Rachel Reid: The Long Game

Darum geht es: Seit zehn Jahren sind Shane und Ilya ein Paar – und halten ihre Beziehung strikt geheim. Würde ihre Liebe jemals öffentlich werden, könnte das ihre Eishockeykarrieren ernsthaft gefährden. Was wiegt am Ende schwerer – die Liebe oder die Karriere?

Das Buch ist ein würdiger Nachfolger von Heated Rivalry und knüpft emotional wie erzählerisch sehr gut an seinen Vorgänger an.

Beim Lesen habe ich unglaublich viel empfunden: Es gibt humorvolle Szenen, berührende Momente und Augenblicke, in denen man mit den Figuren mitleidet oder sogar wütend wird. Gerade diese emotionale Bandbreite macht die Geschichte auch so stark. Besonders gelungen ist dabei, dass zentrale Themen aufgegriffen werden, die auch im realen Profisport eine Rolle spielen – etwa Leistungsdruck, öffentliche Wahrnehmung und die Schwierigkeit, eine schwule Beziehung dort zu führen ohne ausgegrenzt zu werden.

Obwohl ich Boys-Love-Geschichten normalerweise nicht wirklich lese, konnte mich bereits Heated Rivalry begeistern – und auch dieses Buch hat mich wieder überzeugt. Ja, es gibt einige explizitere und leidenschaftliche Szenen, doch sie dominieren nicht zu stark. Die Geschichte bietet deutlich mehr als nur Romantik: Sie lebt von ihrer emotionalen Tiefe, den glaubwürdigen Konflikten und der starken Entwicklung der Beziehung.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hans-Ulrich Treichel: Das Karussell

Hans-Ulrich Treichel, 73-jähriger deutscher Schriftsteller, hat einen neuen Roman geschrieben. „Das Karussell“ ist am 19. Mai 2026 im Suhrkamp Verlag erschienen.

„Das Karussell“ von Hans-Ulrich Treichel

In „Das Karussell“ von Hans-Ulrich Treichel begegnen die Leserinnen und Leser Bernhard. Bernhard ist beinahe siebzig Jahre alt und seit einigen Jahren im Ruhestand. Er war Fachhochschulprofessor für Wirtschaftswissenschaften und Politische Philosophie in Berlin. Er lebt im Stadtteil Wilmersdorf, ist von seiner Frau Elisabeth geschieden, mit der er eigentlich alt werden wollte, „aber Elisabeth war ihm nach dreißig Jahren Ehe geradezu abhandengekommen und bei einem anderen Mann gelandet.“  Die Ehe blieb kinderlos.
Bernhard ist gesund und eigentlich zufrieden mit seinem ruhigen Leben, wäre da nicht die kleine Sorge, dass er „eben doch die besten Jahre seines Lebens verschwendete“. Es kommt ihm seine Zeit in Salerno, Süditalien, zu Beginn der 1980er Jahre wieder in den Sinn und er beschließt, nach vierzig Jahren an diesen Ort zu reisen. Er möchte erkunden, wie es seinem ehemaligen Studenten Alfredo, dem Strandbad von Alfredos Vater Luciano und nicht zuletzt Alfredos Kusine Arianna, in die Bernhard ein bisschen verliebt war oder vielleicht noch immer ist, ergangen ist. Und dann ist da noch das Karussell. Ein Kinderkarussell mit Pferden, Delphinen, Schildkröten, dem Mond und einer Kutsche, das Luciano einst kaufte, um es an seinem Strandbad aufzubauen, das aber all die Jahre in einem Schuppen, zerlegt in Einzelteile, auf seine Wiederherstellung und -inbetriebnahme wartet. Bernhard weiß das, weil er all die Jahre mit Alfredo im Schriftkontakt geblieben ist, erst per Brief und Postkarte, später dann via E-Mail.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Matthias Nawrat: Das glückliche Schicksal

Venedig und Krakau 1983

Wanda, eine junge polnische Sozialpsychologin, fliegt von Krakau nach Venedig, um dort den Kybernetiker und polnischen Emigranten Mrugalski , der etwa im Alter ihres Vaters ist, zu interviewen. Wir befinden uns im Jahr 1983, mitten im Kampf der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc für ein Mehr an Freiheit und Demokratie im sozialistischen Staat.

