Lena Johannson: Aufgeben können die anderen

„Wer aufgibt, hat schon verloren“, dieser Satz wird schon früh zum Leitmotiv der jungen Alice, die als junges Mädchen nicht nur ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt. Alice wächst mit ihren Geschwistern in Nantes auf als Tochter eines gut gestellten Lebensmittelhändlers, schwimmen bringt ihr Joseph bei, mit dem sie bald auch mehr als die Leidenschaft für den Sport teilt. Als Joseph, der auf keinen Fall den Friseursalon der Eltern übernehmen möchte, eine Stelle als kaufmännischer Angestellter in England annimmt, bewirbt auch Alice sich auf eine Stelle als Hauslehrerin. Ihr Englisch ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch recht holprig, die Stelle bekommt sie dennoch. Mit der Familie ist sie viel auf Reisen, lernt andere Länder und Kulturen kennen, ihr Englisch wird makellos und ihre Liebe zum Sport, sei es Schwimmen, Hockey oder Rudern, hilft ihr immer wieder, Kraft zu tanken. In England, wo man um 1900 bereits fortschrittlicher war als in Frankreich, erfährt sie auch, dass Frauen nicht „im Geheimen“ Sport treiben müssen, sondern es durchaus Vereine gibt, die Frauen unterstützen. Dort macht sie erste Bekanntschaft mit dem Feminismus. Mit Joseph kehrt Alice 1907 nach Nantes zurück, aber ihre gemeinsame Zukunft währt nur kurz. Joseph erkrankt schwer und verstirbt wenig später. Alice bleibt nicht in Nantes, alleine möchte sie da nicht mehr leben. Sie übersiedelt nach Paris, wo sie sich sehr intensiv den Belangen des Frauensports widmet. Sie findet Unterstützer, muss aber immer wieder auch gegen Widerstände ankämpfen und Rückschläge hinnehmen.

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Ayla Dade: Like Hearts We Heal

Die leidenschaftliche Eiskunstläuferin Paisley steht vor der größten Herausforderung ihres Lebens: Sie will olympisches Gold gewinnen – und zugleich den Schmerz der Trennung von ihrer großen Liebe Knox überwinden. Am liebsten würde sie nie wieder ein Wort mit ihm wechseln, doch das Schicksal hat andere Pläne. Um ihren Traum von der Gründung eines Sportinternats nach ihrer Karriere zu verwirklichen, muss sie ausgerechnet mit ihm zusammenarbeiten. Trotz des wachsenden Drucks und ihres unerträglichen Liebeskummers nimmt Paisley Knox’ Hilfe an, wohl wissend, dass sich ihr gebrochenes Herz noch immer nach ihm sehnt. Und während sie tagsüber auf eine goldene Zukunft hinarbeitet, hält sie nachts nur eine einzige Frage wach: Wird sie Knox jemals wieder vertrauen können?

Band fünf hat mein Herz gebrochen – dieser Band hier hat es wieder ganz gemacht.

Die Leser werden ein letztes Mal nach Aspen geführt. Genau aus diesem Grund habe ich das Buch mit gemischten Gefühlen beendet: einerseits lachend, andererseits weinend. Ich habe die Charaktere und das unglaubliche Setting im Laufe der Reihe so sehr ins Herz geschlossen, dass ich nicht wollte, dass alles nun zu Ende geht. Dennoch habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und musste mich sofort darauf stürzen, als ich es in den Händen hielt. Dadurch habe ich es leider auch viel zu schnell beendet.

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Ava Reed: Witches of Deadly Sins

Seit Jahrtausenden sind Hexer und Hexen auf der Suche nach der verschollenen Büchse der Pandora. Sollte sie aufgefunden werden, so die landläufige Hoffnung, könnte das daraus entwichene Böse eingefangen werden, die Erde wieder zu einem Refugium des Friedens und des gedeihlichen Miteinanders werden.

