Der Untertitel, Warum uns erst Essen zu Menschen macht, ist grammatisch betrachtet das kühne Ergebnis intensiver Recherchen. Die Journalistin und Autorin Sira Huwiler-Flamm hat diese in 20 Thesen zerlegt und beschreibt informativ und kurzweilig, warum Essen für uns so essenziell ist. Weil bekanntlich alles einen Anfang haben muss, beginnt sie mit den scheinbar einfachen Fragen. Sind wir Menschen beziehungsweise menschlich, weil wir eine Speise zubereiten, um sie im besten Fall mit anderen zu teilen? Und darüber hinaus: Entwickeln wir eine Esskultur, wenn Essen höheren Zielen dient als dem schlichten Erhalt des Körpers? Diesem Körper könnte es egal sein, ob er beim geistigen Austausch mit anderen eine genussreiche Nahrungsaufnahme erfährt oder mit irgendetwas den Magen gefüllt bekommt. Sättigung und guter Geschmack reichen auch dann nicht, wenn fehlende Nährstoffe, Vitamine und anderes zu einer Mangelernährung führen.
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Dennis Lehane: Moonlight Mile: Ein Fall für Kenzie & Gennaro
Der Privatdetektiv Patrick Kenzie versucht schon seit einer Weile, bei seinem Kunden, einer großen Versicherungsgesellschaft, eine Festanstellung zu bekommen. Viele Ermittlungen hat er für seinen Auftraggeber erledigt, und jedes Mal fällt er mit seinen offenen Meinungsäußerungen unangenehm auf.
Wer ehrlich ist, hat oft das Nachsehen. So war es auch vor zwölf Jahren, als die vierjährige Amanda entführt worden ist. Als Patrick sie gefunden hatte, musste er eine Entscheidung treffen: Soll er Amanda zu einer Mutter bringen, die nachweislich schlecht für sie sorgen würde, oder soll er das Mädchen bei seinen Entführern lassen, die mit Liebe und Verstand für Amanda sorgen würden?
Zwölf lange Jahre glaubt er, richtig im Sinne des Gesetzes gehandelt zu haben, ob es moralisch richtig war, will er nicht bewerten, bis Amanda ein zweites Mal verschwindet. Kurz darauf wird Patrick überfallen und dies nur, weil Amandas Großmutter ihn um Hilfe bittet. Die Angreifer verlangen von ihm, dieses Mal Amanda nicht zu suchen. Doch Patrick sieht die Sache anders. Mal wieder.
WeiterlesenNettie Jones: Fish Tales
Lewis Ex-Mann sagt: „Ich finde dich nicht verrückt. Ich finde dich mutig. Die meisten können sich ein Leben, wie du es lebst, nicht einmal vorstellen.“ (S. 195)
Wie soll man Lewis Leben beschreiben, das sich die meisten Menschen nicht vorstellen können? Lewis hat früh gelernt, wie wichtig es ist, anderen – insbesondere Männern – zu gefallen. Nachdem sie viel zu früh von einem Pädophilen verführt worden ist, entwickelt sich die junge Lewis zu einem „heißen Feger“. Sie tobt sich in jeder Hinsicht aus, bis sie ein Alter erreicht, um nicht einmal als Bettvorlage erwünscht zu sein.
Der Debütroman Fish Tales von Netti Jones erschien 1983, ein zweiter Roman folgte sowie Essays und Kurzprosa. Sie hatte das Glück, zwei Fürsprecherinnen für sich zu gewinnen: Gayl Jones, die nach der Lektüre ihrer Tagebücher zu ihr sagte: „Schreib!“ – und Toni Morrison, ihre Lektorin bei Random House.
WeiterlesenHenning Sußebach: Anna oder: Was von einem Leben bleibt
Der Prozess des Erinnerns ist eine Gratwanderung zwischen der „Wahrheit“ und dem Bild, das man erschaffen hat. Wer erinnert sich schon genau an seinen gestrigen Tag, an die Ereignisse der näheren Umgebung, innenpolitisch und außenpolitisch? Und welches Ereignis wird nachhaltig das eigene Leben beeinflussen? Ein genauer Rückblick könnte bei der Beantwortung dieser Fragen helfen.
