Camille Laurens: So wie du mich willst

Keine leichte Mainstream-Kost – und gerade deshalb empfehlenswert

„Man sagt sich, er würde nicht alle zehn Minuten ins Netz gehen, wenn ihm das, was er tut, gefiele. Vielleicht beobachtet er, hinter der digitalen Pinnwand versteckt, ebenfalls, was Sie gerade tun?“ (S. 21)

Camille Laurens‘ Roman „So wie du mich willst“ entführt die Leser in die faszinierende Welt der digitalen Tarnung und zeigt, wie sich eine scheinbar harmlose Cyberspace-Lovestory zu einem gefährlichen Spiel entwickeln kann. Die Autorin wirft dabei einen tiefen Blick in die Psyche der 48-jährigen Claire, die durch ein gefälschtes Facebook-Profil als 24-jährige Single-Frau in die Untiefen des Internets abtaucht.

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Sebastian Huncke, Simone Paganini: Wer zur Hölle ist der Teufel?

Wenn draußen die hellen Tage dunklen Nächten weichen und in Österreich der Nikolo von seinem Gefährten „Krampus“ begleitet an die Türen klopft, kann man sich schon fragen „Wer zur Hölle ist der Teufel?“. Denn allem Anschein nach ist er ein Teufel, der Krampus, mit seinen Hörnern, dem schwarzen Fell, mit Kettengerassel und schauderhaftem Gebrüll. Woher kommt diese dunkle Gestalt? Der erste Nachweis für Dämonen und „Teufelsfiguren“ stammt  aus dem Nahen Osten und diese Kreaturen sind – man höre und staune – weiblich. Es handelt sich oft um Mensch-Tier-Mischwesen, ausgestattet mit unwiderstehlichen sexuellen Reizen. In allen Kulturen ist Verführung eine teuflische Eigenschaft.

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Jon Fosse: Ein Leuchten

Ein Leuchten ist der neueste Roman des Literaturnobelpreisträgers 2023 Jon Fosse. Auch diesmal bleibt Jon Fosse dem für ihn typisch knappen, ohne Ausschmückung auskommenden, dafür um so eindringlicherem Schreibstil treu.

Was dem Protagonisten in „Ein Leuchten widerfährt, beziehungsweise, in welche Gefahr er sich in dieser Geschichte hineinkatapultiert, ähnelt den Nahtodbeschreibungen, die man vielleicht aus verschiedenen Berichten kennt.

Jon Fosse dringt mit den LeserInnen in „Еin Leuchten tief in die Gedankenwelt des Protagonisten ein. Dieser fährt ohne ein Ziel mit seinem Auto einfach los, biegt immer wieder in unterschiedliche Richtungen ab, bis er in einem Waldweg stecken bleibt. Anstatt umzukehren, um auf jemanden, der ihm helfen könnte, zu treffen, wagt er sich immer weiter in den düsteren Wald hinein. Die zunehmende Dunkelheit nimmt ihn gefangen, bald schon hat er den Orientierungssinn verloren. Er konfrontiert sich mit Selbstvorwürfen, reflektiert, was er falsch gemacht und wie er sich besser anders hätte entscheiden sollen.

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Daniel Schreiber: Die Zeit der Verluste

Daniel Schreiber (Jahrgang 1977) arbeitet als Autor, Übersetzer und Kolumnist. Er lebt in Berlin. Zuletzt erschien 2021 sein Essay „Allein“. Mit „Die Zeit der Verluste“ veröffentlichte Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag am 20. November 2023 Daniel Schreibers neueste Abhandlung.

Tod, Trauer und Verluste

„Die Zeit der Verluste“ von Daniel Schreiber ist ein schmales Buch zu einem großen Thema. Nach dem Tod seines Vaters befindet sich Schreiber während eines Stipendiats in Venedig. Es ist Winter, kurz vor Beginn des Karnevals. An einem Tag im Nebel wacht Daniel Schreiber in einem Gästezimmer des Palazzo Barbarigo auf, in dem das Centro Tedesco di Studi Veneziani untergebracht ist. Er trauert um seinen Vater, der vor einiger Zeit nach langer Krankheit verstorben ist:

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Johannes Plagemann, Henrik Maihack: Wir sind nicht alle

Das Buch „Wir sind nicht alle. Der Globale Süden und die Ignoranz des Westens“ hat sich für mich langsam gelesen. Aber nicht, weil es nicht absolut spannend und wichtig wäre, sondern weil es eben kein Roman ist und mit Themen umgeht, denen ich in meinem Alltag selten begegne. Es geht vor allem um Politik und Wirtschaft. Aber nicht einer von Deutschland ausgehenden Politik und Wirtschaft, sondern einer, die sich vor allem in den und aus dem Globalen Süden entwickelt.

Die Autoren Johannes Plagemann und Henrik Maihack, Politikwissenschaftler, die selbst lange Zeit in Ländern des Globalen Südens verbracht haben, schaffen es selbst für unerfahrene Lesende einen Bogen zu spannen, der erklärt, wieso der Westen für den Globalen Süden an Wert verliert und andere Interessen Einfluss auf Länder z.B. in Afrika oder Asien nehmen.

