Frieda Hughes: George und ich

Frieda Hughes ist Jahrgang 1960 und die Tochter des einstigen Literatenpaars Sylvia Plath und Ted Hughes. Doch sie hat sich längst selbst als Künstlerin einen Namen gemacht. Regelmäßig werden ihre Bilder in London ausgestellt. Außerdem war sie Lyrikkolumnistin für die Times und hat mehrere Kinderbücher, Lyrikbände und Zeitungsartikel verfasst.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter waren Frieda Hughes und ihr jüngerer Bruder ständig mit dem Vater unterwegs. Nie verweilten sie längere Zeit an einem Ort, und Frieda sehnte sich immer nach einer richtigen Heimat. Diesen Wunsch hat sie sich viele Jahre später mit einem Grundstück samt einem alten, renovierungsbedürftigen Haus in Wales erfüllt. Hier konnte sie ihrer Leidenschaft frönen, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Endlich war sie in ihrem eigenen Zuhause angekommen. Hier konnte sie malen, schreiben und gärtnern. Damals ahnte sie nicht, wie viel Kraft, Zeit und Geld sie in das marode Haus samt Grund investieren sollte. Ihr diagnostizierter chronischer Erschöpfungszustand machte alles noch komplizierter.

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Angelika Klüssendorf: Trost

»Und jeder, wirklich jeder Mensch auf der Welt braucht Trost. Und das ist überhaupt kein schlimmer Gedanke – es wäre erst dann schlimm, wenn es keinen Trost gäbe.« So heißt es am Ende dieses Romans über eine in der Tat trostbedürftige Patchworkfamilie im Jahr 2022.

Rita, das Zentralgestirn, um das sich alle anderen Charaktere gruppieren, ist Anfang 60, Schriftstellerin, und will sich eigentlich auf die Dinge konzentrieren, die sie liebt, wie Kaffee, Blumen und ihre Hühner. Ihr Alltag aber ist dominiert von Trennungsangst, die sie in einer längst erstarrten, von unterschwelliger Aggression geprägten Beziehung verharren lässt. Und dann, nach einem Insektenstich und einem anaphylaktischen Schock, fällt sie ins Koma.

Ritas Stieftochter Jane, 17, ist das erzählerische Zentrum des Romans; ihre Kapitel nehmen den größten Raum ein. Jane steht kurz vor dem Abitur, in dem sie wenig Sinn sieht. Sie ist auf reflektierte Art ziellos und verunsichert – durch den Zwang, sich bereits jetzt für einen Lebensweg entscheiden zu müssen, durch ihre leibliche Mutter, die zu einem Serienzombie mutiert ist, durch Corona, den Ukrainekrieg, durch die brüchig gewordene Beziehung zu ihrer engsten Freundin Lea. Und nun verliert sie auch noch ihre wichtigste Bezugsperson:

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Franziska Jebens: Über der Brandung

„Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang.“

Viel mehr als diesen Leitsatz hat eine junge Autorin nicht im Gepäck, als sie sich – vom Leben und von der Liebe enttäuscht – eines Wintertages aus dem tristen Berlin auf den Weg macht, um dem Strudel ihrer ruhelosen Gedanken zu entfliehen. Durch Zufall landet sie auf einer griechischen Kykladeninsel. Umgeben von wilder Natur trifft sie auf Menschen, die noch wirkliche Lebenslust empfinden und ihren eigenen Weg gehen. In der älteren Hera, einst selbst einer verzweifelten Lage entkommen, findet sie eine weise Mentorin und lernt nach und nach, sich selbst wieder zu spüren.

„Dort, wo die Wellen mal wild und tosend, mal sanft und leise das Ufer berühren. Wo der Sand in der Abendsonne golden schimmert und das Meer dich, mal türkis, mal himmelblau, dazu verlockt, in seine salzigen Fluten einzutauchen.“

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Silvia Trippolt: Küchengeflüster: Die verborgene Zutat der Liebe

