Jella, eine junge mittellose Aussteigerin, erbt völlig unerwartet ein Haus im Oberengadin. Sie hat keine Ahnung, wie sie zu diesem unverhofften Reichtum kommen könnte, die alte Frau, die ihr das millionenwerte Haus vermacht hat, kennt sie nicht, den Namen hat sie nie gehört, mit der Schweiz oder gar dem Oberengadin verbindet Jella rein gar nichts. Doch alles ist wohl besser als weiterhin in Berlin als Straßenkünstlerin zu versuchen, über die Runden zu kommen und mit ihren beiden Freundinnen in einer abrissreifen Bruchbude zu hausen. An das Erbe ist allerdings die Bedingung geknüpft, dass Jella insgesamt fünf Jahre im Haus in Silvaplana leben muss, bevor sie entscheiden darf, ob sie es behält oder verkaufen möchte. Auch das ist sicher besser als mittellos in Berlin. Gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen zieht Jella also um nach Silvaplana. Die neuen Mitbewohnerinnen haben es nicht leicht. Ihr Auftreten, ihr Lebensstil passt so gar nicht ins total konservative Dorf!
Sie werden ziemlich kritisch beäugt und können keinen Schritt tun, der nicht beobachtet würde. Sie wohnen noch nicht lange in dem doch eher heruntergekommenen, aber dennoch richtig wertvollen Haus, da wird eines frühen Morgens die Leiche des attraktiven und äußerst beliebten Dorfpfarrers in ihrem Vorgarten gefunden. Mit einem Eispickel hinterrücks erstochen, nackt. Der Skandal scheint perfekt! Corina Costa, Bergbäuerin aus Leidenschaft und Alpinpolizistin von Beruf übernimmt den seltsamen Fall. Nur wenig später passiert ein weiterer Mord im sonst so beschaulichen Dorf Silvaplana, und wieder stehen die drei Außenseiterinnen im Zentrum des Interesses der Dorfbewohner.
Der Tote liegt exakt an der gleichen Stelle wie der ermordete Pfarrer. Zufall? Wohl doch eher eiskalt geplant. Für Corina Costa ein ziemliches Rätsel, auch wenn das halbe Dorf natürlich die drei Zugezogenen ganz klar für die Täterinnen hält. Doch was hatten sie mit dem Pfarrer und dem Gemeindepräsidenten zu tun, dass sie die beiden ermorden sollten? Will ihnen jemand die Taten in die Schuhe schieben? Die Entdeckung eines sehr aufschlussreichen, etwas speziellen Tagebuchs in der Wohnung des Pfarrers, führt Corina und ihre Kollegen auf eine interessante Spur, die dann auch Verbindungen zum zweiten Opfer plausibel erscheinen lassen. Die beiden Taten hängen zusammen, das ist so weit klar, aber noch immer gibt es keine offensichtliche Verbindung zu den drei jungen Frauen und ihrem seltsamen Erbe. Corina lässt nicht locker, herausfinden zu wollen, wieso die alte Dame, die das Haus vorher besessen hatte, ausgerechnet Jella zur Erbin bestimmt hat. Der Knoten löst sich nach langen Recherchen und so kommen sehr seltsame Machenschaften ans Licht, die das Testament und seine Bedingungen völlig neu dastehen lassen.
Dieser Alpenkrimi aus der Reihe „Alibi Tour de Suisse“ lebt von der Figur der sympathischen, bodenständigen Alpinpolizistin Corina Costa, die mit ihrem alten Fahrrad unterwegs ist statt mit Dienstwagen, die jeden Abend brav den Weg auf ihre Alm antritt, um ihre Tiere zu versorgen und die die Einsamkeit und Stille ihres Hofes braucht, um abzuschalten und in Ruhe denken zu können. Gut gemachte Story um drei absolute Außenseiterinnen und eine vermeintliche Dorfidylle, die durch ihre Anwesenheit empfindlich gestört wird, um einen Pfarrer, der polarisiert und voller Geheimnisse ist und einflussreiche Honoratioren, die gerne ihre Macht missbrauchen und ihren Reichtum auf nicht ganz legale Art vermehren möchten. Dazu die Bergkulisse des Oberengadins, nicht weit vom Nobel-Skiort St. Moritz. Unterhaltsam auf eine spezielle, etwas skurrile Art.
Philipp Gurt: Engadiner Rache: Ein Fall für Corina Costa
Dörlemann, Mai 2026
304 Seiten, Paperback, 19,90 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