Also ein Vater-Tochter-Konflikt? Vergangenheit – Gegenwart? Ost – West?  Anpassung -Widerstand?

Wir springen hin und her zwischen einem Venedig, das wir nicht kennen, weil Rialto-Brücke und Markusplatz nicht vorkommen, und einem Krakau der frühen 80er Jahre, das die meisten auch nicht kennen, denn kaum hat es in jenen Jahren Reisende dorthin verschlagen. Lech Walesa kommt nicht vor, dafür Menschen, die für ihr Engagement bespitzelt werden, einsitzen oder von der Flucht träumen wie Marian, Wandas Freund. Andere bleiben und packen Hilfspakete für die durch Verfolgung verwaisten Familien.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Montasser: Die Wanderbücherei

Die immer gleiche Geschichte – immer wieder berührend

Wenn Zwei sich nicht lieben dürfen, ist das immer eine tragische Geschichte. Und wenn die Politik, die Geschicke Schuld sind am Drama der Liebenden, dann ergibt das stets reichlich Stoff für zu Herzen gehende Romane.

Thomas Montasser, dessen Romane um einen ratsuchenden Bundeskanzler oder um geschäftstüchtige Nonnen ich wirklich liebte, erzählt nun in seinem neuen Buch die Geschichte von Vera und Hans. Hans, Arbeiter bei der Bahn, ist Sozialist, Vera (die eigentlich ganz anders heißt) Halbjüdin – keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Verbindung im Jahr 1937.

Die beiden lernen sich durch die titelgebenden Wanderbücherei kennen, die eigentlich eher eine fahrende Bücherei ist, nämlich in einem Trambahnwagen in München. Die zuständige Bibliothekarin versorgt Hans und dann auch Vera mit „verbotenen“ Büchern, die sie unter falschem Titel im Register führt. Das Pärchen nutzt diese Bücher schließlich für geheime Botschaften. Doch so sehr sie sich lieben, das Leben und der Krieg treiben sie erst einmal auseinander.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Julie Caplin:  Ein Wiedersehen im Sommer

Willkommen zurück in Wilsgrave, dem kleinen beschaulichen Dorf nicht allzu weit von London, in dem jeder jeden und jede kennt, sich berufen fühlt, sich einmischen zu dürfen, aber auch immer da ist, wenn mal Hilfe gebraucht wird. Im zweiten Band der Country-Escape-Reihe steht diesmal Tierarzthelferin Bets im Mittelpunkt. Eine quirlige junge Frau, immer freundlich, immer hilfsbereit und zurückhaltend, wenn es um sie selber geht, beliebt bei allen im Dorf und für Geoffrey, ihren Chef und Devon, seinen Sohn, der ebenfalls als Tierarzt in der Praxis seines Vaters arbeitet, die beste Tierarzthelferin, die sie je hatten.

Bets war es, die damals Ella, die jetzt mit Devon zusammen ist, herzlich in Wilsgrave aufgenommen hat und ihr gar keine Chance gelassen hat, sich im Cottage ihrer Patentante zu „vergraben“, wie sie es eigentlich vorhatte.

Inzwischen sind Bets und Ella beste Freundinnen, und jetzt ist es an Ella, Bets aus ihrer traurigen Stimmung zu helfen. Bets redet nicht über ihren Kummer, sie macht gerne alles mit sich alleine aus, aber Ella spürt, dass da mehr ist als nur mal ein schlechter Tag. Der Grund für Bets‘ Traurigkeit heißt Jack und ist Devons Bruder. Seit ihrer frühen Jugend waren sie ein Paar, bis Jack nach Bristol zum Studium gegangen ist und seine Besuche zuhause immer seltener wurden. Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen Bets ihn besucht hat, kam sie sich immer fehl am Platze vor und hatte auch das Gefühl, dass Jacks vermeintliche Freunde keine echten waren. Davon wollte er allerdings nichts hören. Bis jetzt. Jetzt hat er erkannt, dass sie ihn nur ausgenutzt haben.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Allison King: Die Manufaktur der magischen Worte

Allison Kings Debütroman „Die Manufaktur der magischen Wortelässt sich als vielschichtige, ambitionierte Verbindung von historischem Roman, magischem Realismus und Familienepos verstehen, dessen Kern sich um die Weitergabe von Erinnerungen, die Verarbeitung von Trauma und die Vererbung der kulturellen Identität über Generationen hinweg dreht.

