Im Jahr 2075 hat die Menschheit begonnen den Mars zu besiedeln und der Mond ist ein beliebtes Ausflugsziel, leicht – wenn auch teuer – von der Erde aus zu erreichen. Auf der Erde macht gerade die politische Bewegung „Movement for Optical Justice“ von sich reden. Ihr – sehr radikales – Ziel besteht darin, die Privilegien auszugleichen, die sehr schöne Frauen – ja nur Frauen – im Leben durch ihre angeborene Schönheit haben. Sie gehen sogar so weit, diese besonders schönen Frauen durch einen chirurgischen Eingriff im Alter von 15 Jahren verstümmeln zu wollen, damit dieser Vorteil eben wegfällt. Als die Partei, die sie unterstützt, an die Macht kommt, steuert die Gesellschaft auf eine Gleichheitsdiktatur zu.
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Justine Pust: When The Rain Burns
In ihrem letzten Schuljahr musste Lina einen Amoklauf miterleben. Ihre beste Freundin Nele starb, deren Freund Liam rettete Lina. Damit ist ihre Schulclique zerbrochen und sie entschließt sich, zum Studium in einer anderen Stadt ganz neu anzufangen. Mit ihrer WG-Mitbewohnerin versteht sie sich gut und dann lernt sie Tom kennen. Der scheint sie wirklich zu verstehen, sie fühlt sich endlich wieder lebendig, die Welt wird wieder ein Stück heller. Dass er manchmal ein wenig einnehmend und eifersüchtig sein kann – nun ja. Schließlich macht er es ja immer wieder gut und schließlich erklärt er ihr auch immer wieder, was sie gemacht hat, dass er so wütend wurde. Aber die Zeit mit ihm ist toll, er überrascht sie mit Kleinigkeiten und hält sie während ihrer Alpträume fest. Ein Traummann eben. Lina hat leise Zweifel, als sie eine gemeinsame Wohnung anstreben, aber die schiebt sie beiseite.
WeiterlesenCharlotte Brandi: Fischtage
Die 16-jährige Ella leidet unter schlimmen Wutanfällen und hat damit so lange Freundschaften torpediert, bis sie beschloss, keine mehr zu wollen. Sie befindet sich deswegen in Therapie, kann aber ihren Therapeuten nicht wirklich ernst nehmen. Sie lebt mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Louis in Dortmund und schon bei der Beschreibung ihres Lebens beginnt der Leser zu ahnen, woher ihre Wutanfälle kommen. Ihre Mutter ist eine vielbeschäftigte Galeristin, ihr Vater ein eher nicht vielbeschäftigter Schauspieler. Beide sind lieber mit Drogenkonsum und Partys beschäftigt als mit der Erziehung ihrer Kinder, aber wenn es so offensichtlich wird wie bei Ella, kümmert man sich halt oder vielmehr lässt sich den Therapeuten kümmern. Auf ihre Familiensituation wird in Rückblenden immer wieder eingegangen. Nach einem Ehestreit verschwindet der 13-jährige Lois und da das sonst niemanden zu interessieren scheint, macht sich Ella auf die Suche.
WeiterlesenTaffy Brodesser-Akner: Die Fletchers von Long Islang
Sie sind wer, die Fletchers von Long Island. Schon seit Carls Vater die Judenverfolgung der Nazis gerade so überlebte und mit nichts weiter als einer chemischen Formel und einer Idee nach Amerika kam. Seine Fabrik für Styropor-Verpackungen kam genau zur richtigen Zeit und bereits Carl war reich, als sein Vater starb, während er selbst gerade auf der Uni war. 1980 wird Carl gekidnappt und erst gegen ein großes Lösegeld wieder freigelassen. Die beiden Täter werden gefasst und sterben nach wenigen Jahren im Gefängnis. Problem gelöst, so scheint es.