Der Autor und Journalist Henning Sußebach versucht einen Rückblick, der weit über 100 Jahre in die Vergangenheit reicht, um seiner Urgroßmutter Anna einen festen Platz in den familiären Erinnerungen zu geben. Er versprach seiner betagten Mutter, Annas jüngster Enkelin, sie werde das Buch über ihre Großmutter rechtzeitig in den Händen halten, denn Anna „… kam auf die Welt und verließ sie wieder. Ihr Nachlass ist winzig.“ (S. 9) Biografien über Frauen wurden – wenn überhaupt – über das Kirchenregister festgehalten. Geboren, getauft, verheiratet, Taufen der Kinder … gestorben. Das arbeitsreiche Leben schenkte wenig Freiräume, um ein Tagebuch zu führen. Die täglichen Aufgaben nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass eine schriftlich fixierte Reflexion ein kühner Gedanke blieb. Anna führte – wie damals üblich – ein Poesiealbum, das unterschiedliche Personen mit Reimen und Botschaften füllten.
WeiterlesenVera Buck: Der dunkle Sommer
Die siebzehnjährige Franka ist nachdenklich geworden. Sie versteht das Verhalten ihrer Eltern und das der Dorfbewohner immer weniger. Warum schweigen sich alle Männer über ihre Arbeit aus? Und warum schauen die Frauen lieber in den Kochtopf als aus dem Fenster? In dem sardischen Bergdorf Botigalli kennt jeder jeden. Und jeder weiß alles über den anderen. In dieser Tradition soll auch Franka ihren Platz in der Dorfgemeinschaft einnehmen. Doch wie kann sie an einem Ort glücklich sein, wo so viel Unrecht geschieht? Franka begehrt auf. Dass sie damit den Groll der Dorfbewohner gegen sich schürt, wird ihr erst bewusst, als alles zu spät ist.
Vierzig Jahre später reist Tilda nach Sardinien. Während die Maklerin ihr das Potenzial von Botigalli präsentiert, sieht sie einen unbewohnten Ort, der dem Verfall ausgesetzt ist. Für die Förderung der lokalen Wirtschaft habe die Gemeinde beschlossen, die Häuser für jeweils einen Euro zu verkaufen. Und wer sein Haus sanieren möchte, könne die Handwerker aus der Umgebung beauftragen. Am Ende, so der Plan, hätten alle etwas davon.
WeiterlesenFabian Ritter: Wir Wale
Wenn wir Geschichten aus den Genres Fantasy und Science-Fiction lesen, baut die Unterhaltungsindustrie auf sympathische Helden, die gegen das gigantisch Böse kämpfen, beziehungsweise den drohenden Untergang bestimmter Menschengruppen verhindern. Die Geschichte David gegen Goliath findet viele Kleider. Niemand scheint müde zu werden, sie in all ihren Facetten zu lesen, weil das Gute eben siegen muss.
Eine nicht so gängige, utopische Geschichte könnte so gehen: Ein Volk lebt friedlich miteinander, weil es nur ein Wir gibt. Wer die Führung der Gruppe übernimmt, hat hierfür die beste Qualifikation und nutzt diese ausschließlich zum Allgemeinwohl. In der Regel werden diese Fähigkeiten über Jahrzehnte hinweg geschult. Uraltes Wissen geht von der Mutter auf die Tochter über und später auf deren Tochter. Es scheint, als gäbe es hier schon von Anfang an das Matriarchat. Man stelle sich ein harmonisches Miteinander vor, in dem jeder lernen darf, was er will und seinen Platz in der Gesellschaft hat. Die hochentwickelte Kultur ist genauso komplex und effizient wie die Kommunikation untereinander. Sie produziert keinen Müll und braucht kein Handy, um sich über weite Strecken miteinander auszutauschen.
