Marc-Uwe und das Känguru rebellieren. Gegen die Zustände. Ihr Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich von der Rebellion zu überzeugen, und dabei werden sie ziemlich kreativ. So kreativ, dass sogar ein CDU-Politiker mitmacht. Und die Frau an der Kasse. Herta aus der Eckkneipe widmet der Mission sogar einen ganzen Podcast. Es geht um die Klimakrise, um Steuerhinterziehung der Superreichen, um Tech-Monopole und rechtsradikale Tendenzen in der Gesellschaft. Vielleicht willst du ja auch mitmachen?
Dieses Buch lässt mich mit Tränen in den Augen zurück: Lachtränen, Tränen über die Zustände der Welt – und ein bisschen leider auch Tränen der Enttäuschung. Gut, abgesehen von den tatsächlich aufgetretenen Lachtränen ist das übertrieben, fasst meine Gefühle zu dem Werk jedoch sehr treffend zusammen.
Das Känguru ist ein nostalgischer Kindheitsheld für mich und sicher auch für viele andere – eine Ausgangslage, aus der faktisch einfach nichts Perfektes mehr entstehen kann, dafür sind die individuellen Erwartungen viel zu unterschiedlich, und es wird keinem Autor gelingen, Millennials und Gen Z gleichermaßen glücklich zu machen, die sich in ganz andere Richtungen entwickelt haben.
Doch nostalgische Erinnerungen sind nicht der Grund, warum mich Marc-Uwe Klings neues Buch so zwiegespalten zurücklässt. Der „Känguru-Rebellion“ fehlt einfach oft der feinfühlige Witz, der welterklärende Zynismus, den wir schätzen und lieben gelernt haben. Statt in Komik verpackt werden die Fakten über die Probleme der Welt oft heruntergerattert – und zwar größtenteils Fakten, bei denen ich davon ausgehen würde, dass das Zielpublikum bereits mit ihnen vertraut ist und dass diejenigen, die es nicht sind, nicht nach diesem Buch greifen werden. Und nun ist es zwar schön, seine politische Meinung widergespiegelt zu sehen, aber eine gute Meinung reicht nicht, um ein Buch zu einem guten Buch zu machen.
Marc-Uwe Kling ist wütend und fassungslos über die Zustände, und das zu Recht. Mit einem halben Jahr mehr Überarbeitungszeit hätte die „Känguru-Rebellion“ zu einem genialen Werk werden können, das aufrüttelt und den Weltschmerz zu zynischer Medizin verarbeitet. So aber wiederholen sich teilweise zu trocken aufbereitete Themen und überschatten die anderen, wirklich genialen Stellen.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich nicht Tränen gelacht und die Nachbarn um halb eins aus dem Schlaf gerissen habe. Ich habe mit meiner Mitbewohnerin über die Inhalte diskutiert, die uns am meisten schockiert haben, ich wurde zum Nachdenken angeregt, und ich habe mich unglaublich wohl dabei gefühlt, wieder bei altbekannten Charakteren vorbeizuschauen. Ich möchte mit meiner Kritik niemanden abhalten, das Buch ebenfalls zu lesen, die guten Stellen sind wie gesagt wirklich genial. Es sollte einem nur bewusst sein, dass dies eine direkte Ansage an die aktuellen Zustände ist und weniger zeitloser Politik-Zynismus, wie wir ihn in den „Känguru-Chroniken“ kennengelernt haben.
Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
Ullstein, März 2026
288 Seiten, Taschenbuch, 14,99 €
Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.
