Anne Barns: Der Geschmack von Sommer und Karamell

Sommer, Sonne, Inselfeeling, Meerluft und barfuß im Sand laufen – was braucht man im Sommer eigentlich mehr? Leider haben wir das nicht alle und zu jeder Zeit. Umso schöner, wenn man, wie Ella, ziemlich überraschend zu zwei Wochen Urlaub auf Amrum eingeladen wird.

Oma Henny überrascht ihre Familie an ihrem 78. Geburtstag mit der Ankündigung: Ich fahre übrigens in ein paar Tagen für zwei Wochen nach Amrum. Aha! Und wie sich herausstellt, ist alles schon von langer Hand geplant, das Ferienhaus schon vor Monaten gebucht und Oma ist fest davon ausgegangen, dass ihre Enkelin Ella es sein wird, die sich bereiterklärt, mit ihr zu fahren. Ella ist Kinderbuchillustratorin, kann also eigentlich überall arbeiten und ein Urlaub täte ihr wohl auch ganz gut. Ella steckt grade in einer Schaffenskrise, ihre Back-Elfe, die sie gerne zeichnen würde, nimmt nicht richtig Gestalt an. Also warum nicht? Außerdem ist Ella neugierig auf die Geheimnisse, die Oma anscheinend hat, wenn es um Amrum und die Zeit geht, die sie vor vielen Jahren dort verbracht hat. Die Idee, jetzt, nach mehr als 60 Jahren wieder einmal Urlaub auf der Insel zu machen, kommt nicht von ungefähr, wie Oma zugibt. Ein Freund aus früherer Zeit hat sie zu seinem Geburtstag eingeladen, und sie möchte die Gelegenheit nutzen, alte Freundschaften vielleicht wieder aufleben zu lassen oder eben festzustellen, dass das nicht mehr geht.

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Claire Fuller: Das Gedächtnis der Tiere

Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren

Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Clift. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.

Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.

Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.

Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.

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Mirna Funk: Balagan


Balagan bedeutet im Hebräischen soviel wie Chaos oder Unordnung. Genau darum geht es in diesem wunderbaren Roman von Mirna Funke. Denn das Chaos bricht durch die geballte Gleichzeitigkeit und Widersprüchlichkeit von Ereignissen in das Leben von Amira. Die Berlinerin mit jüdischen Wurzeln hadert mit ihrem Beruf. Seit der Coronakrise geht es mit ihrem Onlinemagazin abwärts, sie kann der Konkurrenz durch Social Media Influencer kaum standhalten und muss Mitarbeiter entlassen. Im Liebesleben der 32-jährigen herrscht ebenfalls Ebbe. Am meisten leidet sie unter den Nachwirkungen des 7. Oktober. Freunde aus dem Kulturbetrieb wenden sich von Amira ab, überall prangen die roten Dreiecke der Hamas-Sympathisanten an Berliner Hausfassaden, auf Demonstrationen wird lautstark der Tod von Juden gefordert, die Diaspora lebt in Angst.

Plötzlich Multimillionärin!
Und als wäre das alles nicht schon tragisch genug, lauern da auch noch die turbulenten Familienfeste. Seit dem Selbstmord ihres Vaters – am Tag von Amiras Einschulung – gilt sie als Außenseiterin in der Familie. Nur zu ihrem Großvater Max, der von den Nationalsozialisten geflohen ist und das stolze Alter von 102 Jahren erreicht hat, pflegt sie eine innige Beziehung. Nach seinem plötzlichen Tod stellt sich heraus, dass Amira die Alleinerbin der verschollen geglaubten Familienkunstsammlung ist, die einst von den Nazis beschlagnahmt wurde. Dieses Erbe macht sie zur Multimillionärin. Doch die Freude währt nicht lange, denn Amira spürt schnell die Last oder vielmehr die große Verantwortung, die das Erbe mit sich bringt. Was tun? Verkaufen, Spenden, Ausstellen?

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Janina Ukena: Illusion: A Lie Worth Believing

Ein faszinierendes Las-Vegas-Szenario und eine starke Grundidee, die mich am Ende leider emotional nicht erreichen konnten.

Worum geht es?

Für die junge Sängerin Stella geht ein Traum in Erfüllung: Sie darf Teil der legendären „Show Illusion“ in Las Vegas werden. Doch hinter den glitzernden Kulissen der magischen Performance lauern dunkle Geheimnisse. Stellas Vorgängerin Fia ist nach einem mysteriösen Unfall spurlos verschwunden. Zudem ist Levin, der charismatische Kopf und Illusionist der Show, ebenso faszinierend wie undurchsichtig. Erzählt aus den wechselnden Perspektiven von Stella und Levin entfaltet sich ein gefährliches Spiel, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Täuschung verschwimmen. Eine künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine tragende Rolle.

