Marie Vieux-Chauvet: Der Tanz auf dem Vulkan

Ein Novum der Geschichte: Auf Haiti fand die einzige erfolgreiche Sklavenrevolution der Welt statt. Diese führte zur Gründung des ersten unabhängigen Karibikstaates.  Dieser Roman erzählt, wie es zwischen 1791 und 1804 dazu kam, dass sich die französische Kolonie Saint-Domingue zur souveränen schwarzen Republik Haiti entwickelt hat, in der Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe dieselben Bürgerrechte erhielten. Dies zu einer Zeit, als die Flotten der Meere Sklaven aus Afrika in alle Welt verschifften. Marie Vieux-Chauvet erzählt von den besonderen Umständen, die dazu geführt haben, aber auch von dem Leid und den vielen Opfern, die dieser Befreiungsschlag gefordert hat. Absolut faszinierend und mitreißend!

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Doris Knecht: Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe

Die Ich-Erzählerin in Doris Knechts Roman „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ ist Anfang 50, geschieden und alleinerziehende Mutter der Zwillinge Mila und Max. Sie wohnt in einer 150 Quadratmeter großen Wohnung in Wien, die sie sich nicht mehr leisten kann. Die Zwillinge haben eben Abitur gemacht und wollen/sollen ausziehen.

Mila gelingt das mühelos, für Max arrangiert seine Mutter eine WG, gemeinsam mit dem Sohn einer ihrer Freundinnen. Die Protagonistin selbst sucht auch einen neuen Platz für sich und ihren Hund. Einerseits ist sie froh, den alten Ballast loszuwerden, andererseits plagt sie das schlechte Gewissen, weil sie das Nest auflöst. In vielen Rückblenden erfährt der Leser vom eigenen Umzug der Hauptfigur vom Land in die große Stadt, vom Leben in diversen WGs, von gescheiterten Beziehungen und Begegnungen mit Männern, die nie als Lebensmenschen in Frage kamen.

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René Freund: Wilde Jagd

Saufender Philosoph philosophiert über Philosophen

Wenn ein gelungenes Buch die Erwartungen an weitere Romane eines Autors in die Höhe treibt, ist Enttäuschung vielleicht nicht überraschend. Die Corona-Quarantäne Geschichte „Das Vierzehn-Tage-Date“ von René Freund war unglaublich gelungen, temporeich und witzig. Das kann man von dem vorliegenden Roman leider nicht behaupten.

Ein Philosophieprofessor, der im Haus seiner verstorbenen Eltern einzieht, wird in einen Vermisstenfall hineingezogen. So die Ausgangslage, man könnte also vermuten, es handelt sich um einen Krimi. Besagter Professor, getrennt von Frau und erwachsener Tochter, dem Alkohol mehr zugetan, als gut für ihn ist, den Bewohnern des Dorfes seiner Kindheit fremd geworden, begegnet der Pflegerin Evelina, die den alten Zillner betreut. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie ihre Schwester sucht, die vor ihr diesen Posten innehatte und spurlos verschwunden ist. Evelina gelingt es, Professor Quintus Erlach in ihre Recherchen hineinzuziehen, was diesem nicht immer gut bekommt.

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Elif Batuman: Entweder / Oder

Der Roman der Bestsellerautorin Elif Batuman trägt den gleichen Titel wie das bekannteste Werk des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard – Eine Entscheidung, die sehr viel über das Buch aussagt, denn originell ist tatsächlich wenig an der Geschichte. Okay, das klingt vielleicht etwas hart, denn gut geschrieben ist der Roman über die junge Harvardstudentin Selin, die mit unerwiderter Liebe, feministischen Debatten und der Komplexität des Erwachsenwerdens zu kämpfen hat.

Auch ist sie als Hauptcharakter mir bis zum Schluss sympathisch gewesen, ihre komplizierte Gefühlswelt und ihre Vorliebe zur Interpretation der Welt durch Literatur. Wer von uns Leseratten kennt nicht das Gefühl, in einem Text Wahrheit zu finden und ihn auf die Realität anzuwenden?

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Kai Hensel: Wo ist Valentin?

Das Verschwinden eines Katers löst eine Kettenreaktion aus – spannend, überraschend, anders

Eine ganz ungewöhnliche, immer wieder überraschende Geschichte, voller spannender Figuren und unvorhersehbarer Wendungen.

Der vielbeschäftigte und preisgekrönte Autor erzählt von Valentin, dem wunderschönen grauen Kater. Dieser lebt bei der jungen Lehrerin Katja. Doch eines Tages verschwindet Valentin, kommt abends nicht zurück nach Hause, trotz lockenden Rufens, trotz leckerem Futter.

