Paul Auster, Spencer Ostrander: Bloodbath Nation

Mit diesem Text prangert Paul Auster die Verherrlichung des Waffenkultes seiner Heimat, den Vereinigten Staaten an. Er geht der Frage nach, warum der Umgang mit Waffen bei den Amerikanern einen so selbstverständlichen und hohen Stellenwert hat und wie es dazu gekommen ist.

Eingangs beleuchtet er seine eigene Kindheit und einen dunklen Punkt in der eigenen Familiengeschichte. In der Kindheit Austers war sein Umgang mit einer Spielzeugpistole normal. Das Fernsehen lieferte Ideen zu eigenen Spielfantasien mit der Waffe, denn alle Helden, denen er, wie die meisten anderen der kleinen Jungen nacheiferte, waren bewaffnet. Später, in einem Feriencamp in New Hampshire hat Auster selbst großen Spaß samt Erfolgserlebnissen im Umgang mit der Waffe erlebt. Doch eine weitere Inspiration durch die Eltern blieb aus. Dort, wo er aufwuchs, ging man weder auf die Jagd, noch erwartete irgendjemand von ihm, dass er Gefallen daran fand, auf Tiere, Schießscheiben oder Tontauben zu schießen.

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Oliver Vogel et.al.(HG): Worte in finsteren Zeiten

Die Sammlung „Worte in finsteren Zeiten“ ist im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine und den Überfall der Hamas auf Israel entstanden.

Vielen Menschen fehlt die Zuversicht in einer sich gewandelten, unberechenbarer gewordenen Zeit gegen Terror und Gewalt. Die vier Herausgeber dieses Buches wollen mit hoffnungsvollen Texten Licht in eine dunkler gewordene Welt bringen.

Kann Literatur Mut machen und Halt geben?

Viele Autor:Innen und Personen des öffentlichen Lebens haben sich dieser Aufgabe gestellt und nach entsprechenden Gedichten, Romanauszügen, Interviews, Briefen, Notizen, Tagebucheinträgen gesucht, die zur Entstehung dieses Buch innerhalb nur einer Woche beigetragen haben.

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Hilde Rød-Larsen: Diamantnächte

Diamantnächte“ ist in Norwegen zum Bestseller avanciert.

Hilde Rød-Larsen bedient sich in diesem Roman verschiedener Erzählperspektiven.

Schreibend nähert sich die Protagonistin Agnete ihrer Vergangenheit an. Es ist an der Zeit, dass sie alles notiert, um endlich Klarheit über sich selbst zu bekommen. Bereits während der ersten Sätze wird klar, dass die Geschichte problembehaftet werden wird.

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Jon Fosse: Das ist Alise

Jon Fosse ist der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2023.
Im Jahr 2003 erschien im Mare Verlag Jon Fosses Novelle „Das ist Alise“ zum ersten Mal in deutscher Ausgabe. Im Vorfeld zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Jon Fosse im Dezember 2023 hat der Verlag das Buch nun zwanzig Jahre später neu aufgelegt.

Bei Schreiblust-Leselust ist von Jon Fosse die Rezension „Ein Leuchten“ zu finden.

Die Geschichte, die aus sich immer wiederholenden Erinnerungen besteht, spielt in Norwegen in einem über hundert Jahre alten Haus am Fjord. – Ein archaischer Platz, der auf Ursprüngliches, auf das Elementare des Lebens begrenzt ist.
Die Wände des Hauses atmen die Verzweiflung und die Qualen aus, die sich hier über Generationen hinweg immer wieder mit einem sich ähnelnden schrecklichen Ereignis abgespielt hat.

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Ilona Jerger: Lorenz

Die Autorin Ilona Jerger hat Germanistik und Politologie studiert. Im Schreiblust-Leselust-Portal wurde auch ihr vorangegangener, 2017 erschienener  Roman Und Marx stand still in Darwins Garten rezensiert.

Ilona Jergers aktuelles Buch „Lorenz“ handelt vom Tierpsychologen und Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Die Autorin selbst schlüpft als Ich-Erzählerin in die Rolle einer Ornithologin, die ergänzend am biografischen Inhalt mitwirkt. Wie Ilona Jerger selbst beschreibt, lebt ihr Roman in einer Zwischenwelt, in der sie die biografischen und historischen Fakten gemäß ihrer künstlerischen Freiheit literarisch ergänzt.
So lernt man den Verhaltensforscher Lorenz, der seine Tierbeobachtungen bereits in der Kindheit und Jugend begonnen hat, von Seite zu Seite besser kennen:

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Jon Fosse: Ein Leuchten

Ein Leuchten ist der neueste Roman des Literaturnobelpreisträgers 2023 Jon Fosse. Auch diesmal bleibt Jon Fosse dem für ihn typisch knappen, ohne Ausschmückung auskommenden, dafür um so eindringlicherem Schreibstil treu.

