Elizabeth Strout: Erzähl mir alles

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Strout (Jahrgang 1956) erhielt 2009 den Pulitzer Prize for Fiction für ihren Roman „Olive Kitteridge“. Am 18. März 2026 erschien ihr neuer Roman mit dem Titel „Erzähl mir alles“ im Luchterhand Literaturverlag. Sabine Roth übersetzte ihn ins Deutsche.

Crosby in Maine forever

Elizabeth Strout führt uns in „Erzähl mir alles“ wieder nach Maine in den fiktiven Ort Crosby. Die Schriftstellerin Lucy Barton ist mit ihrem Ex-Mann William hierher zurückgekehrt. Nun unternimmt sie lange Spaziergänge mit dem Anwalt Robert (Bob) Burgess, auf denen sie sich über „das Leben“ unterhalten. Außerdem besucht sie die inzwischen 90-jährige Olive Kitteridge im Seniorenheim, wobei sie sich gegenseitig Geschichten erzählen.

Dann verschwindet die alte Gloria (Bitch-Ball) Beach und wird später tot aufgefunden. Ihr Sohn Matthew gerät in Verdacht und Bob Burgess übernimmt seine Verteidigung.

Bob ist mit der Pastorin Margaret verheiratet, jedoch heimlich in Lucy Barton verliebt. Und dann ist da noch Pam, Bobs Ex-Frau, mit Alkoholproblemen. Als Helen, die Frau seines Bruders Jim stirbt, kommen sich die Brüder nach dem tragischen Vorfall in ihrer Kindheit wieder näher.

So nehmen die Dinge in Crosby ihren Lauf und am Ende kann Bob den Mordfall aufklären und seine Ehe retten.

„Olive Kitteridge“ ist das Maß allen Schreibens

Elizabeth Strout erzählt in „Erzähl mir alles“ in gewohntem Stil die Geschichten ihrer Figuren, die die Lesenden ihrer Bücher beinahe schon als alte Freunde betrachten können und so lesen wir zu Beginn:

„Das ist die Geschichte von Bob Burgess, der in der Stadt Crosby im Bundesstaat Maine lebt, ein großer, schwerfälliger Mann, und zu der Zeit, um die es uns geht, ist er fünfundsechzig Jahre alt.“ (S. 9)

Und selbst als Neunzigjährige muss Olive Kitteridge noch ihren rauen Charme versprühen. Das tut sie gewohnt bissig, aber inzwischen auch schon sehr altersmilde. In Ermangelung neuer Charaktere und neuer Schauplätze in dem Roman kann sie einem richtig leidtun, wieder ins erzählerische Rampenlicht gezogen zu werden. Und bei mir entsteht beinahe der Eindruck, als ob sie dem Buch die nötigen Verkaufszahlen verschaffen soll. Denn wie schon in „Die Unvollkommenheit der Liebe“ aus dem Jahr 2016 bleibt Lucy Barton in diesem Buch als Co-Protagonistin blass. Strouts Protagonist Bob Burgess erhält den anrührenden Part in der Geschichte und kann Sympathiepunkte sammeln, aber auch diese Figur bleibt hinter meinen Erwartungen als Lesende zurück. Bob Burgess hat einfach nur „ein großes Herz“.

Mein Maßstab für das literarische Schaffen von Elizabeth Strout ist und bleibt „Mit Blick aufs Meer“ (Originaltitel „Olive Kitteridge“) und dem wird sie leider mit diesem Roman nicht gerecht.

„Erzähl mir alles“ von Elizabeth Strout hätte es gut getan, wenn weniger, dafür aber spannender, interessanter oder humorvoller von ihren Figuren erzählt werden würde, statt „alles“. Das gilt insbesondere für die banalen Geschichten, die sich Lucy Barton und Olive Kitteridge erzählen. Schade!

Elizabeth Strout: Erzähl mir alles.
Deutsch von Sabine Roth.
Luchterhand Literaturverlag, 18. März 2026.                                                                                            Hardcover, 400 S., 25,- Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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