Im Zentrum stehen zwei Handlungsstränge. Einerseits begleiten wir die Informatikstudentin Monica Tsai im Jahr 2018, die mit digitaler Hilfe versucht, ihre Großmutter Yun mit deren ihr entfremdeten Cousine Meng wieder in Kontakt zu bringen.

Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit Yuns Vergangenheit im Shanghai der 1930er- und 40er-Jahre während der damaligen japanischen Besatzung. Diese parallel laufenden Handlungsstränge bürgen nicht nur für Spannung, sondern verknüpfen dabei zwei ganz unterschiedliche Formen des Erinnerns. Zum einen das objektive, digitale Archivieren der Fakten und dann das fragile, durch das Erlebte veränderte geistige Erinnern an die Vergangenheit.

Als Aufhänger dient der Verfasserin das magische Konzept über speziell behandelte Bleistifte, um auf die Erinnerungen früherer Nutzerinnen zuzugreifen. Dies fungiert als Metapher für die Weitergabe von Geschichten, Traumata und kulturellem Wissen. Gleichzeitig wird die Magie bewusst körperlich und schmerzhaft dargestellt – sie kostet Blut, wirkt verletzlich und belastet psychisch immens. Diese „Kosten“ verleihen ihr ihre Bedeutung, muss für die so erhaltenen Erinnerungen doch schmerzlich bezahlt werden. Besonders in den Kriegskapiteln zeigt sich, wie diese Fähigkeit nicht nur persönliches Erinnern ermöglicht, sondern auch politisch instrumentalisiert wird (Spionage und Widerstand).

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karine Tuil: Die Liebeshungrigen

Die französische Schriftstellerin Karine Tuil (Jahrgang 1972) wurde für ihren Roman „Menschliche Dinge“ aus dem Jahr 2020 mit dem Prix Goncourt des Lyceens ausgezeichnet. Am 15. Mai 2026 ist ihr neuestes Werk mit dem Titel „Die Liebeshungrigen“ in einer Übersetzung von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch bei dtv erschienen.

Der Roman „Die Liebeshungrigen“ von Karine Tuil ist umwerfend

Der ehemalige Präsident von Frankreich, Dan Lehman, bläst Trübsal. Er ist nach seiner Abwahl zwölf Monate zuvor nicht mehr wichtig. Er schluckt Beruhigungsmittel, trinkt und muss sich eingestehen, dass seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller gescheitert ist. Einzig seine Tochter Anna und sein Hund Nabucco scheinen ihm noch Zuneigung und Treue entgegen zu bringen, die Lehman mit echter Liebe und Herzenswärme erwidert.
Während sich der ehemalige Staatspräsident zunehmend in Selbstmitleid und Alkohol ergeht, ergattert Hilda die Hauptrolle in einem Film, der auf einem Buch von Lehmans Ex-Frau Marianne basiert. Der Film soll bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gezeigt werden. Und im Glanz und Glitter an der Côte d’Azur eskaliert die Situation.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Claudia Rikl: Elbland

Nina hat ein verdammt großes Päckchen zu tragen. Das ist ihr zwar schon lange bewusst, aber erst nach dem Tod ihrer Mutter, um die sie sich aufopferungsvoll gekümmert hat, ohne Unterstützung durch ihre Schwester Katja, wird ihr bewusst, wie viel es da aufzuarbeiten gibt, über das Irma, ihre Mutter, immer geschwiegen hat. Ninas Verhältnis zu ihrer Mutter war zwar nicht unbedingt von Herzlichkeit und Vertrauen geprägt, dennoch fällt sie in ein tiefes Loch, als Irma stirbt. Ihre Mutter litt schon lange unter Depressionen, wohl schon, als die Kinder noch Kinder waren und die Familie eine Familie. Nina erinnert sich gut an die „schlechten Tage“. Jetzt, nach Irmas Tod, fragt Nina sich, was ihre Mutter wohl so beschäftigt hat, dass sie in eine schwere Depression verfallen ist. Sie fragt sich aber auch, warum sie selbst so ist, wie sie ist. Nina kann keine Nähe zulassen, kommt in ihrem Leben nicht wirklich zurecht, obwohl sie sich durchgesetzt hat und gegen den Willen der Mutter Schauspielerin geworden ist, statt Medizin zu studieren, was ihr damals durchaus möglich gewesen wäre.

