Anuschka Roshani: Truboy: Mein Sommer mit Truman Capote

In diesem Buch dreht sich alles um Truman Capote, das geniale, schillernde Enfant terrible der amerikanischen Literaturszene. Anuschka Roshani hat bereits Truman Capotes Gesamtwerke beim Verlag Kein & Aber herausgegeben und schreibt ihre Dissertation über Capote. Roshani hat Verhaltensbiologie studiert und war viele Jahre Reporterin und Redakteurin beim Spiegel.

Truman Capote lebte von 1924 bis 1984. Schon früh wurde er als literarisches Ausnahmetalent und Sensation gefeiert. Mit neunzehn Jahren erhielt Capote den „O.-Henry-Preis“ für seine Kurzgeschichte „Miriam“. Sein Roman aus dem Jahr 1948 Andere Stimmen, andere Räume  machten ihn zum umworbenen Debütautor der USA. Auch „Frühstück bei Tiffany“ oder der Tatsachenroman „Kaltblütig“ stammen, wie viele weitere Klassiker, aus Capotes Feder. Hier darf angemerkt werden, dass es sich unbedingt lohnt, Truman Capote zu lesen. Seinen Zeilen haftet eine Aura an, der man sich schwerlich wieder entziehen kann.

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Natalie Erlach: Meine Lieblingsfarbe in unserem Ozean

Kalea lässt ihr altes Leben hinter sich, um in Hawaii Schildkröten zu retten, ihre Eltern sind dagegen und wollen sie zur Rückkehr zwingen, noch dazu ist sie vollkommen pleite. Als Malio in die Rettungsstation platzt, da er beim Surfen aus Versehen eine Schildkröte verletzt hat, ist das Chaos vorprogrammiert. Inmitten von Zweifeln und Problemen zaubert er Kalea das Lächeln zurück aufs Gesicht. Während milder Sommerabende umgeben von Musik und Wellenrauschen versteht sie, was Freiheit wirklich bedeuten kann.

So gerne hätte ich dieses Buch geliebt – vor allem wegen des schönen Settings, doch leider hat es mir die Geschichte und vor allem deren Aufbau schwerer gemacht als gedacht. Eigentlich bin ich ein Fan von kurzen Kapiteln, doch hier haben sie mich gestört und ich kam nie richtig in die Geschichte hinein, denn bei jedem Kapitel wurde ich auch wieder in eine neue Situation hinein geworfen und es hat mich manches Mal ein wenig verwirrt. Auch hat mir die Tiefe gefehlt, sowohl in der Beziehung der Beiden als auch mit den Lösungen von Kaleas Problemen, denn die Lösung war definitiv zu einfach. Den Charakteren, sowie der Storyline selbst auch, haben einigen an Tiefe gefehlt.

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T. M. Logan: The Parents

Eltern machen sich zwar immer irgendwie Sorgen um ihre Kinder, aber Andy kennt seinen Sohn und weiß, dass das eigentlich nicht nötig ist. Connor ist ein schlauer Junge, ein guter Junge, der Problemen aus dem Weg geht. Aus reiner Gewohnheit wirft er um drei Uhr morgens einen Blick in Connors Zimmer, der friedlich in seinem Bett liegt. Alles gut.

Aber der Junge in dem Bett ist nicht Connor und Andy ahnt nicht, wie falsch er mit seiner Einschätzung über den eigenen Sohn liegen könnte. Fünf Teenager sind letzte Nacht in den Wald gegangen, doch nur vier kehrten zurück. Bald muss Andy sich nicht nur um seinen Sohn sorgen, sondern sich auch die Frage stellen, wie weit Eltern gehen, um ihre Kinder zu beschützen.

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J. Courtney Sullivan: Die Frauen von Maine

Ein altes Haus an einer Klippe über dem Meer ist Dreh- und Angelpunkt in J. Courtney Sullivans Roman „Die Frauen von Maine“. In dem vielschichtigen Roman geht es um verschiedene Frauenfiguren, die über die Jahrzehnte und Jahrhunderte in diesem Haus gelebt haben.

Die Geschichte der indigenen Ureinwohner in Maine ist genauso Thema wie die komplizierten Bande zur Familie, die Spiritualität, der Feminismus oder auch die Alkoholsucht.

