Nie mehr das hässliche Entlein sein, nie mehr ausgelacht oder verhöhnt werden – das Studium in Stockholm ist für Sickan eine Flucht aus einer düsteren Kindheit in Åhus, einer Kleinstadt im Süden Schwedens. Sickan, die eigentlich Siv heißt, aber diesen Namen wie auch ihre Vergangenheit in Åhus zurückgelassen hat, möchte sich in Stockholm ein neues Leben aufbauen, ohne die Gespenster der Kindheit.
Sie möchte cool und locker erscheinen und Freundinnen haben, die ebenfalls so sind. Die schlechten Erfahrungen aus der Kindheit haben aber bisher immer dazu geführt, dass sie lieber gar nicht erst aus dem Haus gegangen ist. Die Gespenster bleiben. Sie nähren sich von Sickans zwanghaften Versuchen, das perfekte Bild von sich zu zeichnen, keine Fehler zu machen und alle Fettnäpfchen zu umschiffen.
Der Roman beginnt an dem Tag, an dem sie gemeinsam mit Hanna Mellberg in einen Sturzregen gerät und schließlich in Hannas luxuriöser Wohnung in der Innenstadt landet. Hanna ist eigentlich genau das Gegenteil von dem Idealbild einer Freundin: Sie ist weder locker noch cool, und ihr Kleidungsstil ist schräg bis ungeschickt. Doch mit Hanna öffnen sich neue Räume, sie lernt andere Menschen kennen und kommt unter Leute.
Erstaunt stellt sie fest, dass sie sich wohlfühlt, wenn sie mit Hanna zusammen ist. Und sie erkennt, dass auch Hanna eine Maske trägt.
Jenny Mustards Geschichte begleitet die junge Frau durch Entdeckungen und Enttäuschungen, durch Freundschaft und Liebe und Waghalsigkeiten, ehrgeiziges Studium und ausgelassenes Feiern.
Es gelingt der Autorin, das Lebensgefühl der jungen Protagonistinnen einzufangen, mich als Leserin in verschiedenste Situationen eintauchen zu lassen und dabei gleichermaßen zum Mitfiebern und Staunen zu bringen.
Ich habe diese Geschichte einer Suche nach dem eigenen Ich sehr gern gelesen.
Beste Zeiten
Eichborn, September 2025
320 Seiten, Hardcover, 24,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Jana Jordan.