WeiterlesenJardine Libaire: Dein Herz, ein wildes Tier
Das Lager in der Einsamkeit hätte eine Zuflucht für Außenseiter werden können, insbesondere für Menschen ohne Ausbildung und Perspektive. Doch der Drogenboss Tim hatte seine eigenen Pläne, als ihm die Aufsicht über das ehemalige Pfadfinder-Lager in Oklahoma übertragen wurde. Weit weg von allem lebte er dort mit einer wilden Gruppe von Außenseitern. Sie hingen ab, soffen, nahmen Drogen, fuhren mit ihren Bikes durch die Gegend, und immer wieder wurden in der Scheune Drogen gekocht.
So sah das Leben von Ernie, Coral, Staci und Ray unter Tims „Herrschaft“ aus. Jeden Tag arrangierten sie sich irgendwie, waren irgendwie unglücklich und hatten keine Idee, wie es mit ihnen weitergehen sollte.
WeiterlesenKen Stornes, Heidi Friedrich: Mein Leben als letzter Wikinger
Der norwegische Extremsportler Ken Stornes sieht das Besondere, nicht das Gewöhnliche. „Die Oberfläche des Normalen interessiert mich nicht. Für mich ist das Leben … wie das Skript eines fulminanten Kinofilms. Und ich bin die Hauptfigur darin.“ (S. 197)
Vielleicht hat er aus diesem Grund seiner Biografie den Titel Mein Leben als letzter Wikinger gegeben. Die Faszination der nordischen Mythen hat sein Onkel ihm schon in seiner Kindheit nahegebracht. Damals besuchte Ken seinen Onkel häufig, wenn dieser seine Schafherde hütete. In der Einsamkeit erzählte er ihm dann die unzähligen Geschichten von Helden und ihren Kämpfen. Heute kennt Ken Stornes zahlreiche Gleichgesinnte, die das Wikingerleben und deren Ideale zelebrieren. Sie alle bevorzugen ein archaisches Leben in der Natur und die Bewahrung alter Traditionen.
WeiterlesenAnette Strohmeyer: Die Frau und der Fjord
Die Geologin Gro wird die Frau vom Fjord. In den Lofoten hat sie eine einsame Insel mit einem Fjord entdeckt, den die Einheimischen Die Heimsuchung nennen. Dort steht ein verlassenes Holzhaus in der Nähe eines Bootsstegs. Die Stille und Einsamkeit sprechen Gro an. Hier will sie ihre Trauer verarbeiten und heilen. Doch die herbeigesehnte Ruhe ist trügerisch. Denn immer wieder geschieht etwas, dass ihr Eremitenleben aus dem Takt bringt.
„Es war anstrengend gewesen, sich unter Leute zu begeben. Sich vorher zu waschen, ordentliche Kleidung anzuziehen und ein Gesicht aufzusetzen, das keinen dazu veranlasste, sie anzusprechen.“ (S. 12)
Die in Göttingen geborene Autorin Anette Strohmeyer ist eines Tages in den Norden gezogen. Sie wohnte eine Weile in Kopenhagen. Heute lebt sie auf einer dänischen Insel. Ähnlich wie ihre Romanheldin Gro liebt sie den Blick auf das Meer. Sie verarbeitet ihre Erfahrungen in ihren Büchern, die als Romane, Krimis und Hörspiele auf unterhaltsame Weise zu lesen und hören sind.
WeiterlesenLukas Erler: Winter’s Game
Die Anwältin Carla Winter fällt auf. Sie ist nicht nur sehr attraktiv, sondern auch in ihrem Beruf erfolgreich. Der Autor Lukas Erler hat inzwischen seinen dritten Kriminalroman mit dieser starken und eigensinnigen Anwältin in die Welt der Lesenden geschickt. Er beginnt mit einer gescheiterten Entführung. Bei dem anschließend provozierten Autounfall wird Carla verletzt und ihr Beifahrer getötet. Nachts im Krankenhaus sieht Carla eine Griechin, die scheinbar verwirrt durch die Gänge läuft. Irgendetwas an dieser Frau spricht Carlas Hilfsbereitschaft an und weckt ihre Neugier. Wenig später erfährt sie, jemand habe der Griechin eine schwere Kopfverletzung zugefügt und sie mehr tot als lebendig am Flussufer abgelegt. Den Grund für diese Brutalität will Carla herausfinden. Wer macht so etwas? Was will dieser Täter verbergen?
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