Hauptfigur Jane Flanagan fühlt sich von klein auf zu jenem verwunschenen Haus hingezogen, das oft leer steht. Nach einem persönlichen und beruflichen Tiefpunkt kehrt sie später in ihre Heimatstadt zurück. Hier wird sie von Genevieve, der neuen Besitzerin des geheimnisvollen Hauses, gebeten, dessen Geschichte zu erforschen.

Während Jane tiefer in die Vergangenheit eintaucht, entdeckt sie die Geschichten der Frauen, die vorher dort gelebt haben, und erkennt, wie eng ihre eigenen Erfahrungen mit ihnen verwoben sind. Weiterlesen

Joachim B. Schmidt: Moosflüstern

Joachim B. Schmidt ist 2007 nach Island ausgewandert und wohnt mit seiner Familie in Reykjavik. Kein Wunder also, dass er seine Romane in seiner Wahlheimat ansiedelt. Seine vorangegangenen Bücher Kalmann und Tell wurden mehrfach ausgezeichnet. Weiter sind bei Schreiblust-Leselust die Rezensionen von In Küstennähe  und  Am Tisch sitzt ein Soldat nachzulesen.

Moosflüstern“ ist an einen historischen Hintergrund aus den Jahren von 1949 bis 1952 angelehnt. Damals wurden junge deutsche Frauen zur Arbeit auf Bauernhöfen in Island gesucht. Einige hunderte junge Mädchen und Frauen folgten dem Aufruf des isländischen Vizekonsulats in den Lübecker Nachrichten.

In zwei sich abwechselnden Erzählsträngen lesen wir vom Bauingenieur Heinrich Lieber, der erst spät erfährt, dass seine leibliche Mutter kurz nach seiner Geburt nach Island ausgewandert ist. Weiterlesen

Francesca Segal: Willkommen auf Tuga

Eintauchen in eine geschlossene Inselgemeinschaft – Roman mit hohem Wohlfühlfaktor

Die gute Nachricht zuerst: Laut Klappentext ist dies der erste Band einer Trilogie, wir dürfen uns also auf ein Wiedersehen mit den Tuganern freuen.

Denn sie zu treffen, ihre Gemeinschaft zu beobachten, ihr Leben und ihren Umgang miteinander zu verfolgen, das ist Genuss pur. Das lernt auch Charlotte Walker, die – fast wie auf einer Flucht – für ein Forschungsjahr auf die abgelegene Insel reist. Ihr Forschungsgebiet sind die Goldmünzenschildkröten, die nur dort zu finden und vom Aussterben bedroht sind.

Charlotte, ein bisschen verklemmt, ein bisschen schüchtern, mit sehr wenig Selbstvertrauen ausgestattet, sucht auf Tuga vor allem Abstand zu ihrer dominanten Mutter. Und sie sucht dort nach ihrem Vater, über den sich ihre Mutter beharrlich ausschweigt. Außer der mehr als vagen Vermutung, dass er aus Tuga stammen könnte, weiß Charlotte so gut wie nichts über ihn. Weiterlesen

Carl Nixon: Kerbholz

Der Plan klang einfach: Umzug von London nach Neuseeland, dort ein paar Jahre arbeiten, danach zurück für den nächsten Sprung auf der Karriereleiter. Aus diesem Grund saß die ganze Familie mit vier Kindern in einem Leihwagen. Es sollte ein kleiner Urlaub vor dem ersten Arbeitstag des Vaters werden.

Statt der Schönheit der Inseln sahen sie Regen. Sehr viel Regen. Noch mehr Regen. Und so entstand der Gedanke. Schnell weiterfahren. Das schnelle Weiterfahren fand nachts statt und endete so plötzlich, dass nur der Vater begriff, was gerade geschah. Seine Familie schlief, als der Wagen in einen Abgrund stürzte.

Im Morgengrauen hört Katherine ihren Bruder Maurice stöhnen und jammern. Allmählich begreifen sie, dass nur sie und der kleine Tommy überlebt haben. Der Regen hat über Nacht die Spuren des Absturzes weggespült. Theoretisch und praktisch hatten die drei Kinder keine Chance, in der Wildnis zu überleben, wäre nicht nach drei Tagen ein Mann mit Namen Peters vorbeigekommen.