Meine Meinung

Das Setting einer großen Illusions-Show in Las Vegas hat mir als Grundidee unglaublich gut gefallen. Auch der Einstieg fiel mir leicht: Der fast schon poetische Schreibstil hat mich anfangs direkt abgeholt und fasziniert. Leider hielt diese Begeisterung nicht lange an.

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Maja Lunde: Für immer

Zum Inhalt

Ein weltweiter Ausnahmezustand: kein Mensch kann mehr sterben, Krankheiten sind eingefroren und Geburten ausgesetzt. Bringt dieser Zustand auf den ersten Blick viele Vorteile mit sich, zeigen sich im Laufe der Zeit jedoch auch die vielfältigen sozialen, psychologischen, wirtschaftlichen, biologischen Nachteile, mit denen jeder Protagonist und jede Protagonistin hadert.

Rezension

Mit „Für immer“ öffnet Maja Lunde ein interessantes Gedankenspiel. Um dem Leser die gesamte Tragweite dieser Überlegung zu vermitteln, werden verschiedene Hauptprotagonisten in der Erzählung „begleitet“. Insgesamt wird das Leben der Figuren langsam erzählt, erst nach und nach entfaltet sich das eigentliche Hauptthema des Buches. Mit dieser langsamen Erzählweise kann der Leser besonders gut in die Lebensrealität der Figuren eintauchen, mit ihnen fühlen und die Situation miterleben.

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Antonia Riepp: Der Garten der Geheimnisse

Für die 12-jährige Paula bricht die Welt zusammen, als ihre Mutter Francesca bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Paula fühlt sich allein und verzweifelt, von allen verlassen. Auch das Versprechen ihres Vaters, „nur noch du und ich“, fühlt sich bald nicht  mehr wahr an, als Sandra, Francescas angeblich beste Freundin, sich immer mehr in ihr Leben drängt. Was zunächst nach Kümmern und Trösten aussieht, wird mehr und mehr zum Eindringen in die Gemeinschaft zwischen Paula und ihrem Vater. In der Schule behandelt man sie wie ein rohes Ei, die Freundinnen wissen nicht, wie sie mit ihr umgehen sollen. Da ist die Aussicht, die großen Ferien an der Amalfiküste verbringen zu dürfen, bei Mamas Familie, für Paula ein großer Trost. In Ravello, wo Nonna Rosa, ihre Urgroßmutter und Nonna Adele, ihre Großmutter leben, fühlt sie sich willkommen und zu zu Hause. Nonna Adele hat nach dem Tod ihrer Tochter beschlossen, ihre Apotheke schon früher als geplant an ihre Mitarbeiterin zu übergeben und sich zurückzuziehen. Das Nichtstun fällt ihr allerdings nicht leicht, sie ist gerade mal knapp sechzig und viel zu agil, um nur noch in der Sonne zu sitzen. Paulas Besuch tut ihr gut. Sie liebt ihre deutsche Enkelin inniglich, erinnert sie sie doch sehr an ihre Tochter Francesca.

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Elena Ferrante: An den Rändern

An den Rändern“ wird vor allem für Fans von Elena Ferrantes Büchern interessant sein. In diesem Essay gewährt sie ausgesprochen persönliche Einblicke in ihre Schriftstellerei. Mit den vier Bänden ihrer „Neapolitanischen Saga“ erreichte die italienische Schriftstellerin, die unter Pseudonym veröffentlicht, Weltruhm.

In unserem Leselustportal sind von Elena Ferrante folgende Rezensionen zu finden:

Frau im Dunkeln, Tage des Verlassenwerdens, Zufällige Erfindungen, Frantumaglia: Mein geschriebenes Leben sowie die vier Bände aus der Neapolitanischen Saga: Die Geschichte des verlorenen Kindes, Die Geschichte der getrennten Wege, Die Geschichte eines neuen Namens, Meine geniale Freundin

Hier nun sind Elena Ferrantes Vorträge, die sie an der Universität Bologna über ihr Schreiben hielt, nachzulesen.

Wir erfahren, wie Elena Ferrante schon als junges Mädchen zum Lesen fand und wie sich ihr Schreiben entwickelte, das sie als regelrechte Sucht bezeichnet. Weiter lesen wir davon, wie sie ihre bislang erschienenen Romane konzipierte. Hierzu gibt die Autorin Einblicke in die Überlegungen, welche sie anstellte, um die Charaktere und das Agieren ihrer Protagonistinnen zu erschaffen und weiter vom Entwickeln und Zusammenführen verschiedener Erzählstränge. Wer Ferrantes Bücher gelesen hat, wird also bald wieder auf ihre bekannten Figuren Lenú und Lila aus ihrer Neapolitanischen Saga und weitere Protagonistinnen wie Delia, Olga oder Leda stoßen.