Ein wunderbar leichter Roman über das harte Leben in der Gastronomie. Wer schon mal „gekellnert“ hat, kann das bestätigen. Der Ton ist rau, die Arbeit hart und vor allem meistens dann, wenn andere eben frei haben. Wer nur von außen draufschaut, sieht das nicht unbedingt und macht gerne auch mal den Fehler, eben oberflächlich zu urteilen. Genau wie die Protagonistin im Roman, die unter einem Pseudonym ihre „Tischnotizen“ in einer Food-Zeitschrift veröffentlicht und mit den Gastronomen und Restaurantbesitzern nicht selten ziemlich hart ins Gericht geht. „Emil Fürst“, so das Pseudonym, ist denn auch bekannt für seine Scharfzüngigkeit und harten Worte, in der Gastroszene eher gefürchtet. Tilda, die junge Journalistin, die hinter dem Pseudonym steckt, ist wohl mehrfach über das Ziel einer gerechten Kritik hinausgeschossen und hat sich zuletzt richtig Ärger eingehandelt. Einmal, als sie „den Italiener“, den eine ehemalige Schauspielerin, eine „Promi-Quereinsteigerin“, eröffnet hat, ziemlich schlecht hat wegkommen lassen, – damit ist sie bei ihrem Chef, Heinrich Setten, dann noch einigermaßen milde davon gekommen. Er hat lediglich die Zusage von ihr verlangt, den nächsten Text erst von ihm absegnen zu lassen, bevor sie ihn in Druck gibt. Okay, mit einem Rüffel und dieser Auflage kann sie leben. Allerdings hält sie sich nur bedingt an die Abmachung. Sie legt den Text über ihren Besuch im Sterne-Restaurant „Wolf“ zwar vor, aber nachdem Heinrich sein Okay gegeben hat, „peppt“ sie ihn noch ein bisschen auf. Und das bricht ihr dann beinahe das Genick. Rena Wolf, die Restaurantbesitzerin, erscheint persönlich in der Redaktion und macht ihrem Ärger Luft. Der Text sei niederträchtig, widerwärtig und fies, Tilda unterscheide nicht zwischen Tatsachenbehauptungen und Werturteilen. Das sei unzulässig. Leider stimmt Heinrich dem zu, statt Tilda zu verteidigen. Aber statt Tilda zu verklagen, hat sich Rena Wolf eine ganz andere Strafe für sie ausgedacht. Tilda soll drei Monate lang in ihrem Restaurant arbeiten, um selbst zu erfahren, was da geleistet wird und wie hart die Arbeit ist. Danach kann sie dann über ihre arrogante Kritik nachdenken. Tildas Chef stimmt diesem Vorschlag unbedingt zu und stellt Tilda vor die Wahl, entweder das Angebot anzunehmen und, getarnt als Foodbloggerin, im „Wolf“ zu lernen, was Gastro bedeutet oder sie ist ihren Job los.

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Kim Leopold: The Calmest Kind of Storm

Noemi führt ein geheimes Doppelleben als erfolgreiche Romantasy-Autorin Isla Golding. Als sie verkleidet auf Lesereise geht, trifft sie ausgerechnet auf ihren Hörbuchsprecher – den Mann, mit dem sie vor Jahren zwei heiße Nächte verbrachte. Das Problem? Er erkennt sie unter der Maske nicht … Ein genialer, spannender Einstieg in ein unvergessliches Abenteuer!

Ich habe schon die anderen Bände der Reihe geliebt. Es ist keine klassische 08/15-Romance-Geschichte, wie man sie im Moment häufig unter die Finger bekommt. Für mich war schnell klar: Diese Geschichte wird zu einem Highlight und hat mir am besten aus der Reihe gefallen.

Das Buch greift auch ernstere Themen auf, wie mentale Belastung und Selbstfindung. Das gibt dem Ganzen einen tiefgründigen Kern, der begeistert.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm flüssig und greifbar zugleich. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, wodurch das Buch viel zu schnell vorbei war. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Savio und Noemi erzählt, was sehr positiv ist, da man so besser in die Gedankenwelt der beiden eintauchen kann und ihre Handlungen so mehr und mehr verstehen lernt.

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Ana Lane: Mornings in Boston: The story we tell, The Truth We Hide & The Games We Play

Hier handelt es sich um eine Trilogie, die unter dem Titel Love on Air im LYX Verlag erschienen ist und besonders durch die wunderschön gestaltenden Cover ins Auge fällt.

Mornings in Boston 1 erzählt die Geschichte der ehrgeizigen Journalistin Penelope Sanderson, die als Co-Moderatorin einer quotenstarken Frühstücksshow den Karrieresprung schafft. Ihr Erfolg wird jedoch durch ihren attraktiven Co-Moderator und bekannten Playboy Connor Kingsley getrübt, der ihr von Beginn an das Leben schwer macht. Trotz der Sabotageversuche lässt sich Penelope nicht unterkriegen, während gleichzeitig eine unerwartete emotionale Nähe entsteht, da Connor sie besser zu verstehen scheint als jeder andere.

Der erste Band der Reihe hat es schon emotional in sich. Es bietet von Seite eins an eine großartige Liebesgeschichte und hat alles was man sich von einem Buch dieses Genres wünscht: Knistern, Dynamik, eine Prise Humor und zwei starke Charaktere auf Augenhöhe.

Das Setting in der teils stressigen Welt des Fernsehens ist erfrischend und bringt seine ganz eigene Dynamik in die Handlung mit ein. Man erfährt auch mal hinter den Kulissen was so alles abgeht.

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Elena Fischer: Wirf einen Schatten

Einsamkeit und Stille haben sich im Haus und in Josephs Innerem ausgebreitet. „Seine Frau und sein Sohn hatten alle Geräusche mitgenommen.“ (eBook S. 10).

Die Geschichte spielt Ende der Fünfziger bis Anfang der Sechziger Jahre, einer Zeit, die  von einem anderen Takt und anderen Werten bestimmt war.

