Eine fast poetische Geschichte rund um Rechtschreibung, Recht haben und recht handeln
Was ein Diktat alles auslösen kann und welche Folgen das zeitigt, davon handelt der neue kurze Roman des bekannten französischen Autors.
Benjamin ist der kleine Sohn von Pierre, Neu-Unternehmer, und Pauline, Apothekerin. Er vermasselt ein Schuldiktat komplett, sein Text strotzt nur so von Fehlern. Die Eltern sind entsetzt – und glauben, sie selbst können es besser.
Also lassen sie sich von Benjamin denselben Text auch diktieren und siehe da, auch ihre Ergebnisse sind nicht frei von Fehlern. Allerdings steht Pierre schlechter da als Pauline.
Jedoch sorgt der Text, der von Sonne und Freizeit handelt, dafür, dass beide in Erinnerungen verfallen, sich bewusst werden, wie eng sie einmal waren und wie groß inzwischen die Entfremdung zwischen ihnen.
Nach dem Tod ihrer Nonna muss Isabella sich allein um die kleine Villa am Gardasee samt Zitronenplantage kümmern, doch das Erbe steckt bereits seit Jahren in Schulden. Ausgerechnet ihre erste große Liebe Raffaele de Luca setzt alles daran, das Anwesen zu kaufen – als sei sein Anblick nicht schon schwer genug, ohne dass er droht, Isabella ihr geliebtes Zuhause wegzunehmen. Gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen aus der Schulzeit sucht sie fieberhaft nach einer Lösung.
Titel wie „Die kleine Zitronenfarm am Gardasee“ sind für gewöhnlich nicht das Genre, zu dem ich bevorzugt greife; da die Protagonistin und ich uns jedoch den gleichen Namen teilen, wollte ich dem Abenteuer Wohlfühlroman zumindest eine Chance geben. Es muss ja nicht immer alles düster und tiefgründig sein, manchmal braucht die Fantasie eben einen kurzen Urlaub in Italien.
Leider ist dieses Buch jedoch mehr als enttäuschend. Über fehlende Charakterentwicklung (oder fehlenden Charakter) bei den Figuren bin ich bereit hinwegzublicken; auch die Abwesenheit eines logisch-dramatischen Plots gehört vielleicht einfach zum Genre. Aber muss es so schlecht geschrieben sein? Dabei rede ich nicht einmal von der überragenden Empathie, die die Protagonistin sich zuschreibt, weil sie an den Tränen ihrer besten Freundin erkennt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Oder darüber, dass Sätze oft dreifach erklärt werden, als werde hier von einem extrem dummen Leser ausgegangen. Meine Frage ist viel simpler als das: Wie viel Plusquamperfekt verträgt ein Buch, das bei einem der größten deutschsprachigen Verlage durchs Lektorat gegangen ist?
Ein Jahr lang dürfen wir uns in diesem neuen Roman von Caren Benedikt in zwei wunderschönen Hotels in und in der Nähe von Salzburg aufhalten, die es auch heute noch gibt. Zum einen der „Goldene Hirsch“ in der Stadt Salzburg selbst, dann das „Schlosshotel Fuschl“ am Fuschlsee, nicht weit von Salzburg entfernt. Gemeinsam mit der Familie der Theresa von Reuschenberg, der beide Hotels gehören und die sie mit Liebe zum Detail und sehr viel Leidenschaft führt, erleben wir ein recht turbulentes Jahr – geschäftlich wie privat. Es ist gerade alles ziemlich chaotisch im „Goldenen Hirsch“, Theresa weiß manchmal nicht, wo ihr der Kopf steht.
Die Salzburger Festspiele laufen, Hotel und Restaurant sind ausgebucht, die High Society geht hier ein und aus. Am Fuschlsee laufen die Dreharbeiten zum ersten „Sissi“-Film, das Schlosshotel dient als Kulisse für Schloss Possenhofen, wo die spätere Kaiserin Sissi aufgewachsen ist. Es ist also genug zu tun für Theresa und ihre Mitarbeiter. Gleichzeitig ist die gesamte Familie in den Hotelbetrieb eingebunden. Theresas Mann Paul, ehemaliger Tennis- und Skichampion, unterrichtet die Gäste im Sommer im Tennis, im Winter im Skilaufen. Sophia und Marie, die Töchter, werden im Service, als Zimmermädchen und wo es sonst gerade Not tut, eingespannt. Sophia soll, wenn es nach Theresa geht, einmal die Leitung der Hotels übernehmen, Marie studiert am Mozarteum, sie wird nur in ihrer Freizeit eingebunden, was zwischen den Schwestern häufiger mal zu Spannungen führt. Theresas Pläne sind jedoch nicht die ihrer Kinder.