Überall auf der Welt suchen die altehrwürdigen Hexenfamilien nach Relikten, Spuren und Hinweisen – seien sie auch noch so diffus.

Sasha stammt aus einer solchen Hexenfamilie, auch wenn sie kein Hexenmal trägt. Sie beherrscht die Kräfte der Erde, des Wassers und des Feuers wie kaum eine andere Hexe. Nach dem Tod ihrer Mutter verließ sie Tante und Großmutter sowie das geliebte Haus in Amsterdam, das ihre Heimat war. Mit diesen ließ sie auch den wenig empathischen Vater und ihre andere, despotische Oma zurück.

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H.G. Wells: Die Zeitmaschine

Inhalt

Der Traum der Menschheit ist es seit jeher, in der Zeit zu reisen. Im späten 19. Jahrhundert gelingt das einem Wissenschaftler: mit einer selbst gebauten Zeitmaschine reist er in das Jahr 802.701. Während seinem Aufenthalt dort erlebt er erstaunliche Dinge. Doch plötzlich ist seine Zeitmaschine verschwunden – und somit die Rückreise ins 19. Jahrhundert ungewiss …

Rezension

„Die Zeitmaschine“ zählt heute zu den allerersten Science-Fiction-Romanen und als großes Vorbild vieler nachfolgender Autoren. So erinnert sie inhaltlich z.B. ein wenig an E.M. Forsters Kurzgeschichte „The Machine stops“ (1909): in beiden Büchern geht es um dystopische Zukunftsszenarien, in denen der Mensch unter der Erde lebt.

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Natascha Wodin: Die späten Tage

Manchmal stößt man auf Bücher, bei denen man sich am Ende der Lektüre fragt, warum man nicht schon längst auf diesen Autor/diese Autorin aufmerksam geworden ist. Natascha Wodin gehört für mich zu genau diesen SchriftstellerInnen. Angetan von der dreißigseitigen Leseprobe musste ich dieses Buch unbedingt so schnell wie möglich in den Händen halten und zu Ende lesen, was bis zur letzten Seite angehalten hat.

Natascha Wodin ist Jahrgang 1945 und wurde als Tochter sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth geboren. 1983 erschien ihr erster Roman „Die gläserne Stadt“, auf den zahlreiche weitere Veröffentlichungen samt Auszeichnungen wie dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis, dem Preis der Leipziger Buchmesse und viele weitere Preise folgten.

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Patricia Eckermann, James A. Sullivan: Die mutige Rebellin: Rosa Parks

Es ist vor allem ein Roman, aber es ist auch die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung in den amerikanischen Südstaaten, für die der Name „Rosa Parks“ seit inzwischen siebzig Jahren steht. Rosa Parks wurde zum Gesicht der Aktivisten, als sie sich am 1. Dezember 1955 abends im Bus weigerte, ihren Platz für einen Weißen zu räumen. Dieser Widerstand war zwar so nicht geplant, Rosa war einfach müde, hatte einen langen Tag hinter sich und immer wieder die Erniedrigung durch weiße Busfahrer hinnehmen müssen, denen es Spaß machte, ihre Macht gegenüber den schwarzen Fahrgästen auszuspielen. Im Bus durften Schwarze nur in den hinteren Reihen Platz nehmen, sie mussten auf jeden Fall Weißen Platz machen – und sich immer wieder schikanieren lassen.

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Ellen Berg: Immer muss man selber feiern

Inhalt

Die Vorweihnachtszeit beginnt – und damit für Nele und ihre Kinder sämtliche Familientraditionen wie Dekorieren, Plätzchenbacken etc. Sehr zum Verdruss von Neles neuem Freund Nick, denn dem ist der gesamte Trubel zu früh und viel zu viel. Konflikte vorprogrammiert. Das Verschwinden der teuren Weihnachtsgeschenke für die Kinder bringt Nele endgültig an ihre Grenzen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Fiona und Hermine macht sie sich auf die Suche nach dem Pakete-Dieb.