Nachdem seine Frau ihn mit dem gemeinsamen kleinen Sohn verlassen hat, sieht Joseph keinen Sinn mehr im Leben. 

Bislang ist Josephs Tagesablauf davon geprägt, sich um den Hof und die Tiere zu kümmern. Das war schon bei den Eltern so. Platz für andere Gedanken bleibt keiner. Über Belastendes zu reden hat er nie gelernt. So hat er sich auch nie mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit auseinandergesetzt. Immer noch bedrückt ihn ein tragisches Unglück aus seiner Kindheit. Gerade rechtzeitig steht die junge Birdie mit all ihren Problemen vor seiner Tür. Er nimmt Birdie auf und versucht ihr zu helfen. Auch zu Ada, der Schwester seiner Frau, findet Joseph wieder Zugang. Es wird ein langer Prozess für Joseph, sich mit allem Geschehen auseinanderzusetzen und neue Gedanken zu fassen.

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Stella Gaitano: Eddos goldenes Lächeln


Die Tragödien eines Landes werden in dieser wunderschönen, magisch anmutenden Erzählung anhand einzelner Familienschicksale verdeutlicht. Seit dem Abzug der Kolonialmächte erlebt der Sudan ein ständiges Auf und Ab an Militärputschen, Bürgerkriegen, Repressionen, Hungernöten und Flüchtlingsströmen. Von alledem bekommt die kleine Irinu alias Lucy kaum etwas mit. Sie lebt in einem kleinen Dorf im Südsudan nach traditioneller Art unter Menschen, die noch an Götter und Flüche glauben. Von so einem Fluch ist Lucys Leben bestimmt. Nachdem ihre Mutter Eddo 10 Kinder im Säuglingsalter verloren hat, hat sie sich an das elfte nicht mehr emotional binden wollen. Eddo gibt ihrer Tochter den Namen „Irinu“, übersetzt „Die Vielscheißerin“. Dieser schreckliche Name soll böse Geister von ihr fernhalten. Durch die Christianisierung des Dorfes erhält Irinu schließlich den Namen Lucy. Das Mädchen wird von allen Familien des Dorfes gemeinsam erzogen, Eddo scheint zunehmend verrückter zu werden. Erst als sie heranwächst, nähert sich Eddo ihrer Tochter an und weist ihr eine Aufgabe zu: Lucy soll Eddos tote Kinder wieder zur Welt bringen und möglichst viele Nachkommen in die Welt setzen.

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Alexandria Bellefleur: Written in the Stars

Elle ist Astrologin, glaubt an Seelenverwandtschaft und sucht nach der großen Liebe – stattdessen trifft sie auf Darcy, diese arbeitet in der Versicherungsstatistik, glaubt ganz sicher nicht an höhere kosmische Zusammenhänge und will eigentlich gar nicht auf diesem Date mit Elle sein, zu dem ihr Bruder sie gezwungen hat. Es kommt, wie es kommen muss, wenn zwei Welten aufeinanderprallen: Das Date ist ein Desaster. Elle verschüttet den teuren Wein über Darcys Lieblingskleid und hört sie kurz darauf verletzende Sachen über sie am Telefon sagen. Also eindeutig nicht die große Liebe.

Um Ruhe vor ihren Familien zu haben, treffen die beiden dennoch die vielleicht nicht ganz durchdachte Entscheidung, eine Beziehung vorzutäuschen – und merken schnell, dass Gefühle sich nicht planen lassen.

Die Fake-Dating Geschichte ist vielleicht irgendwann auserzählt, Alexandria Bellefleur nutzt die Grundlage aber mit derart viel Witz und Gefühl, dass man beim Lesen direkt vergisst, dass es so etwas Ähnliches schon einmal gab. Dadurch, dass sie das Konzept außerdem in einen queeren Kontext einbaut, wird das Buch unbedingt lesenswert! Die Charaktere sind liebenswert, tiefgängig ausgearbeitet und bereiten einfach viel Freude.

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Heinz Strunk: Memories of Heidelberg

Heinz Strunk versteht es in seinen Büchern scheinbar ganz locker, Tragik in Komik zu verwandeln. Seine Erzählweise ist oft deftig, manchmal heftig, seine Milieu- und Charakterstudien lesen sich treffsicher und stimmig. Genau das erwarten seine Leser und werden so gut wie nie enttäuscht.

Bereits Heinz Strunks erster Roman „Fleisch ist mein Gemüse“ aus dem Jahr 2004 wurde ein Erfolg. Seither hat er 16 weitere Bücher veröffentlicht.

Im Leselust-Portal sind folgende Rezensionen seiner Bücher zu finden: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit (2025), Zauberberg 2 (2024), Ein Sommer in Niendorf (2022), Es ist immer so schön mit dir (2021), Jürgen (2017), Der Goldene Handschuh (2016).

Nun aber zu Strunks aktuellem Buch „Memories of Heidelberg“, in dem ein Ehepaar anstatt einer entspannten Woche in der Neckarstadt ein bitteres Desaster durchlebt.

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