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Rachel Joyce: Die erstaunliche Entdeckungsreise der Maureen Fry

Harolds Frau begibt sich widerstrebend auf eine Reise – emotionaler Nachklapp zum Erfolgsroman

Es ist immer problematisch mit Sequels zu Erfolgsromanen, nicht immer gelingen sie, nicht immer können sie überzeugen. Vor allem, wenn der Vorgängerband ein solch großer Erfolg war wie der Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“.

Zu dem es sogar schon einen Nachfolger gab, in dem es um Queenie ging, deretwegen Harold damals auf seine Reise ging. Nun also die Reise von Maureen, Harolds Frau. Sie, die sehr litt, damals, als Harold durch ganz England lief, um seine alte Freundin Queenie noch einmal zu sehen, die schwer krank war. Maureen war immer eifersüchtig auf Queenie, die mal eine Kollegin von Harold gewesen war.

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Stefan Moster: Bin das noch ich

Der Protagonist Simon aus Stefan Mosters neuem Roman „Bin das noch ich“, ist Berufsmusiker und spielt Violine im Orchester. Er ist froh, dass die Coronazeit überstanden ist. Viele der Musikerkollegen, die mit ihm für die aktuellen Konzerte in Finnland gebucht sind, kennt er von vorhergehenden Auftritten. Dennoch ist diesmal etwas anders.

Simon hat Angst, dass die Finger seiner linken Hand wieder versagen könnten.
Dann passiert, was er befürchtet, aber immer wieder verdrängt hat und holt ihn in voller Härte ein: Er patzt. Vor dem Publikum. Alles, was sein Leben bislang ausgemacht hat, alles, was er verkörpert hat, ist nun durch einen kleinen Defekt zunichtegemacht. Hier stellt Simon sich die existentielle Frage: Bin das noch ich?

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Paul Auster: Baumgartner

Mit seinem neuen Roman „Baumgartner“ legt der 1947 geborene amerikanische Schriftsteller-Superstar Paul Auster einen sehr persönlichen Roman vor. Sein Held, der Phänomenologie-Professor Seymour Baumgartner, hat viel gemeinsam mit Auster. Auch Anklänge zu Austers Partnerschaft mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt lassen sich aus dem Text herauszulesen.

Es geht um einen 70-jährigen älteren Herrn, der Schwierigkeiten hat, über den Tod seiner geliebten Frau Anna hinwegzukommen. Er stürzt sich in die Arbeit und auch in neue Affären, doch das alles hilft ihm nicht, einer gewissen Grund-Melancholie und Einsamkeit zu entkommen.

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Sylvain Tesson: Weiß

Der französische Schriftsteller Sylvain Tesson (Jahrgang 1972) hat Geographie studiert und an mehreren Expeditionen teilgenommen. 2019 erschien sein Reisebericht „Der Schneeleopard“ und wurde zum Bestseller. Nun hat der Rowohlt Verlag am 14. November 2023 unter dem Titel „Weiß“ Tessons nächstes Abenteuer veröffentlicht. Nicola Denis hat es aus dem Französischen übersetzt.

Drei Männer und ein Abenteuer

Von 2018 bis 2021 hat Sylvain Tesson gemeinsam mit dem Bergführer Daniel du Lac und später dem Ingenieur Philippe Rémoville die Alpen von West nach Ost auf Skiern gequert. Los geht es im März 2018 in Menton, Frankreich. Im April 2021 kommen sie in Triest, Italien, an. Vier Jahre lang in jedem Spätwinter schnallten Tesson und seine Begleiter die Skier an und bewältigten ca. 1600 Kilometer durch die Berge.

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Katrine Engberg: Glutspur

Fast bis zum Ende laufen drei Erzählstränge in KatrineEngbergs neuem Krimi um Privatermittlerin Liv Jensen parallel. Klar, dass es zwischen den drei Fällen, um die es geht, Schnittstellen geben muss, aber nicht nur Liv muss lange recherchieren, bis sie die Verbindungen sieht, auch als Leser sieht man lange nicht, was die Fälle um den Mord an einem Journalisten, den Selbstmord eines Häftlings und den Mord an einer Museumsmitarbeiterin verbindet.

Zwischen den einzelnen Fällen liegen Jahre, die Opfer kannten sich nicht und haben offensichtlich auch keinerlei Gemeinsamkeiten. Auch warum Liv nun wirklich den Polizeidienst quittiert hat und jetzt als Privatermittlerin arbeiten will, wird nicht ganz klar. So ganz hat sie die Verbindungen zum alten Job allerdings noch nicht gekappt, noch laufen die Geschäfte als Selbstständige nicht so gut. Als ihr alter Freund und Kollege Petter sie also bittet, einen alten Fall wieder aufzurollen, um vielleicht doch noch neue Fakten und Ergebnisse aufzudecken, denkt Liv nicht lange nach.

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