Das Leben nach dem Absturz findet auf einer alten Farm ohne Strom und fließendem Wasser statt. Es gibt für alle viel Arbeit und für die Kinder ein Kerbholz, auf dem sie ablesen können, wie hoch die Schulden sind, die sie abarbeiten müssen. Weiterlesen

John Ajvide Lindqvist: Signum

Julia Malmros steht die Verfilmung ihrer Krimi-Reihe bevor. Nach der Pleite mit der „Millenium“-Fortsetzung ist das natürlich Balsam auf ihre Seele, aber die Serie ist einfach nur schlecht in ihren Augen und sie darf es noch nicht einmal sagen. Ihre Bücher seien zu realitätsfern, um 1:1 verfilmt zu werden, und deswegen ist ihre Ermittlerin jetzt so ganz anders, als sie sie angelegt hatte. Das trifft Julia tief und wutentbrannt macht sie sich auf die Suche nach neuen Themen. Ausgerechnet in der brandgefährlichen rechten Szene Schwedens wird sie fündig und bringt sich dabei in Gefahr. Außerdem hat sie Schwierigkeiten in ihrer Beziehung mit Kim Ribbling, an der außer Kims abweisender Art auch noch kratzt, dass sie so viele Jahre älter ist als er.

Kimm Ribbling möchte verstehen. Sich selbst, aber auch seine Vergangenheit. Durchgeknallt wie er nun mal ist, entführt er zu diesem Zweck seinen alten Therapeuten Martin Rudbeck in einen eigens dafür eingerichteten Folterkeller, um ihn – nun ja, zu befragen. Warum es ihm Befriedigung verschaffte, Kim zu quälen oder sich brutale Kinderpornos anzusehen. Kim will verstehen und merkt dabei gar nicht, auf welche Ebene er sich selbst herab begibt. Und nicht zu vergessen: Er hat seine Familie schon ermordet, BEVOR er in Therapie kam. Weiterlesen

Lena Herzberg: Meet Me Under The Stars

Ich fand dieses Cover sofort schön und als ich dann auch noch den Klappentext gut fand war es für mich klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Es lässt sich recht flüssig lesen, war für mich jetzt aber nicht unbedingt etwas Besonderes. Eine klassische Enemies to Lovers Geschichte.

Am Anfang lernt der Leser hier Nova kennen, sie ist mit Horoskopen und Sternen aufgewachsen und auch heute brennt ihr Herz noch dafür. Was sie aber überhaupt nicht leiden kann, sind besser wissende Astrophysiker, so wie es der berühmte Weston einer ist. Sie treffen sich zufällig und fangen natürlich hitzig an zu diskutieren, wollen sich am liebsten nie mehr begegnen. Doch ein paar Jahre später braucht sie ausgerechnet seine Hilfe, als es um ihre Vergangenheit geht. Deshalb nimmt sie unter einem falschen Vorwand einen Job in dem Freizeitcamp an, in dem Weston mittlerweile lehrt. Beide hätten niemals gedacht, dass da eine Anziehung zwischen ihnen herrscht, obwohl sie sich doch eigentlich gar nicht ausstehen können. Weiterlesen

Mia Raben: Unter Dojczen

Jolanta Maria Szczerbic, genannt Jola, kommt aus Polen und arbeitet in Deutschland als 24-Stunden-Pflegerin. Nach sehr schlechten Erfahrungen bei einem pflegebedürftigen Ehepaar und einer Auszeit tritt sie in Hamburg eine neue Stelle an. Sie kommt zur Familie von Klewen in ein nobles Stadtviertel. Dort soll sie Uschi betreuen, die an Rheuma leidet und an der in kürzester Zeit zwei Pflegerinnen gescheitert sind. Sie haben es jeweils nur wenige Tage bei ihr ausgehalten.

Die Familie empfängt Jola herzlich, bringt sie in einer eigenen kleinen Wohnung unter, alles scheint zu schön, um wahr zu sein. Jola bemüht sich sehr um Uschi und langsam gewinnt sie deren Vertrauen. Zugute kommt ihr, dass Uschi und ihre Mutter während des Zweiten Weltkrieges aus Ostpreußen vertrieben wurden. Die polnische Sprache und die Speisen erinnern sie an ihre glückliche Kindheit und vor allem an ihr Kindermädchen Tosia, die plötzlich aus unerklärlichen Gründen verschwunden ist. Weiterlesen