Erzählt wird überwiegend in Rückblenden, in drei Zeitebenen. Einmal die Zeit jetzt, nach dem Tod der Mutter, dann erfahren wir von Irmas Kindheit am Ende des Zweiten Weltkrieges, eine wichtige Bedeutung hat aber auch das Jahr 1987 für Ninas Familie. Der letzte Urlaub als Familie in der DDR. Damals waren sie nach Böhmen gereist, die Heimat der Mutter. Nach diesem Urlaub ist alles verändert, die Familie zerbricht. Erst im Laufe der Erzählung, zwischen den Zeilen, wird klar, was damals passiert ist.
Nina hat das unbedingte Bedürfnis, die Vergangenheit aufzuarbeiten, zu erfahren, woher ihre Mutter stammt, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat und was passiert ist, das ihre Mutter hat stumm werden lassen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alexandria Bellefleur: Count Your Lucky Stars

Es ist elf Jahre her, seit Margot und Olivia zuletzt miteinander gesprochen haben. Ihre Freundschaft von damals wurde durch ihre Affäre unterbrochen – und durch die Tatsache, dass Olivia Margot für ihren Exfreund verlassen hat. Frisch geschieden läuft Olivia also durch Zufall ihrer ersten Liebe über den Weg; äußere Umstände leiten in die Wege, dass sie kurz darauf sogar bei Margot einzieht. Beide sind sich sicher: Zwischen ihnen sind keine Gefühle mehr, alles ist viel zu lange her, was soll also schon passieren? Doch manchmal verschwinden Gefühle eben nicht einfach so und Dinge, die nie geklärt wurden, haben auch Jahre später noch das Potenzial, alles auf den Kopf zu werfen …

„Count Your Lucky Stars“ ist eine schöne, leichte Liebesgeschichte – und es ist so wichtig, queere Geschichten zu normalisieren; Geschichten, die nicht tragisch enden, die einfach nur süß und witzig und sexy sind, ohne einen explizit politischen Zweck zu erfüllen. Dass ein großer Verlag wie Piper so ein Buch veröffentlicht, begeistert natürlich. Auch wenn das queere Angebot in den Buchhandlungen steigt, fokussieren sich leichte Romanzen größtenteils auf Beziehungen zwischen zwei Männern, weil das etwas ist, was auch die Hetero-Leserin begeistert. Hier also mein Aufruf an eben diese jungen Frauen, genauso wie an alle queeren Leserinnen und Leser: Lest dieses Buch!

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Catherine Cowles: Delicate: Ich wollte nur, dass du bleibst

Darum geht es: Nach Jahren auf der Flucht weiß Thea eines ganz sicher: Vertrauen kann tödlich sein. Und doch lässt sie sich darauf ein, mit einem Mann unter einem Dach zu leben, den sie kaum kennt. Shepard Colson ist charmant, aufmerksam – und bringt mit seinem entwaffnenden Lächeln all die Mauern ins Wanken, die Thea sich so sorgfältig aufgebaut hat. Doch Thea hat schon einmal geglaubt, in Sicherheit zu sein. Und sie trägt die Narben, die ihr das Gegenteil bewiesen haben.

Trotzdem ist Shep plötzlich überall: in ihrer Bäckerei, in ihrem Garten, in ihrem Leben. Er sieht zu viel und dringt mit sanfter Beharrlichkeit durch ihre Abwehr. Als die Schatten ihrer Vergangenheit sie schließlich einholen, bleibt er an ihrer Seite. Er will sie beschützen – selbst wenn es bedeutet, zu ihr in die einsame Hütte zu ziehen und mehr als nur die Wände zu reparieren.

Mit jeder Begegnung gerät Thea mehr in seinen Bann. Shep ist nicht nur goldenes Licht und sorglose Versprechen – er sieht ihre Narben, erkennt ihre Ängste und nennt sie trotzdem die stärkste Frau, die er je gekannt hat. Sie beginnt zu glauben, dass ein neues Leben möglich ist. Dass sie bei ihm endlich ankommen könnte. Doch dann findet ihr Peiniger sie. Und diesmal wird er nicht eher ruhen, bis er ihr alles genommen hat – selbst ihr Leben.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: