Als einzige Bewohnerin des Schlosses ist Kaelith dem Fluch der Herrin der Rosen und Dornen entgangen. Als sich vor sieben Jahren die undurchdringliche Dornenhecke über das Schloss erhob, befand sie sich im Dorf – und lebt dort noch immer, denn wo soll sie hin, wenn alle, die sie liebt, unter der Hecke schlafen?
Als zwei Feenwesen ihr erklären, sie sei die Einzige, die die Herrin der Rosen und Dornen herausfordern und den Fluch brechen könne, macht sie sich auf den Weg ins Feenreich. Auf der Reise begleiten sie Thorn, der Magier (der aber viel zu jung und gutaussehend für einen Magier ist, wie Kaelith findet), und Rufus, dessen Werkaninchen. Die Hilfe wird dringend benötigt, denn Menschen ist es untersagt, sich in den Wald der Feen zu begeben, und seine Königin ist alles andere als erfreut darüber, von Kaelith herausgefordert zu werden …
Nach „Schattengold“ und „Brunnengeister“ ist „Feenfluch“ nun die dritte Märchenadaption des Autors – und bei weitem die beste! Die Neuerzählung schafft es, die Beweggründe jeder Figur feinfühlig darzulegen, sodass eine Unterscheidung zwischen Gut und Böse nicht stattfinden kann; gleichzeitig ist die Geschichte aber auch etwas ganz Eigenes und wird zum eigenen Märchen. Zudem folgen wir Kaelith auf eine rasante Reise voller Prüfungen, bei denen einem beim Lesen schon einmal der Atem stocken kann.
Magie und Spannung gehen Hand in Hand in einer magischen Welt, die auf den Buchseiten zu atmen scheint. Wer Sorge hat, sich in einer der immer gleichen Märchenadaptionen wiederzufinden, der sei beruhigt: Feenfluch hat seine ganz eigene Handlung, eigene Welt und eigene Ästhetik. Die Stränge der Erzählung sind beeindruckend miteinander verwebt, und einzelne Enden verbinden sich an Stellen, wo man nicht damit gerechnet hätte.
Märchenliebhaber, die erwachsen geworden sind, sollten nach diesem Buch greifen!
Christian Handel: Feenfluch
Piper, Oktober 2025
383 Seiten, gebundene Ausgabe, 20,00 €
Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.