Anmerkung: Inhaltlich knüpft das Buch an Ellen Bergs „Immer muss man selber machen“ an, lässt sich aber auch problemlos als Einzelband lesen.

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Andreas Eschbach: Die Auferstehung

Können Tote wieder auferstehen? Eine junge Frau ist vor vielen Jahren im brasilianischen Regenwald verschwunden und nie zurückgekehrt. Nun taucht sie plötzlich wieder auf. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews – inzwischen erwachsen geworden – kommen auf unterschiedlichen Wegen mit ihrer Rückkehr in Berührung und ziehen in gewohnt detektivischer Manier ihre Schlüsse. Schließlich kreuzen sich ihre Wege, und die drei Freunde von einst müssen sich mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen.

Die drei ??? kennt wohl jeder. Inzwischen ist jedoch viel Zeit vergangen, und ihre Freundschaft ist zerbrochen. Auch aus diesem Grund gehen Justus, Peter und Bob der Sache zunächst getrennt auf den Grund. Sie ahnen nicht, dass sie sich dabei in große Gefahr begeben.

Der Nostalgiefaktor ist hier sehr hoch, und tatsächlich gibt es immer wieder klassische Drei-Fragezeichen-Momente. Das Hadern im Kontext des Älterwerdens ist ebenfalls treffend dargestellt, schließlich sind die drei hier bereits in ihren Fünfzigern. Andreas Eschbach präsentiert eine Fortsetzung der Geschichte um die ehemaligen Hobbydetektive, die durchaus glaubwürdig wirkt. Etwas schade fand ich lediglich, dass sie erst so spät wieder zueinanderfinden.

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Alan Moorel: Das Große Wenn: Long London 01

Sie kennen London? Oder meinen Sie eher – Sie glauben, London zu kennen? Nun, dann steht Ihnen eine Überraschung bevor – zumindest, wenn Sie den vorliegenden Roman goutieren.

Alan Moore ist als Verfasser von Comics weltweit ein Begriff, was sage ich, eine Institution. Kürzlich erschien, ebenfalls bei Carcosa, sein Mammutwerk „Jerusalem“ – ein Roman, der an Joyces „Ulysses“ erinnert und der, ob seiner stilistischen wie inhaltlichen Besonderheiten, nicht einfach zu lesen und zu begreifen ist.

Der Auftakt von „Long London“ – in Großbritannien ist der zweite Band über die Abenteuer Dennis Knuckleyards unter dem Titel „I Hear a New World“ für Frühjahr 2026 in Vorbereitung – ist anders. Vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll, aber dennoch herausragend, eine Bereicherung und ein Leseerlebnis (das ganz nebenbei von Hannes Riffel kongenial ins Deutsche übertragen wurde).

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Erna Sassen: Such dir keinen besten Freund

Joshua lebt bei seinem Vater, während seine Mutter und ihr neuer Lebenspartner woanders wohnen. Anfangs wurde er in der Hauptschule von den anderen Kindern angegriffen. Er war neu und hatte keine Freunde. Zu seinem Glück kann er viel besser malen, als sich wehren. Ganz unerwartet interessiert sich Sergio für ihn und seine Bilder. Und mit Sergio kommen auch Dylan und Lindsey in Joshuas Leben. Die Schikanen hören auf. Was nicht aufhört, ist seine Begeisterung für Lindsey, die er nicht verstehen kann. Viel zu widersprüchlich ist ihr Auftreten in der Schule. Sie zeigt viel nackte Haut, ist stark geschminkt und flirtet jeden an, um dessen sexuellen Hunger zu wecken. Und wer sich auf Lindsey einlässt, bekommt es mit Dylan zu tun. Dylan schlägt zu, manchmal zu fest. Er verliert die Grenzen aus den Augen. Dabei müsste er es als Kickboxer besser wissen.

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