Was dem Protagonisten in „Ein Leuchten widerfährt, beziehungsweise, in welche Gefahr er sich in dieser Geschichte hineinkatapultiert, ähnelt den Nahtodbeschreibungen, die man vielleicht aus verschiedenen Berichten kennt.

Jon Fosse dringt mit den LeserInnen in „Еin Leuchten tief in die Gedankenwelt des Protagonisten ein. Dieser fährt ohne ein Ziel mit seinem Auto einfach los, biegt immer wieder in unterschiedliche Richtungen ab, bis er in einem Waldweg stecken bleibt. Anstatt umzukehren, um auf jemanden, der ihm helfen könnte, zu treffen, wagt er sich immer weiter in den düsteren Wald hinein. Die zunehmende Dunkelheit nimmt ihn gefangen, bald schon hat er den Orientierungssinn verloren. Er konfrontiert sich mit Selbstvorwürfen, reflektiert, was er falsch gemacht und wie er sich besser anders hätte entscheiden sollen.

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Stefan Moster: Bin das noch ich

Der Protagonist Simon aus Stefan Mosters neuem Roman „Bin das noch ich“, ist Berufsmusiker und spielt Violine im Orchester. Er ist froh, dass die Coronazeit überstanden ist. Viele der Musikerkollegen, die mit ihm für die aktuellen Konzerte in Finnland gebucht sind, kennt er von vorhergehenden Auftritten. Dennoch ist diesmal etwas anders.

Simon hat Angst, dass die Finger seiner linken Hand wieder versagen könnten.
Dann passiert, was er befürchtet, aber immer wieder verdrängt hat und holt ihn in voller Härte ein: Er patzt. Vor dem Publikum. Alles, was sein Leben bislang ausgemacht hat, alles, was er verkörpert hat, ist nun durch einen kleinen Defekt zunichtegemacht. Hier stellt Simon sich die existentielle Frage: Bin das noch ich?

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Charlotte Wood: Tage mit mir

Den Namen der Autorin Charlotte Wood kennt man vielleicht noch von ihrem vorangegangenen, ebenfalls hier besprochenen Roman Ein Wochenende.  Die Handlung um die Freundschaft dreier über siebzigjähriger Frauen, die sich nach dem Tod der vierten Freundin im Bunde in deren Wochenendhaus treffen, enthüllt einige verblüffende Wahrheiten und Parallelen, in denen sich so manche LeserInnen wiedergefunden haben.

Charlotte Woods neuer Roman „Tage mit mir“ wurde also bereits mit Spannung erwartet. – Um es gleich und kurz vorwegzunehmen: „Tage mit mir“ ist gänzlich anders aufgebaut als sein Vorgängerroman. Das neue Buch von Charlotte Wood liest sich wesentlich nüchterner und unaufgeregter und trifft deshalb vielleicht die eine oder andere  Erwartungshaltung nicht ganz:

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Ia Genberg: Die Details

Für „Die Details“ erhielt Ia Genberg den Augustpreis, einen in ihrem Heimatland Schweden bedeutenden Literaturpreis.

Die Autorin zeigt in diesem Roman durch ihre Protagonistin auf, wie wir durch andere Menschen beeinflusst werden, wie wir uns auf andere Personen einstellen, wie wir uns in der Zeit, die wir mit anderen verbringen, durch neue Einflüsse verändern können. Im Handlungsablauf wird deutlich, dass es eben nicht nur die großen, einschneidenden Erlebnisse sind, die unser Leben ausmachen und  prägen, sondern vielfach die Details.

Ia Genbergs namenlose Protagonistin ist bisexuell, was aber eher eine untergeordnete Rolle spielt. Von Malaria geplagt, liegt sie mit Fieberschüben ins Bett gefesselt und hat alle Zeit, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Sie beschäftigt sich mit den Menschen, mit denen sie in großer Liebe verbunden war. Sich zu verlieben kommt einer Tätowierung gleich, konstatiert sie in diesem Zusammenhang über ihre Empathie.

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Tim Parks: Hotel Milano

In seinem jüngsten Roman „Hotel Milano“ greift Tim Parks die Lebensumstände während des Corona-Lockdowns auf. Plötzlich befindet man sich wieder mitten in jener Atmosphäre mit Ausgangssperren, Masken, Handgel, Kontrollen, geschlossenen Restaurants, ausverkauften Läden, leeren Straßen. 

Der Protagonist Frank Marriot scheint den Ernst der Corona-Situation nicht realisiert zu haben. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Sicherheitsvorkehrungen und Verbote zu verschärfen drohen, fliegt er ins Zentrum der Epidemie nach Mailand. Dort will er an der Beerdigung seines einstigen Freundes und Verlegers Dan Sandow teilnehmen.

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