Garrett Carr: Der Junge aus dem Meer

Garrett Carrs Debütroman „Der Junge aus dem Meer“ spielt in einer kleinen irischen Küstengemeinde. Die Geschichte beginnt mit der Entdeckung eines Babys am Strand, das von dem örtlichen Fischer Ambrose und seiner Frau Christine adoptiert wird. Sie nennen den Jungen Brendan.

Der Roman beleuchtet Brendans Einfluss, den er auf seine Adoptivfamilie und das Dorf hat. Carr gelingt es meisterhaft, die Komplexität familiärer Beziehungen darzustellen, insbesondere die Rivalität zwischen Brendan und seinem „Bruder“ Declan, dem leiblichen Sohn der Adoptiveltern.​

„Der Junge aus dem Meer“ ist ein warmherziger Roman (nicht nur) für Irland-Fans. Wir folgen Brendan und seiner Familie über viele Jahre hinweg und teilen ihre Sorgen. Das Leben für die Fischersfamilie ist hart: Sie haben ständig Geldsorgen und müssen sich mit einer nicht immer wohlgesonnenen Verwandtschaft auseinandersetzen. Eindrucksvoll beschrieben sind die Fischfangfahrten auf hoher See.

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Colum McCann: Twist

Colum McCanns neuer Roman „Twist“ beschäftigt sich mit der Reparatur von Unterwasserkabeln, die weltweit Internetdienste bereitstellen. Die Geschichte spielt auf einem Reparaturschiff, der „Georges Lecointe“, das durch die Tiefsee kreuzt, um beschädigte Kabel zu reparieren. Der Journalist Fennell ist an Bord, um eine Reportage über Kommunikation und ihre Störungen zu schreiben, was ihn in einen Konflikt mit dem wortkargen Missionschef John Conway verwickelt.

Die Passagen über Unterwasserkabel und ihre Reparatur sind faszinierend. McCann beschreibt das Leben auf einem Schiff und die Herausforderungen der Tiefseekabelreparatur mit großer Detailtreue.
Allerdings bieten die psychisch labilen Charaktere wenig Identifikationspotenzial. Conways Motivationen für sein widersprüchliches Handeln sind ebenso wenig nachvollziehbar wie die Besessenheit des Ich-Erzählers von ihm. Auch die Beziehung Conways zu seiner Partnerin Zanele, einer aufstrebenden Schauspielerin, bleibt mysteriös und unvollständig entwickelt.

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Willi Achten: Die Einmaligkeit des Lebens

Der deutsche Schriftsteller Willi Achten, geboren 1958, hat mit „Die Einmaligkeit des Lebens“ einen Roman geschaffen, der sich intensiv mit den Themen Nähe, Ohnmacht und dem Abschied beschäftigt. Die Geschichte dreht sich um die Brüder Simon und Vinzenz, deren lebenslange Bindung durch eine Vielzahl von Erinnerungen geprägt ist.

Geschickt eingeflochtene Rückblenden lassen bestimmte vergangene Momente lebendig werden, die die Beziehung der Brüder geprägt haben. Die Episode aus der Osterwoche 1988, in der Simon in einem Akt der Rebellion den Judas von einem berühmten Schnitzaltar reißt, ist dabei besonders eindrücklich. Diese Szene illustriert nicht nur die jugendliche Impulsivität Simons, sondern auch die schützende Rolle, die Vinzenz für seinen jüngeren Bruder einnimmt.

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Ismail Kadare: Der Anruf

Ismail Kadares Roman „Der Anruf“ behandelt ein Ereignis der stalinistischen Ära, das 1934 in Moskau stattfand: ein kurzes, legendäres Telefongespräch zwischen dem Dichter Boris Pasternak („Doktor Schiwago“) und dem Diktator Josef Stalin. In diesem Gespräch soll Stalin gefragt haben, was Pasternak von seinem Kollegen Ossip Mandelstam halte. Pasternak soll geantwortet haben, dass beide Schriftsteller unterschiedliche politische Ansichten haben. Mandelstam starb einige Zeit später entkräftet und halb verhungert in einem Arbeitslager nahe Wladiwostok. Pasternak quälte sich später mit der Frage, ob er seinen Kollegen hätte retten können. Ismail Kadare (1936-2024) nutzt diese historische Begebenheit, um Überlegungen zum Verhältnis von Macht und Kunst anzustellen.

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Kerri Maniscalso: Capturing the Devil

Kerri Maniscalco liefert mit „Capturing the Devil“ einen fesselnden Abschluss ihrer Audrey-Rose-Reihe. Der historische Thriller entführt die Leser ins Jahr 1893 und bietet eine packende Mischung aus Spannung, Romantik und düsterer Atmosphäre.

Handlung und Setting

Die Geschichte spielt vor der Kulisse der berühmten Weltausstellung in Chicago. Audrey Rose und ihr Verlobter Thomas ermitteln in einer Reihe mysteriöser Morde und Vermisstenanzeigen. Ihre Nachforschungen führen sie auf die Spur des berüchtigten Serienkillers H.H. Holmes und seinem als „Murder Hotel“ bekannten Gebäude.