Aus Hundesicht erzählt: rührend, aber auch ein bisschen sentimental
An sich ein netter Kunstgriff, einen Roman in Ich-Form aus der Perspektive eines Hundes zu erzählen. In diesem Buch gelingt das auch weitestgehend, die Geschichte ist berührend, zu Herzen gehend, aber manchmal auch ein wenig zu tränenreich, zu sentimental.
Harold, ein inzwischen sehr in die Jahre gekommener Hund, trauert zusammen mit Herrchen Miguel um sein verstorbenes Frauchen Amelia. Diese war, wie in solchen Romanen üblich, eine ganz wunderbare und fehlerfreie Frau, sie betrieb eine Buchhandlung und schrieb selbst erfolgreich Liebesromane.
Nun ist sie vor einer Weile verstorben und Miguel vergräbt sich in seiner Trauer. Die Buchhandlung wird hauptsächlich von den Angestellten Riley und Dane betreut. Die Verbesserungsvorschläge der beiden, so z.B. mehr Liebesromane zu verkaufen, diese prägnanter zu präsentieren, lehnt Miguel ab. Für ihn sind Liebesromane Schund, die von Amelia verfassten hat er nie gelesen.
Obwohl sie seit der Vergewaltigung Schwierigkeiten hat, sich auf Männer einzulassen, ist Hannah in Justin verliebt. Weniger in Garrett Graham, den sturen und selbstverliebten Captain des Eishockey-Teams. Doch im Gegensatz zu Justin redet dieser wenigstens mit ihr – und sei es nur mit der Mission, seine Note im gemeinsamen Kurs zu verbessern. Widerwillig lenkt Hannah ein, Garrett Nachhilfe zu geben – dafür soll er ihren sozialen Status polieren und dafür sorgen, dass Justin sie bemerkt. Eine klassische Fake-Dating-Geschichte – was soll da schon schiefgehen?
Passend zum Start der Verfilmung auf Amazon Prime bringt der Piper-Verlag die Reihe von 2015 in einer schicken Schmuckausgabe auf den Markt. Dabei haben es alle vier Bände gleichzeitig auf die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft; ein ziemlich beeindruckendes Aushängeschild. Nachdem der zweite Band, mit dem ich die Lektüre begonnen habe, leider kein bisschen überzeugen konnte, hatte ich Angst, mich mit allen vier bereits euphorisch bestellten Teilen zu Tode zu quälen. Zum Glück zeigt sich in „The Deal“, was Elle Kennedy erfolgreich gemacht hat: Eine süße Liebesgeschichte, die am Rand tiefe, verstörende Probleme aufarbeitet. So gut wie die Spinn-Off-Reihe Briar U hat es mir nicht gefallen, aber es ist ein Anfang, das Vertrauen in die Autorin wieder aufzubauen, das durch „ The Mistake“ reichlich zerstört wurde.
Als erste weibliche Teambesitzerin einer Profi-Baseballmannschaft darf Reese Remington sich keine Fehler erlauben. Die Öffentlichkeit – vor allem ihre männliche Konkurrenz – beäugt sie ohnehin schon kritisch. Auch Cheftrainer Emmett Montgomery ist nicht begeistert von der Neubesetzung. Er hat das Team jahrelang auf seine Weise geführt. Doch auf langen Busfahrten, in Hotelbars und im Schein des Flutlichts weichen die anfänglichen Machtkämpfe der beiden bald tiefen, vielsagenden Blicken. Es knistert heftig – und plötzlich steht viel mehr auf dem Spiel als eine perfekte Saison.
Das Buch zu lesen hat sich angefühlt wie nach Hause zu kommen. Als Spin-off der beliebten Windy City-Reihe – das man völlig unabhängig von den anderen Bänden lesen kann – hat mich auch diese Geschichte von der ersten Seite an komplett umgehauen. Die Reihe hat für mich nie ihren unverwechselbaren Charme verloren.