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Meir Shalev: Erzähl’s nicht deinem Bruder

Eine unvergessliche Nacht erleben die Brüder Itamar und Boas und dies in doppelter Hinsicht: An einem ihrer jährlichen Abende in einem Hotelzimmer, wenn sie viel Alkohol trinken, etwas essen und miteinander reden, weinen und lachen werden auf einmal lang gehütete Geheimnisse geteilt. Eines davon bezieht sich auf ein erotisches Abenteuer, das Itamar erlebte.

Der Autor Meir Shalev (1948 – 2023) wurde anfangs als Fernseh- und Radiomoderator bekannt. Er schrieb Kolumnen für die Nachrichtenseite „Ynet“ und machte später mit seinen Romanen Karriere. 2006 erhielt er die höchste literarische Auszeichnung in Israel, den Brenner Prize. Sein Grad an Beliebtheit und Renommee wird auch darin deutlich, dass Staatspräsident Isaac Herzog in den sozialen Medien schrieb: „Wie schade, dass wir nie wieder gespannt auf ein neues Buch von Meir Shalev sein werden, das erscheinen und unser Leben verändern wird.“

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Emma Cline: Die Einladung

Die US-Amerikanerin Emma Cline (Jahrgang 1989) wurde 2016 für ihr Roman-Debüt „The Girls“ gefeiert. 2021 erschien eine Sammlung ihrer Kurzgeschichten unter dem Titel „Daddy“. Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte am 24. Juli 2023 ihren zweiten Roman „Die Einladung“ in einer Übersetzung von Monika Baark.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Alex, ein 22-jähriges Call- bzw. Escort-Girl, verbringt den Sommer mit dem Mitte 50-jährigen Simon in den Hamptons. Sie musste New York verlassen, da sie bei einigen Leuten Schulden hat und andere bestohlen und betrogen hat. Durch Zufall lernt sie Simon kennen, der sie in ihr Sommerhaus einlädt. Simon denkt, sie sei eine orientierungslose Studentin, die sich in New York einleben will.

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Ilva Fabiani: Meine langen Nächte

Roman einer erschütternden Selbstanklage

Die italienische Autorin, die in Deutschland studiert hat, erzählt in ihrem Debütroman eine erschütternde Geschichte. Eine erfundene Geschichte, die vermutlich aber so oder ähnlich vielfach stattgefunden hat in den Jahren der Nazidiktatur.

Beginnen tut diese Geschichte jedoch viel früher. Die junge Anna Alrutz lebt wohlbehütet in einer gutsituierten Familie zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern. Ihr Vater ist angesehener Arzt, ihre Mutter und ihre kleine Schwester leiden an einer schweren Erbkrankheit und ihr jüngerer Bruder Willi nervt sie stets aufgrund seiner ungezügelten Esslust und dem daraus resultierenden unförmigen Körper.

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Dennis Lehane: Sekunden der Gnade

Im Sommer 1974 wird der geschundene Körper eines jungen Mannes neben den Gleisen in einem Bostoner Bahnhof gefunden. Inzwischen sind viele Stunden nach seinem Tod vergangen. Sergeant Bobby Coyne findet schnell heraus, wer für den Lynchmord verantwortlich sein könnte. Es sieht so aus, als wäre dies wieder ein ganz normaler Fall, in dem ein Mensch mit falscher Hautfarbe zur falschen Zeit am falschen Ort eine Autopanne hat und zur nächtlichen Stunde einen Parkour überleben muss, der ihn durch ein weißes Viertel führt.

In dem gleichen Viertel soll in wenigen Tagen die richterlich angeordnete Rassentrennung in den Schulen aufgehoben werden, bei der zwangsweise ein Schülertausch zwischen unterschiedlichen Stadtvierteln durchgeführt wird. Die Bewohner des scheinbar beschaulichen Vororts Southie organisieren aus diesem Grund eine emotional aufgeladene Protestbewegung.

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Emiko Jean: Mika im echten Leben

Adoptiertes Mädchen trifft ihre leibliche Mutter – Ein Roman, der sich verzettelt

Mika ist Mitte Dreißig, als eines Tages ihr Telefon klingelt. Am Apparat ist ihre 16-jährige Tochter Penny, die sie sofort nach ihrer Geburt zur Adoption freigab. Penny möchte ihre Mutter kennenlernen, ein Wunsch, den Mika teilt und so wird, nach weiteren längeren Telefonaten, ein Treffen vereinbart.

Das Problem ist nur, dass Mika ihrer Tochter ihr eigenes Leben in strahlenden Farben beschreibt, während es in Wirklichkeit grau und chaotisch ist. Mika hat gerade, zum wiederholten Mal, ihren Job verloren, ihre Beziehung ging schon vor längerer Zeit in die Brüche, ihre Mutter ist ein Drachen und auch sonst bekommt sie wenig auf die Reihe.

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