Louise Kennedy: Übertretung

Bewegende Darstellung des Irland-Konflikts der 70er Jahre am Schicksal einer jungen Frau

Beim Lesen solcher Bücher, die sich mit historischen Ereignissen befassen, merkt man die Lücken im eigenen Wissen. Die Irin Louise Kennedy erzählt in ihrem Debütroman von den Geschehnissen und den immensen politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten in ihrem Land in den siebziger Jahren. Dabei war mir vieles, was sie schildert, zwar oberflächlich bekannt, in dieser Tiefe und Dimension war man sich dieser Dinge aber sicher nicht bewusst.

Dieser Umstand macht die Lektüre des Romans nicht einfach, aber umso wichtiger. Dankenswerterweise gibt es am Ende des Buches ein Glossar der Übersetzenden, welches einige der in der Landessprache verwendeten Begriffe erläutert.

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Alexa Hennig von Lange: Zwischen den Sommern

Wie konnte das Jahrhundertunglück des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts passieren? Was machte die Masse an Menschen, die weder mit dem System sympathisierten, noch in den Widerstand gingen? Im zweiten Teil ihrer Trilogie nach „Die karierten Mädchen“ zeichnet Autorin Alexa Hennig von Lange anhand den Tonband-Aufzeichnungen ihrer Großmutter das Bild einer verlorenen Generation nach. Von Menschen, die weder Helden noch Verbrecher waren, die einfach nur weitermachten, Tag für Tag, um sich und ihre Familien zu schützen. Von Menschen, die aus lauter Scham ihr Leben lang nicht über jene Zeit reden wollten. „All die Ämter und Funktionen, die einzunehmen, die Ehrenauszeichnungen, die zu erreichen waren, all die Verdienste für das deutsche Volk. Sie hatten sich alle davon blenden lassen – und nun saßen sie in verdunkelten Häusern. Längst ging es nur noch um das nackte Überleben und nicht mehr um das, was irgendwann einmal nach dem Versprechen einer wunderbaren Zukunft geklungen hatte.“ (S.295)

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Tanja Schwarz: Vaters Stimme

Die deutsche Schriftstellerin Tanja Schwarz (Jahrgang 1970) schrieb 2021 die vielversprechenden Erzählungen „In neuem Licht“. Die Frauenfiguren darin mühen sich im Alltag ab: mit ihren Kindern, ihren Partnern, ihren Eltern, mit fremden Menschen. Und immer wieder bringen sie sich in noch anstrengendere Situationen. Und so ergeht es auch ihrer Hauptfigur in dem neuen Roman „Vaters Stimme“, der am 21. August bei hanserblau im Carl Hanser Verlag erschienen ist.

Nina ist Ende vierzig. Sie lebt in Hamburg getrennt von Ron, dem Vater ihres Sohnes Lenny. Beruflich ist sie viel unterwegs. Lenny wächst bei seinem Vater auf. Ninas psychisch kranke Mutter lebt in Süddeutschland, auf der Schwäbischen Alb. Ihren Vater hat sie vor 25 Jahren das letzte Mal gesehen. Sie ist bei ihrer Mutter aufgewachsen. Eines Tages schlägt Lenny vor, den ihm unbekannten Opa anzurufen.

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Michiko Aoyama: Frau Komachi empfiehlt ein Buch

Fünf einzelne Geschichten um Menschen, denen ein Buch aus der Misere hilft

Die Beschreibung dieses Buches erinnerte mich ein wenig an „Kleine Wunder nach Mitternacht“ von Keigo Higashino, ein Buch, das ich sehr geliebt habe. Weshalb ich mit entsprechenden Erwartungen an das Buch von Michiko Aoyama heranging, die sich leider nicht erfüllten.

Denn am Ende ließ mich das Buch – einen Roman möchte ich es fast nicht nennen, denn es sind einzelne Geschichten, die nur durch die Bibliothekarin Komachi miteinander verbunden sind – etwas ratlos zurück.

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Victoria Kielland: Meine Männer

Der Roman „Meine Männer“ von Victoria Kielland baut seine Geschichte auf dem Fundament einer altbekannten Tragödie auf: Brynhild, eine junge, schöne Magd, wird vom Hoferben verführt. Im Vergleich zu der unbedarften Siebzehnjährigen hat er in solchen Dingen Übung. Der Hoferbe zeigt ihr, wie bedingungslose Liebe funktioniert, und die junge Magd glaubt ihm, bis sie schwanger wird. Die Hoffnung, an seiner Seite Bäuerin zu werden und auf der sozialen Leiter aufzusteigen, stirbt unter seinen Fäusten und Fußtritten.