Der Abschluss der dreiteiligen Cornwall-Reihe. Wieder mit liebenswerten Protagonisten, die wir zum Teil ja schon aus den beiden ersten Bänden kennen. Wieder mit viel Lokalkolorit, auch wenn der kleine Küstenort Port Haven ja fiktiv ist, so ist er doch angelehnt an den Fischerort Port Isaac an der Westküste von Cornwall. Idyllisch, beschaulich, malerisch mit engen Gassen und kleinen weißen Häusern, wo jeder jeden kennt. In Port Haven ist das nicht anders und offenbar schreckt das „Neubürger“ keineswegs ab, sondern sie fühlen sich recht bald heimisch. So ging es im ersten Band der Restaurantkritikerin Sophie, die in Port Haven die Chance bekam, um ihren Job bei einem Foodmagazin zu kämpfen und eine etwas verwahrloste Kneipe zu einem beliebten Restaurant mit gehobener Küche zu machen, im zweiten ging es um Annabelle, ein Model, dem Sophie mit ihrer vernichtenden Kritik damals den Start als Gastronomin gründlich versaut hatte und die ausgerechnet in Port Haven gelandet ist, um an einem Casting teilzunehmen – und dort hängen geblieben ist. Der Liebe wegen.
Ob das auch für Lucia gilt, die ebenfalls in Port Haven eine Auszeit von ihrem hektischen Leben in London, aber auch von ihrer Beziehung macht, erzählt Band 3. Natürlich geht es auch hier wieder um gutes Essen, um einen Wettbewerb im Kochen. Das „Great Dinner Cook-off“ ist eine Idee von zwei Damen des Gemeinderates, die den kleinen Ort noch ein bisschen bekannter machen wollen und deshalb Prominente suchen, die in Port Haven wohnen und an diesem öffentlichen Kochwettbewerb teilnehmen. Vier Paare sollen es sein, darunter eben auch Lucia, die einen erfolgreichen Foodblog hat und damit eben prominent ist, auch wenn ihr Blog grade etwas brachliegt, weil Lucia die Beziehungsauszeit mit Marco, ihrem bisherigen Freund und Geschäftspartner verarbeiten muss. Gemeinsam mit Lucia, so haben sich Tanya und Maude das gedacht, soll Liam, Fußballprofi und Lucias nerviger Nachbar, ein Team bilden. Das Problem dabei ist, die beiden können sich nicht ausstehen und Liam hat überhaupt keine Ahnung vom Kochen. So weit, so schlecht. Aber Tanya und Maude lassen nicht locker, und die Berater der beiden Kandidaten finden, das sei eine großartige PR-Aktion. Push für Lucias Blog und die Chance für Liam, zu beweisen, dass er sich nach seiner Eskapade, die ihn beinahe die Zukunft im Arsenal-Team gekostet hat, nicht nur von seiner Verletzung erholt hat, sondern auch sein Leben ändert.
Den US-amerikanischen Schriftsteller T. C. Boyle (Jahrgang 1948) muss man nicht mehr vorstellen. Wir haben viele Bücher von ihm auf unserem Blog besprochen. Im letzten Jahr war es der Roman „No Way Home“. Am 21. Juli 2026 ist Boyles neuestes Werk „Das Ende ist nur ein Anfang“ bei Hanser in einer Übersetzung von Dirk van Gunsteren erschienen. Darin finden wir zwölf Kurzgeschichten, Storys, von denen einige auf Englisch in verschiedenen amerikanischen Zeitschriften veröffentlicht wurden.
T. C. Boyle überzeugt mit seinen „Storys“ unter dem Titel „Das Ende ist nur ein Anfang“
In seiner unnachahmlichen Art verbindet Boyle Figurenzeichnungen mit aktuellen Kontexten. Politische und gesellschaftliche Themen fließen hier in die Form der Kurzgeschichte ein. Sei es der Klimawandel, die amerikanische Regierung oder der Niedergang der amerikanischen Gesellschaft, Boyle ist überzeugend in der langen und der kurzen Form der Literatur.
„Du weißt ja selber, wie es ist. Man erzählt etwas im Text, und man erzählt etwas mit seinem Körper und seiner Stimme und seinem ganzen Sein. (…) Und das muss sich decken. Auf welche Art auch immer. Sonst funktioniert es nicht“, sagt Vanessa, die eigentliche Dichterin der Gedichte, die die smarte Hochstaplerin Emma Rodenstock als die ihren ausgegeben hat. Vanessa ist es in ihrer eher unscheinbaren Art nicht gelungen, ihre lyrische Anklage unters Volk zu bringen. Emma jedoch ist eine Erscheinung, immer eloquent und schaut dem Publikum noch dazu geradewegs ins Gesicht. So nimmt es beschämt und dankbar den Angriff in Gedichtform entgegen und erhebt Emma zum umjubelten Star des Feuilleton. Diese sonnt sich in unverdientem Ruhm, nicht ahnend, dass die junge Journalistin Nazanin sich auf den Weg gemacht hat, die Hochstaplerin zu enttarnen.
Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.
Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.
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