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Ann Granger: Der tote Antiquar von Limehouse

Ann Grangers Roman „Der tote Antiquar von Limehouse“ ist der neunte Band der beliebten Krimireihe rund um Inspector Benjamin Ross und seine Frau Lizzie. Die Geschichte spielt im viktorianischen London des Jahres 1871 und dreht sich um den mysteriösen Mord an Jacob Jacobus, einem zwielichtigen Antiquar, sowie den Diebstahl eines wertvollen Diamanthalsbandes.

Ein atmosphärischer Krimi im viktorianischen Setting

Die Handlung beginnt mit der Entdeckung der Leiche von Jacob Jacobus in seiner Wohnung in Limehouse, einem belebten Stadtteil Londons. Inspector Ross und Lizzie übernehmen die Ermittlungen und tauchen tief in ein Netz aus Familiengeheimnissen und Intrigen ein. Fans viktorianischer Krimis kommen hier auf ihre Kosten, da typische Elemente wie Kutschfahrten, Teegesellschaften und die altenglische Zurückhaltung eine zentrale Rolle spielen.

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Silvesterspecial 2024

Wie in jedem Jahr gab es auch 2024 wieder Bücher, die uns Rezensentinnen und Rezensenten besonders gut gefielen. Bücher, die aus dem Üblichen hervortreten, weil sie berühren, weil sie unterhalten, weil sie ausgesprochen spannend sind oder sehr witzig, ausnehmend gut geschrieben oder schlicht etwas Besonderes.

Diese Bücher, die uns mehr als andere beeindruckten, sind es, die wir am Ende des Jahres immer noch in guter Erinnerung haben. Aus diesem Grund stellen wir sie im Special zu Silvester noch einmal vor.

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Colum McCann mit Diane Foley: American Mother

In „American Mother“ beleuchtet der preisgekrönte US-amerikanische Schriftsteller Colum McCann gemeinsam mit Diane Foley ein erschütterndes Kapitel der jüngeren Geschichte: die Geiselnahmen durch islamistische Gruppen im Nahen Osten. Im Zentrum des Buches steht die tragische Geschichte des Journalisten James Foley, der 2012 in Syrien von extremistischen Islamisten gefangen genommen und nach zwei Jahren brutaler Folter vor laufender Kamera grausam hingerichtet wurde. Seine Mutter, Diane Foley, verarbeitet in diesem Buch nicht nur ihre unermessliche Trauer, sondern auch ihren Kampf für andere Geiseln und ihre Familien.

James Foley: Ein Leben zwischen Mut und Gefahr

Das Buch zeichnet ein intensives Porträt von James Foley, einem mutigen Journalisten, der bereit war, sein Leben zu riskieren, um die Wahrheit aus Konfliktgebieten zu berichten. Doch es bleibt nicht bei der Erzählung seines Lebens: Diane Foley gewährt Einblicke in ihre eigene Gefühlswelt und beschreibt ihren Weg, mit dem Verlust ihres Sohnes umzugehen. Besonders eindrücklich sind ihre Begegnungen mit dem inhaftierten Geiselnehmer ihres Sohnes, dem sie am Ende sogar die Hand reicht – ein bewegender Akt der Vergebung.

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Kerri Maniscalco: Escaping from Houdini

Die US-amerikanische Bestseller-Autorin Kerri Maniscalco beweist auch in Band 3 ihrer beliebten „Audrey-Rose-Reihe“, wie meisterhaft sie historische Settings und packende Atmosphären erschaffen kann. Nach den düsteren Gassen des viktorianischen Londons in Band 1 und dem unheimlichen Vampir-Schloss in Transsilvanien in Band 2 entführt sie ihre Leser in „Escaping from Houdini“ auf eine spannende Reise über den Atlantik.

Handlung: Spannung auf hoher See

Die Geschichte spielt an Bord des Luxus-Dampfschiffs RMS Etruria, das es tatsächlich gegeben hat. Während der Überfahrt von Liverpool nach New York wird die Reisegesellschaft von einem Zirkusensemble unterhalten, zu dem auch der berühmte Entfesselungskünstler Harry Houdini gehört. Doch als es zu mehreren mysteriösen Morden kommt, müssen die angehenden Gerichtsmediziner Audrey Rose und ihr charmanter Begleiter Thomas Cresswell die Ermittlungen aufnehmen. Kerri Maniscalco verbindet dabei gekonnt historische Elemente mit einem Hauch von Mystery und Crime.

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George Saunders: Die kurze und schreckliche Regentschaft von Phil

Der US-amerikanische Schriftsteller George Saunders, geboren 1958, beweist mit seiner 2005 erschienenen politischen Satire „Die kurze und schreckliche Regentschaft von Phil“ erneut sein literarisches Können. Das Werk, das nach der Trump-Wahl überraschend an Aktualität gewinnt, ist nun in einer Neuauflage erschienen – ergänzt durch ein aktuelles Nachwort des Autors.

Eine surreale Geschichte mit scharfsinniger Gesellschaftskritik

Das nur gut 100 Seiten umfassende Büchlein spielt in einem fiktiven Land namens Innen-Horner. Dieses Land ist so winzig, dass dort nur eine einzige Person Platz findet, während der Rest der Bevölkerung in der „Kurzzeitaufenthaltszone“ des umliegenden Landes Außen-Horner warten muss.

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