Walter Moers: Qwert

Mit „Qwert“ legt Walter Moers einen Roman vor, der sich zugleich wie eine Reminiszenz und ein Aufbruch zu neuen Ufern liest. Sein Gallertprinz Qwert Zuiopü – ein altbekannter Nebencharakter aus den Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär – stürzt durch ein Dimensionsloch und erwacht in Orméa, einer Welt, die an einen überdrehten, klassisch anmutenden Ritterroman erinnert. Dort steckt er im Körper des ein klein wenig chaotischen Heftchenhelden Prinz Kaltbluth, wird mit einem unsichtbaren Degen und einem heldenhaften Ruf ausgestattet – und soll prompt ausgerechnet die Kreatur besiegen, in die er sich verliebt hat. Bei der Holden handelt es sich um niemand Geringeren als die Janusmeduse Jadusa.

Dieser Konflikt zwischen dem, was man in seiner Rolle von ihm erwartet, und seiner überbrodelnden Gefühlswelt treibt die Handlung an und verwandelt den klassischen Questenplot in ein rasantes, ironisches und jederzeit überraschendes Spiel, das mit ernsten Themen wie der Frage nach Identität, Pflicht und Begehren kunstvoll verknüpft ist.

Auf seinem Weg durch Orméa trifft Qwert unter anderem auf typisch moers’sche Figuren – rostige Gnome, Ritter aus Holz, Glas und Diamant, ein Reitwürmchen und einen Helfer namens Oyo Pagenherz, der unschwer als Reminiszenz an die Sancho-Pansa-Rolle erkennbar ist. Die Welt selbst ist – wie wir das vom Meister des Wortes kennen und schätzen – ein besonderer Ort, in dem universelle Regeln ausgesetzt sind. Die dem Text beigegebenen über siebzig Illustrationen aus des Meisters Hand greifen die Absonderlichkeiten und Einfälle stimmig auf und verschaffen dem Roman so eine zweite Erlebnisebene.

Dass das Manuskript jahrzehntelang auf seine Veröffentlichung wartete, hat es wie eine Flasche guten Weines reifen und immer besser werden lassen. Uns erwarten die erhofften Stärken des Verfassers, nämlich wunderbarer Wortwitz, jede Menge Tempo, ein überquellender Ideenreichtum und jederzeit neue, nicht vorhersehbare Entwicklungen. Moers für Neueinsteiger und alte Fans gleichermaßen.

Es ist ein Roman, dem man anmerkt, wie viel Spaß dem Verfasser das Schreiben gemacht hat, wie viel Begeisterung und Herzblut eingeflossen sind. Hier beweist Walter Moers erneut, dass er wie kein Zweiter fähig ist, Chaos und Ironie zu einem wunderbaren Leseerlebnis zu vereinen und uns ein paar Stunden großartige Unterhaltung zu schenken.

Walter Moers: Qwert
Penguin Verlag, Oktober 2025
582 Seiten, gebundene Ausgabe, Euro 42,00

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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