Die Ermittlungen in seinem neuesten Fall führen Kommissar Georges Dupin ganz in den Norden der Bretagne, ins Finistère, wo zum einen gerade das alljährliche Krimifestival stattfindet, an dem – als Fan eines bekannten Autors – auch Inspektor Kadeq teilnimmt, und zum anderen die Vorbereitungen für das traditionelle Zwiebelfest auf Hochtouren laufen. Die Zwiebeln von Roscoff sind berühmt und besonders – auch der Autor schwärmt: „Unfasslich deliziös, aber nicht scharf-beißend, mild und fruchtig-süßlich. Geschmort dann zartschmelzend und nussig, karamellisiert. Hat mit ordinären Zwiebeln nichts zu tun, unendlich vielseitig zuzubereiten …“ Und so ist es diesmal die Zwiebel, die uns in diesem atmosphärischen Bretagne-Krimi als ein weiteres wichtiges und berühmtes Kulturgut der Region vorgestellt wird. Wie immer spielen die lukullischen Genüsse, die Stimmung in der pittoresken kleinen Stadt am Meer mit dem kleinen Hafen mit den vielen bunten Segeln, dem angelsächsischen Flair („Plymouth liegt näher als Rennes….“), das Licht, die Sonnenauf- und -untergänge eine große Rolle.
In Roscoff ist eine junge Frau ermordet worden, ausgerechnet dort, wo gerade das Krimifestival stattfindet. Annic Philouze war eine der ortsansässigen Zwiebelbäuerinnen und sehr engagiert in Organisationen und Verbänden, die sich der Bewahrung dieses Kulturguts verschrieben haben. Welchen Grund sollte jemand haben, diese beliebte junge Frau zu ermorden? Dupin und sein Team schlagen ihre Zentrale vor Ort auf. Das bedeutet allerdings, dass sie sich im Hotel, in dem auch die Teilnehmer des Krimifestivals untergebracht sind, die letzte freie Suite teilen müssen. Immerhin gibt es da eine, wenn auch nur Kapselmaschine, sodass Dupin unbegrenzten Zugang zu seinem geliebten petit café hat – eine Grundvoraussetzung dafür, dass er sich überhaupt arbeitsfähig fühlt! Die Ermittlungen lassen dem Kommissar, seinen Inspektoren und den ortsansässigen Kolleginnen allerdings kaum Zeit, sich in der Suite oder überhaupt mal auszuruhen.
Ein zweiter Mord verlangt ihre Aufmerksamkeit – Annics Freund. Ein junger Mann, Mitarbeiter der Fährgesellschaft, der sich zuletzt bei der Firmenleitung unbeliebt gemacht hat, nachdem eine der erfolgreichsten Routen von der Konkurrenz übernommen wurde. Kévin hat sich massiv dafür eingesetzt, dass die Firmenleitung um diese Verbindung kämpfen soll, die Belegschaft steht hinter ihm. Welche Verbindung kann es zwischen den beiden Morden geben, wenn überhaupt, und was sollte die Fährgesellschaft mit „Oignons divins“ zu schaffen haben? Und warum musste – als drittes Opfer – dann eine weitere junge Frau, die mit Annic zusammengearbeitet hatte, sterben? Nach und nach finden Dupin und seine Leute Verbindungen, die immer wieder zu denselben wichtigen und einflussreichen Männern in Roscoff führen. Die Ermittlungen verlangen den Kommissaren eine Menge ab. Insbesondere Dupin gerät immer wieder in den Fokus des Täters und wird durch einen gezielten Angriff auf ihn sogar für einige Zeit außer Gefecht gesetzt.
Wie immer menschelt es auch im fünfzehnten Fall um Georges Dupin, der mit seiner Frau Claire in wenigen Monaten ihr erstes Kind erwartet. Bretagne-Flair, idyllisches Ambiente eines malerischen Ortes, die Genüsse des Lebens – Essen und Trinken – kommen natürlich nicht zu kurz, und wer bisher noch nichts oder wenig von den berühmten Zwiebeln aus Roscoff gehört hat, der bekommt hier umfassende und durchaus interessante Informationen. Der Fall ist diesmal vielleicht ein bisschen konstruiert und überzogen, aber das Surrounding macht’s wett.
Jean Luc Bannalec: Bretonischer Glanz: Kommissar Dupins fünfzehnter Fall
KiWi, Juni 2026
320 Seiten, Paperback, 18,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
