, der in den frühen Morgenstunden mit seinem Dackel Pino unterwegs ist. Kurzentschlossen lädt er Linda ein und bringt sie nach Rovinj ins Bed & Breakfast von Daria, seiner Tante. Das „Vista Mare“ ist bekannt als Zufluchtsort für gestrandete Seelen, insofern ist Linda dort genau richtig. In der Gesellschaft mit den anderen „Gestrandeten“ fühlt Linda sich auch gleich wohl, wird problemlos aufgenommen und macht sich bei Daria in der Küche nützlich. Das lenkt ab, hilft Daria und macht zudem Spaß. Recht bald kennt auch Linda viele Leute im Ort, findet rasch neue Freunde und erholt sich langsam von ihrem Liebeskummer und allem, was sie sonst noch belastet. Bis sie durch Zufall einem neuen Betrug auf die Schliche kommt, der sie fast noch mehr trifft als alles vorher.

Dass Marko in dem ganzen Trubel eine besondere Rolle zukommt, lässt sich rasch ahnen, allerdings ist die Entwicklung dieser Beziehung zwischen Linda und Marko geprägt von Missverständnissen und Umwegen und damit mal erfrischend anders zu lesen als üblich.

Alles in allem ein leichter, amüsanter, flüssig und gut zu lesender Sommerroman, der einen gut unterhält, einen in Urlaubsstimmung versetzt und nicht zuletzt lebt vom Flair der Region und der Liebe der Autorin zum Kochen und Backen.

Silvia Trippolt: Das Glück beginnt in Istrien
Gmeiner, Juni 2026
320 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro    

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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