Das ist der Ausgangspunkt dieser großartigen Erzählung um die jüdisch-amerikanische Familie Fletcher und ihre ganz eigene Geschichte. Taffy Brodesser-Akner hat sehr lange Kapitel gewählt und jedes davon widmet sich mehr oder weniger einem Familienmitglied. Da sind Carls drei Kinder Nathan, Beamer und Jenny, die beiden Jungen noch Kleinkinder bei der Entführung, das Mädchen gerade erst gezeugt. Und trotzdem überschattet das Ereignis ihr Leben und obwohl sie unter besten Bedingungen aufwachen – oder gerade deswegen – hat jeder von ihnen seine eigenen Dämonen zu bekämpfen.
WeiterlesenDanae Lake: Ganz aus Splittern
Christine ist gut in der Schule. Nur leider ist ihre Schule keine gute. Sie wächst in einem Problemviertel auf, bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Jetzt ist sie 16 und träumt davon, Abitur zu machen und alles hinter sich zu lassen. Aber in ihrer Gesamtschule ist nicht einmal sicher, ob überhaupt eine Abiturklasse zusammenkommt. Zu Hause döst die tablettensüchtige Mutter vor sich hin und der brutale Stiefvater ist gerade abwesend. Da bietet sich ihr eine einmalige Chance. Im Zuge eines Sozialprojektes soll sie auf ein Elitegymnasium ihrer Stadt wechseln. Aber sie will zunächst nicht, möchte sie doch nicht als Versuchskaninchen dienen. Erst als die Verhältnisse unerträglich werden, zieht sie einen Wechsel in Betracht.
WeiterlesenMarc Raabe: Die Nacht
Art Mayers Nachbarin ist verschwunden. Dessen Tochter Milla lebt jetzt alleine mit ihrer dementen Großmutter und Art hat sie ins Herz geschlossen. Auf Dauer kann das natürlich keine Lösung sein, früher oder später wird Millas Schule das Jugendamt einschalten und dann wird für Milla nur das Heim bleiben. Aus eigener Erfahrung möchte Art ihr das um jeden Preis ersparen. Deswegen sucht er nach Dana – der Mutter. Als er einen befreundeten Politiker um Hilfe bittet, stößt er sehr viel mehr los, als er ahnen konnte.
Im dritten Band um den eigenwilligen Ermittler Art Mayer und seine Kollegin Nele Tschaikowski hat mich Marc Raabe endgültig überzeugt. Die Geschichte ist von vorne bis hinten durchdacht und durchgängig spannend. Sie spielt in zwei Zeitebenen und beschreibt das Leben von Dana und ihre Mutter, während Dana noch ein Teenager ist und sie in einer Wohnwagensiedlung leben. Eben diese verlassene Siedlung brennt in der Gegenwart ab und Art findet auf der Suche nach Dana einen ermordeten Richter. Nach und nach puzzeln er und der Leser sich zusammen, wie das alles miteinander verbunden ist. Warum verschwand vor Jahren in kleiner Junge von dem Campingplatz, warum wurde er nie gefunden und warum findet sich da in Presse und Akten so wenig darüber. Wer war damals darin verwickelt und warum könnte das mit Danas Verschwinden zusammenhängen. Und wer ist heute hinter Milla her, fotografiert und verfolgt sie?
WeiterlesenSuzanne Collins: Die Tribute von Panem L: Der Tag bricht an
Dieses Mal geht es um die Spiele von Haymitch Abernathy, der im ersten Band der Panem-Reihe Katniss und Peeta als Mentor beistehen soll und sich als haltloser Säufer erwies. In diesem Band geht es um seine Spiele und sein Schicksal. Es sind die 50. Hungerspiele und dieses Jubiläum soll gefeiert werden. Dem Kapitol fällt da nur ein, einfach die Anzahl der Tribute zu verdoppeln. Und mit einem Schlenker kommt so auch Haymitch zu der Ehre. Er rechnet sich keine großen Chancen aus.