Die Wende zu etwas Neuem beginnt mit Brynhilds Flucht zu ihren Eltern, wo sie die Enge und Armut nicht mehr aushalten kann. Zum Glück hilft ihre älteste Schwester aus Amerika. Die schwangere Brynhild verlässt Norwegen 1876, um mit der Überfahrt nicht nur neue Ufer, sondern auch endlich Glück im Leben zu finden. Bei ihrer Ankunft ändert Brynhild ihren Namen. Sie will Bella heißen und Jahre später Belle.

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Richard Ford: Valentinstag

Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Ford (Jahrgang 1944) hat mit Frank Bascombe eine Figur erfunden, die ihren ersten Auftritt 1986 in dem Roman „Der Sportreporter“ hatte. Bascombe verhalf ihm mit „Unabhängigkeitstag“ 1996 zum Pulitzer Prize und PEN/Faulkner Award. Es folgten 2006 „Die Lage des Landes“ und 2014 „Frank“. Daneben veröffentlichte Richard Ford zahlreiche weitere Romane und Kurzgeschichten, wie zuletzt „Irische Passagiere“ aus dem Jahr 2020. Nun ist am 21. August 2023 „Valentinstag“ bei Hanser Berlin aus dem Carl Hanser Verlag erschienen. Darin begleitet Frank Bascombe seinen todkranken Sohn Paul auf einer Reise zum Mount Rushmore. Frank Heibert hat den Roman aus dem Englischen übersetzt.

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Tim Parks: Hotel Milano

In seinem jüngsten Roman „Hotel Milano“ greift Tim Parks die Lebensumstände während des Corona-Lockdowns auf. Plötzlich befindet man sich wieder mitten in jener Atmosphäre mit Ausgangssperren, Masken, Handgel, Kontrollen, geschlossenen Restaurants, ausverkauften Läden, leeren Straßen. 

Der Protagonist Frank Marriot scheint den Ernst der Corona-Situation nicht realisiert zu haben. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Sicherheitsvorkehrungen und Verbote zu verschärfen drohen, fliegt er ins Zentrum der Epidemie nach Mailand. Dort will er an der Beerdigung seines einstigen Freundes und Verlegers Dan Sandow teilnehmen.

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Andrej Kurkow: Samson und das gestohlene Herz

In der zweiten Geschichte über den jungen Polizisten Samson geht es um seine Liebe zu der Untermieterin Nadjeschda und die politischen Unruhen, die Kiew 1920 zu einem gefährlichen Terrain machen.

Zurzeit muss er aufgrund einer neuen Verordnung auch den privaten Verkauf von Fleisch untersuchen. Und während Samson und sein Kollege in der Mietdroschke zu den Zeugen gefahren werden, denkt er häufig an seine Untermieterin. Denn seit Nadjeschda da ist, ist sein Leben weniger leer und zeitweise voller Sorgen.

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Johanna Sebauer: Nincshof

Das unscheinbare Dörfchen Nincshof liegt in der alleräußersten Ecke Österreichs an der Grenze zu Ungarn. Isa Bachgasser und ihr Mann Silvano Mezzaroniaus Wien kaufen dort eine alte Mühle und bauen sie zu einem modernen Eigenheim um. Silvano, dank eines Erbes von seinem Beruf als Architekt unabhängig, erfüllt sich einen Herzenswunsch, indem er Irrziegen züchtet, die ursprünglich aus Südamerika stammen. Er findet relativ leicht Zugang zu den Alteingesessenen.

Isa hingegen, Dokumentarfilmerin in einer Schaffenspause, kann in dieser provinziellen Einöde nur schwer Fuß fassen. Schließlich ergibt sich ein sachter Kontakt zur Witwe Erna Rohdiebl. Erna gehört mehr unfreiwillig als freiwillig zum Club der Oblivisten. Diese Oblivisten arbeiten daran, Nincshof in Vergessenheit geraten zu lassen.

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Molli Morgan: Vom Glück, auf Bäume zu flattern

Ein Huhn erzählt von der Freiheit – absurd und interessant zugleich

Bücher, in denen Tiere die Protagonisten und manchmal auch die Erzähler sind, gibt es viele. So wie der kürzlich rezensierte Roman „Frankie“, in dem die Umsetzung nicht so wirklich gelungen war. Ähnliche Probleme hatte auch die Autorin des vorliegenden Romans, die unter dem Pseudonym besagter Henne das Buch veröffentlicht.

Molli ist in einer Legebatterie aufgewachsen, kennt kein Gras und keine frische Luft. Sie hatte nie Gelegenheit, ihre Mutter kennenzulernen und ihre einzige „Freundin“ unter den anderen Hennen liegt eines Tages tot in der Legebox. Die anderen Hühner im Stall picken und hacken nach Molli, der es dann aber mit Geschick und dank eines Zufalls gelingt, aus der Legebatterie zu entkommen.

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