Nina Schilling: When Shadows Darken The Sun

Seit Generationen bestimmen die Traditionen der magischen Welt ein eisernes Gesetz: Die Erben des Tag- und des Nachthofes müssen in einem legendären, magischen Turnier gegeneinander antreten. Der Einsatz könnte nicht höher sein: Der Sieger entscheidet über die zukünftige Herrschaft des Dritten Hofes. Vor diesem Hintergrund wächst der Thronfolger Nox auf; von klein auf wurde ihm nur ein einziges Ziel eingetrichtert: Er muss die Prinzessin des Taghofs im kommenden Turnier schlagen, komme, was wolle. Doch das Schicksal schlägt einen anderen Weg ein, als er Cass trifft …

Der größte Pluspunkt dieses Buches liegt zweifellos im Schreibstil. Nina Schilling hat einen angenehmen, flüssigen und eleganten Schreibstil. Der Einstieg in die Geschichte wird so sehr leicht gemacht und die Seiten fliegen beim Lesen richtig an einem vorbei. Die bildhafte und atmosphärische Beschreibung der Schauplätze hat mir gut gefallen: Die düstere, geheimnisvolle Ästhetik des Nachthofs oder das strahlende, fast schon blendende Ambiente des Taghofs – man kann sich als Leser jede Kulisse, jedes Kleidungsstück und jede magische Nuance detailreich und lebendig vorstellen.

Trotz alledem leidet das Buch am Mangel an Originalität. Ich hatte stets das Gefühl, alles in ähnlicher Form bereits gelesen zu haben. Es fehlt an echten, unverbrauchten Innovationen, die sich abheben würden. Gelegentlich wurde der Handlungsverlauf auch extrem konstruiert. Es schien fast so, als wolle die Autorin eine Checkliste mit populären Tropes abhaken und alle in die Geschichte einbauen. Dadurch verlor die Geschichte ein wenig an Dynamik.

Auch die zentrale Liebesgeschichte von Nox und Cass konnte mich nicht voll überzeugen. Das Buch wurde im Vorfeld stark mit Enemies to Lovers beworben. Wer sich jedoch auf eine tiefgründige, langsame Entwicklung mit spürbarer Reibung und echtem Hass gefreut hat, wird hier eventuell enttäuscht. Die Annäherung der beiden Charaktere geht zu schnell.

Das eigentliche Herzstück der Prämisse – die Tag- und Nachtspiele – bringt zwar eine ordentliche Portion Grundspannung in das Buch, wird aber leider verschenkt. Gerade weil dieser Aspekt der Geschichte so viel Potenzial besitzt und beim Lesen am meisten Spaß gemacht hat, ist es bedauerlich, wie schnell das Turnier letztendlich abgehandelt wurde. Hier hätte man sich deutlich mehr Details, längere Prüfungen und eine intensivere Ausarbeitung der magischen Wettkämpfe gewünscht.

Zudem leidet der Spannungsbogen darunter, dass viele der vermeintlich großen Plot-Twists und Wendungen für erfahrene Fantasy-Leser viel zu vorhersehbar sind. Überraschungsmomente verpuffen dadurch leider allzu oft, da man die kommenden Ereignisse bereits viele Kapitel im Voraus erahnen kann.

Fazit: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Auftaktband ein zweischneidiges Schwert ist. Es handelt sich um ein handwerklich gut geschriebenes, atmosphärisches Buch, das sich wunderbar leicht und angenehm lesen lässt. Wer auf der Suche nach einer kurzweiligen Romantasy-Geschichte mit einer schönen Kulisse für zwischendurch ist, wird hier durchaus solide unterhalten.

Wer jedoch auf tiefgründiges Worldbuilding, eine glaubhafte, langsame Enemies-to-Lovers-Romanze und völlig neue Story-Elemente hofft, wird hier einige Schwächen finden. Das Buch konnte mich aufgrund der Vorhersehbarkeit und des schnellen Tempos zwar nicht restlos überzeugen, besitzt aber genug charmante Ansätze, um mein Interesse an der Welt zu wecken. Trotz der Kritikpunkte werde ich den zweiten Band der Reihe lesen, in der Hoffnung, dass die Geschichte dort ihr volles Potenzial entfaltet.

Nina Schilling: When shadows darken the sun
LYX, März 2026.
496 Seiten, Gebundenes Buch, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Katja Plattner.

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