Da es sich bei „Der Tag bricht an“ um ein Prequel handelt, weiß der Leser ja schon manches. Haymitch wird überleben und da Katniss und Peeta die ersten Tribute waren, die zu zweit überlebt haben, wird er auch alleine überleben. Trotzdem ist Suzanne Collins noch einiges Neue eingefallen, ebenso wie sie Altbekanntes einflicht und uns so manchen Protagonisten in früheren Jahren vorstellt. So lernen wir Katniss Eltern kennen, auch den Vater, der zu Kantniss Hungerspielen längst tot war. Neu ist auch der Versuch, in die Arena zu gehen, um sie zu zerstören, um die Hungerspiele ein für alle Mal zu beenden. Wir wissen, dass das nicht gelingen wird, wir wissen aber auch, dass Haymitch gewinnen wird. Die Spannung nährt sich viel aus diesem Widerspruch.
WeiterlesenKaliane Bradley: Das Ministerium der Zeit
Zeitreisen sind Realität. Das erfährt eine (lange namenlose) junge Frau, die sich auf einen Job bewirbt, von dem sie erst nach der Einstellung erfährt, um was es geht. Es ist dem „Ministerium der Zeit“ gelungen, Menschen aus verschiedenen Epochen in die Gegenwart zu holen. Menschen, die in ihrer eigenen Zeit ohnehin sehr bald gestorben wären, sodass die Auswirkungen auf die Geschichte marginal sind. Glaubt man. So auch der Polarforscher Graham Core, Mitglied der katastrophal geendeten Expedition um die Schiffe „Terror“ und „Erebus“. Graham sollte 1847 sterben und jetzt soll er in unserem Jahrhundert leben.
WeiterlesenUrsula Poznanski: Teufels Tanz
Das ist der dritte Band um die Wiener Ermittlerin Fina Plank und meiner Meinung nach bislang der beste von allen. In der Nähe eines Straßenstrichs wird ein über 80-jähriger Mann ermordet aufgefunden. Die Wiener Mordgruppe glaubt, in einem Zuhälter schnell den Täter gefunden zu haben, aber weiterhin werden alte Männer ermordet. Alle ungefähr im gleichen Alter, aber haben sie noch mehr gemeinsam? Fina glaubt ja, aber damit steht sie zunächst alleine. Dazu kommt, dass bei ihren letzten beiden aufgeklärten Mordserien der prinzipiell geständige Täter immer einen Mord vehement abgestritten hat. Und jedes Mal war das Mordopfer ebenfalls nicht mehr jung. Zufall?
Ursula Poznanski versteht es sehr geschickt, falsche Spuren zu legen und mit den Erwartungen des Lesers zu spielen. Ein weiteres Opfer wird mit einem Rosenkranz ermordet. Ja klar, da muss doch Missbrauch und Kirche im Spiel sein. Und bei einem Täter geht es um Hühnerfedern in Körperöffnungen. Iihh, was mag der mit dem Kind gemacht haben. Am Ende stellt sich das alles als falsche Annahme heraus und es war viel simpler und zugleich tragischer als angenommen.
WeiterlesenMichael Peinkofer: Timelock 01: Zeitrebellen
Wir befinden uns im Jahr 2025 in einem Überwachungsstaat. Der Zweite Weltkrieg wurde von den Alliierten verloren und trotzdem gibt es kein weltweites Deutsches Reich. Aber so was Ähnliches. Kinder und Jugendliche wachsen nicht bei ihren Eltern auf, sondern in sogenannten Denkfabriken: Kinderheime mit politischer Erziehung. Bücher und Geschichten sind verboten, der wichtigste Grundsatz ist: traue niemandem. J-4418 hält sich nicht daran und muss dafür bitter büßen. Das bringt ihn jedoch in Kontakt mit Menschen, die ihm glauben. Denn er träumt und findet, dass irgendetwas an seiner Welt nicht richtig sein kann. Oder ist es normal, dass es außerhalb der Eiszeit Mammuts gibt? J-4418 – jetzt Jason – erfährt, dass die Zeit verändert werden kann, verändert wurde und er einer der wenigen Menschen ist, die die Gabe dazu besitzen. Der Lenker Nimrod hat die Vergangenheit verändert, um in der Gegenwart eben Lenker, Herrscher und Despot zu sein. Die Veränderungen müssen rückgängig gemacht werden, um wieder eine lebenswerte Welt für alle zu bekommen.
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