Die Business Class ist wieder in Aktion! In diesen 44 höchst amüsanten Geschichten treten die Krawattenträger ständig anderen auf den Schlips – und selbst von einem Fettnäpfchen ins andere. Nach dem Motto „knapp vorbei ist auch daneben“ nutzt die beste Planung nichts, wenn missinterpretierte Genderfragen, mangelndes digitales Know-how oder schonungslos ehrliche Sprösslinge die eigene Karriereleiter auf der letzten Sprosse absägen. Charmant, pointiert und wunderbar bissig zeigt sich Martin Suter mal wieder in Bestform!
Unerwünschte Einblicke beim Zoom-Meeting
Nadelstreifennieten im Krisenmodus: Das Homeoffice stellt sie vor neue Herausforderungen. Da wird extra die Wohnung vor jedem Zoom-Call umdekoriert, möglichst neutral, ohne verräterische Bücher und Bilder, die negative Rückschlüsse auf den Charakter zulassen könnten. Es folgen Spekulationen über die passende Garderobe, während manche bereits an den Tücken der geteilten Bildschirmansicht scheitern. Und plötzlich mehr von sich preisgeben, als ihnen lieb ist.
Wertschätzung ist nicht umsonst zu haben!
Ein Teil der Geschichten spielt während der Coronazeit, ein Teil davon nimmt die ganz normalen Tücken des Businessalltags auf die Schippe. Konkurrenzgerangel um die Beförderung, ein Chef im Rentenalter, der nicht abtreten will und ständig neue Gründe dafür findet, warum niemand sein Nachfolger werden kann. Probleme mit Familien, die mit der Work-Life-Balance des „Familienoberhauptes“ unzufrieden sind, weil er entweder zu viel oder zu wenig zu Hause ist. Es geht um Wertschätzungsseminare und um Frauen, die mühelos beruflich an Männern vorbeiziehen, weil diesen die nötigen Soft Skills fehlen. Außerdem um E-Scooter und Kantinen, um verpasste Anrufe um Mitternacht und Hierarchiestrategien, die als klassisches Eigentor enden.
Treffsichere Pointen, überraschende Wendungen
Das Besondere an Martin Suters Business Class Geschichten sind neben den köstlichen Dialogen und seiner Wortwahl vor allem seine hervorragenden Pointen. Die schleichen sich so smart und elegant in Alltagssituationen ein, dass wir LeserInnen das dicke Ende nicht kommen sehen, ebenso wenig wie die Protagonisten selbst. Bereits in „Abschalten: Die Business Class macht Ferien“ hat Suter gezeigt, dass selbst in friedlichsten Situationen wie dem Urlaub ein Cliffhanger lauern kann, der nahtlos zur Nichtbeförderung (oder gar dem Jobverlust) führen kann. Die rund 3 bis 5 Seiten langen Geschichten des Schweizer Autors sind in einem Atemzug verschlungen und viel zu schnell zu Ende. Einfach köstlich!
Martin Suter: Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice.
Diogenes, Februar 2026.
208 Seiten, gebundene Ausgabe, 26,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.
