Agri Ismaïl: Der Wert der Welt

Der Debütroman „Der Wert der Welt“ von Agri Ismaïl beleuchtet die Herausforderungen einer kurdischen Familie im Exil. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen der einzelnen Familienmitglieder zum Geld und die Frage, wie finanzielle Interessen ihr Leben beeinflussen.

Agri Ismaïl, in Kurdistan geboren und heute in Stockholm lebend, bringt seine Erfahrungen als Unternehmensanwalt in die Erzählung ein. Die zentrale Familie des Romans besteht aus:

  • Vater Rafiq, einem Gründer einer kommunistischen Partei in Kurdistan,
  • Mutter Xezal, die unter den ständigen Ortswechseln leidet,
  • Tochter Siver, die als alleinerziehende Mutter nach Dubai zieht,
  • Sohn Mohammed, der in der gnadenlosen Finanzbranche Karriere machen möchte, und
  • Sohn Laika, der sich als Hacker gegen die Banken der Wall Street stellt.
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Heinz Strunk: Zauberberg 2

Vor 100 Jahren ist Thomas Manns „Zauberberg“ erschienen, jener Monumentalroman, der in einem Lungensanatorium in der Schweizer Bergwelt spielt. Autor Heinz Strunk („Der Goldene Handschuh“, „Ein Sommer in Niendorf“) nimmt das zum Anlass, seine eigene Version der Geschichte zu schreiben.

Jonas Heidbrink, der unter Depressionen leidet, begibt sich in eine Heilanstalt für psychisch Kranke an der Ostsee. Wie beim legendären Hans Castorp aus dem Original dehnt sich sein Aufenthalt dort aus.

Strunk spielt gekonnt mit den Motiven aus dem Ur-Zauberberg. Ein Philosoph, der hier aber nur unzusammenhängende Weisheiten von sich gibt, kommt genauso vor wie das berühmte Türenschlagen im Speisesaal, das eine so große Wirkung auf Hans Castorp hat.

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Hannes Finkbeiner: Einer geht noch

Ein origineller, sehr lesenswerter Familienroman kommt von dem 1977 geborenen Journalisten Hannes Finkbeiner aus Hannover. In „Einer geht noch“ steht die Lebensgeschichte des 93-jährigen Fidus im Mittelpunkt, der gleich drei Nahtoderfahrungen verkraften muss – die erste als 15-Jähriger auf der Flucht vor den Nazis, die ihn kurz vor Kriegsende als Soldat an die Front schicken wollen.

Fidus schildert seine Erlebnisse nach und nach seinem Enkel Alo, aus dessen Sicht der Roman geschrieben ist. Weil einige von Opas Erzählungen fraglich erscheinen, besonders ein Ereignis in einem Löwenkäfig in Barcelona, stellt Alo Nachforschungen an …

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Joachim Meyerhoff: Man kann auch in die Höhe fallen

Der schreibende Schauspieler Joachim Meyerhoff feiert mit seiner autobiografischen „Alle-Toten-fliegen-hoch“-Reihe große Erfolge. Die Bücher wirken authentisch und ehrlich. Dem heute 57-Jährigen gelingt es, auch traurige und ernste Inhalte so darzustellen, dass sie immer auch viel Humor in sich tragen.

Sein neuestes Werk mit dem etwas sonderbaren Titel „Man kann auch in die Höhe fallen“ macht da keine Ausnahme. Meyerhoff berichtet diesmal über eine Auszeit auf dem Anwesen seiner Mutter im ländlichen Schleswig. Dorthin flieht der Ich-Erzähler nach einer mentalen Krise in Berlin, in der er die Schauspielerei in Frage stellt und in Konflikte mit seiner Familie gerät.

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Richard Powers: Das große Spiel

Mit „Das große Spiel“ legt der US-amerikanische Schriftsteller Richard Powers („Der Klang der Zeit“) einen äußerst vielschichtigen Roman vor, der sich nicht auf ein Thema oder auf ein Genre festlegen lässt. Es geht um die Schönheit der Meere und um ihre Verschmutzung, um die Anfänge von Künstlicher Intelligenz, um lebenslange Freundschaften, um den Klimawandel, um das Spiel Go und einiges mehr.

Einer der Erzählstränge handelt von zwei Kindheitsfreunden, die unterschiedliche Wege einschlagen, ein anderer von einer Ozeanographin, die sich unter Wasser wohler fühlt als an Land. Dr. Sylvia Earle, eine real existierende Meeresforscherin, stand dafür Pate, wie der 1957 geborene Autor in den Danksagungen verrät.

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Christina Henry: Das flüsternde Haus

Die US-amerikanische Autorin Christina Henry ist bekannt für ihre dunklen Märchen-Adaptionen aus „Peter Pan“, „Rotkäppchen“, „Rapunzel“ oder „Alice im Wunderland“.

Nun schickt sie ihre Protagonistin Harry in ein Spukhaus. Es gehört dem berühmten Horrorfilm-Regisseur Javier Castello, der allerlei Requisiten aus seinen alten Filmen sammelt. Harry arbeitet dort als Putzhilfe. Schon bald beginnt eines der dort ausgestellten Kostüme ein Eigenleben zu führen …

„Das flüsternde Haus“ – so heißt dieser Gespenster-Roman – beginnt als durchaus interessante flockig-leichte Unterhaltung, die sich leicht runterlesen lässt, weist aber im weiteren Verlauf deutliche Längen auf.