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Zara Reed: Game of Deception

Düster, intensiv und fesselnd

In Game of Deception, dem zweiten Band der Dark Games Reihe, begleiten wir Everly. Nach außen hin verkörpert sie das perfekte, unschuldige Mädchen, doch ihre Fassade beginnt zu bröckeln. Der Tod der Mutter und die skandalösen Enthüllungen über ihren Vater haben sie leer und ausgelaugt zurückgelassen. Auf der Suche nach einem Ausweg stürzt sie sich nun in das aufregende Nachtleben von LA und landet direkt in den Fängen der Brüder Rome und Asher. Zwischen illegalen Geschäften und gefährlicher Anziehung merkt Everly fast zu spät, auf welches Spiel sie sich hier eingelassen hat.

Obwohl es der zweite Band der Reihe ist, lässt sich das Buch unabhängig lesen. Ich bin schnell in die Geschichte hineingekommen und – genau wie bei Band eins – hat mich der Sog der Handlung nicht mehr losgelassen, sodass ich immer weiter und weiter lesen musste. Die Atmosphäre ist düster, geprägt von Intrigen und stellenweise auch recht brutal, was die Spannung konstant hochhält.

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Max Küng: Supertoskana

„Supertoskana“ – bei solch einem Romantitel glaubt man fast schon zu wissen, was einen im Buch erwartet. Ja, und was so schön nach Urlaub klingt, ist tatsächlich auch eine prima Urlaubslektüre. Allerdings erleben die Figuren darin, drei Paare, ihre gemeinsame Auszeit in der Toskana alles andere als entspannend.

Es ist lange her, seit dem letzten Urlaub, den sie zusammen in Frankreich verbracht haben. Vieles hat sich seither verändert, zwischenmenschlich, altersmäßig, beruflich und überhaupt. Gemeinsamkeiten gibt es so gut wie keine mehr. Die Jahre haben ihre Spuren in allen Bereichen hinterlassen.

Die Hauptfiguren sind zum einen das zu Geld gekommene, künstlerisch veranlagte Gastgeberpaar, weiter ein gutmütiger, belesener Zahnarzt mit seiner neuen Flamme, deren Niveau so gar nicht zu den anderen passt, samt Baby, und letztlich sind noch Jean, der alle bekocht und seine Frau Jacqueline dabei.

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Debra Curtis: Die Gesetze von Liebe und Logik

Die US-Amerikanerin Debra Curtis hat ihren ersten Roman geschrieben. Das Buch mit dem Titel „Die Gesetze von Liebe und Logik“ erschien am 7. Mai 2026 bei den Ullstein Buchverlagen. Der Roman wurde von Susanne Höbel aus dem Englischen übersetzt.

Debra Curtis’ Geschichte von Lilys großer Liebe

„Die Gesetze von Liebe und Logik“ von Debra Curtis, einer emeritierten Professorin für Anthropologie, ist ein Unterhaltungsroman, in dem es um Liebe, Verlust, Sehnsucht und Familie geht. In drei Teilen nimmt Debra Curtis ihre Lesenden mit in die Jahre 1967 bis 2007 und die Geschichte von Lily Webb. Lily und ihre Schwester Jane wachsen behütet auf. Ihr Vater Martin arbeitet als Lehrer in einem Klosterinternat für Jungen und Carol, die Mutter, bezeichnet sich als Feministin und Katholikin. Als die Geschwister dreizehn und elf Jahre alt sind, stirbt die Mutter an Brustkrebs.

Sehr kleinteilig (monatsweise) erzählt Curtis von Lilys erster Liebe in Portsmouth, Rhode Island, zu einem Mitschüler und Football-Spieler, den sie immer nur als „der Junge“ bezeichnet:
„Als der Junge mit seiner Mannschaft aufs Feld lief, hielt er den Blick geradeaus gerichtet. Es war ein frischer Vormittag im Herbst. Die Stadtbewohner waren gekommen, um ihm bei seinem letzten Match zuzusehen, selbst diejenigen, deren eigene Kinder längst die Highschool verlassen hatten. In warme Decken gehüllt und an den Maschendrahtzaun gelehnt wollten sie miterleben, wie in ihrer Heimatstadt ein Held gekürt wurde.“ (S. 62/63)

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