Alexandra Stahl: Tschikago

„Alles an diesem Buch ist wahr“ lautet der erste Satz dieses autofiktionalen Romans, und daran zweifelt man auf keiner Seite bis zum Schluss.

Wir lesen darin vom einfachen Leben der Großeltern Alexandra Stahls. Die Handlung spielt sich im ersten Teil in einem fränkischen Dorf am Main ab, im zweiten Teil in Berlin.

Die Autorin erinnert sich zurück an ihre Kindheit, in der ihre Großeltern elementarer Bestandteil ihres Lebens waren. Ihre Großeltern haben sie durch all die Jahre des Heranwachsens begleitet. Stets waren sie der verlässliche Fels in der Brandung.

Wir lesen von den Gepflogenheiten und jeweiligen Eigenarten dieser Großeltern und dem Zusammenleben im kleinen Dorf. Man sieht sie direkt vor sich, die katzenliebende Großmutter, die Puppen sammelt, und den Großvater, der seiner Enkeltochter die Hauptstädte der Welt beibringt (E-Book S. 53), oder wie er mit seiner schwarzen Schiebermütze auf dem Kopf in seinem mit Schaffell bezogenen Autositz langsam übers Land fährt.

Die im fränkischen Dialekt gehaltenen Dialoge vermitteln, obwohl sie in der Daueranwendung im Text möglicherweise als etwas überfrachtet empfunden werden können, einen regionalen, authentischen Wiedererkennungswert.

Später, als sie in Berlin lebt, sucht Alexandra Stahl wieder die Nähe zu alten Menschen und engagiert sich dort in einem Seniorenheim. Hier erfährt sie in ihrer Biografiestunde im Austausch viel Persönliches aus dem früheren Leben der Heimbewohner. Die Autorin verdeutlicht so, was in der letzten Lebensstation, dem Altenheim, vom gelebten Leben noch übrig und was noch von Belang ist.

Viel später wird der Autorin bewusst, dass die Zeit, die sie mit den alten Menschen im Seniorenheim verbringt, mit ihren eigenen Großeltern, mit deren Altern und den damit verbundenen Veränderungen zusammenhängt.

Erneut arbeitet Alexandra Stahl mit viel Dialektsprache in den Dialogen der Heimbewohner, diesmal dem Berlinerischen. Das liest sich anfangs stellenweise amüsant, wirkt aber im permanenten Sprachgebrauch zu ausufernd. Mit weniger Mundarttext insgesamt hätte die Authentizität der Figuren nicht gelitten, was dann dem Lesefluss zugute gekommen wäre. 

Zwischendurch sind immer wieder schöne poetische Sätze  wie „Sommernächte, in denen die Luft sich anfühlt wie ein Tuch Seide“ (E-Book S. 40) eingeflochten.

Diesen Roman darf man als kleine Hommage Alexandra Stahls an ihre Großeltern und gleichzeitig als eine Annäherung an das Altern betrachten.

Alexandra Stahl: Tschikago.
Claassen, Juli 2026.
272 Seiten, Hardcover, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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