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David Wagner: Verkin

David Wagners Roman „Verkin“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Türkei und das bewegte Leben der titelgebenden Protagonistin. Verkin, eine armenische Türkin in ihren Siebzigern, berichtet dem Erzähler – einem Berliner Schriftsteller – von ihrer außergewöhnlichen Vergangenheit. Die Erzählung erstreckt sich von ihrer Kindheit am Bosporus über die dramatischen Ereignisse des armenischen Genozids, den ihr Vater überlebte, bis hin zu ihrem glamourösen Leben in internationalen Künstlerkreisen und ihrer politischen Tätigkeit in der Türkei. Allerdings kommen auch westliche Themen vor, denn Verkin hat lange in Deutschland gelebt und hatte zwei deutsche Männer.

​Das alles erfährt der Ich-Erzähler aus zeitlich zum Teil weit auseinanderliegenden Gesprächen mit Verkin, wobei Wagner im Vagen lässt, ob ihre Erzählungen der Wahrheit entsprechen oder ausgedacht sind. Dieses Romankonstrukt hat zur Folge, dass es keinen durchgängigen Plot gibt. Der Text wirkt wie eine manchmal etwas willkürliche Aneinanderreihung von Anekdoten und Erinnerungen, die teilweise jeweils nur schlaglichtartig beleuchtet werden, um dann zum nächsten Thema zu springen.

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J. Courtney Sullivan: Die Frauen von Maine

Ein altes Haus an einer Klippe über dem Meer ist Dreh- und Angelpunkt in J. Courtney Sullivans Roman „Die Frauen von Maine“. In dem vielschichtigen Roman geht es um verschiedene Frauenfiguren, die über die Jahrzehnte und Jahrhunderte in diesem Haus gelebt haben.

Die Geschichte der indigenen Ureinwohner in Maine ist genauso Thema wie die komplizierten Bande zur Familie, die Spiritualität, der Feminismus oder auch die Alkoholsucht.

Hauptfigur Jane Flanagan fühlt sich von klein auf zu jenem verwunschenen Haus hingezogen, das oft leer steht. Nach einem persönlichen und beruflichen Tiefpunkt kehrt sie später in ihre Heimatstadt zurück. Hier wird sie von Genevieve, der neuen Besitzerin des geheimnisvollen Hauses, gebeten, dessen Geschichte zu erforschen.

Während Jane tiefer in die Vergangenheit eintaucht, entdeckt sie die Geschichten der Frauen, die vorher dort gelebt haben, und erkennt, wie eng ihre eigenen Erfahrungen mit ihnen verwoben sind. Weiterlesen

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Iida Turpeinen: Das Wesen des Lebens

Iida Turpeinens Roman „Das Wesen des Lebens“ ist ein wissenschaftlich fundiertes Werk, das historische Ereignisse aus verschiedenen Jahren miteinander verbindet. Bindeglied ist die Stellersche Seekuh, ein riesenhaftes Meerestier, das 1741 entdeckt worden war, aber schon ein paar Jahre später als ausgestorben galt. Der Roman beginnt 1741 mit der Großen Nordischen Expedition, angeführt von Georg Wilhelm Steller, und endet 1952 mit der Restaurierung eines Seekuh-Skeletts in Helsinki.
Die wissenschaftliche Präzision des Buches ist unbestreitbar. Turpeinen lässt den Leser in die Welt der Naturforscher eintauchen und vermittelt anschaulich die Bedeutung ihrer Entdeckungen.

Allerdings wirken die Protagonisten zuweilen etwas spröde und distanziert. Obwohl die Geschichten von Steller, Furuhjelm, von Nordmann und Grönvall faszinierend sind, gelingt es Turpeinen nicht vollständig, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Als Leser bleibt man emotional auf Distanz und kommt den Charakteren nicht wirklich nahe. Diese Distanz könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Fokus stark auf den wissenschaftlichen Aspekten liegt und die persönlichen Geschichten und Emotionen der Protagonisten dadurch in den Hintergrund geraten.

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Amor Towles: Eve

Der 1964 geborene US-amerikanische Autor Amor Towles wechselt in seinem Roman „Eve“ gekonnt zwischen den Genres. Anfangs als Gesellschaftssatire konzipiert, verwandelt sich die Geschichte später in einen rasanten Thriller. Das sorgt für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis. Towles‘ Schreibstil ist dabei stets gekonnt, unterhaltsam und flüssig.

Besonders faszinierend ist die authentische Atmosphäre des Hollywoods der 30er-Jahre, in die Towles seine Leser entführt. Man spürt förmlich den Glamour und die Aufregung jener Zeit, als Filme wie „Vom Winde verweht“ gedreht wurden und die Studios um die besten Schauspielerinnen wetteiferten. Diese lebendige Darstellung dürfte den Roman zu einem Genuss für Liebhaber historischer Settings machen.

Die Titelfigur Eve ist eine bemerkenswerte Frau, die die Männerwelt von Hollywood gleichermaßen fasziniert wie geschickt austrickst. Dieser Charakterzug steht im schönen Kontrast zu den sonst gängigen Rollenbildern der Frau in dieser Zeit und an diesem Ort. Eve ist eine starke, kluge und manipulative Figur, die sich nicht den Konventionen unterwirft. Weiterlesen

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