Daniel Schreiber: Liebe! Ein Aufruf

Der deutsche Essayist Daniel Schreiber (Jahrgang 1977) hat ein neues Buch geschrieben. Nach „Die Zeit der Verluste“ (2023) reiht sich „Liebe! Ein Aufruf“ in die Reihe seiner literarischen Essays („Allein“, „Zuhause“, „Nüchtern“) ab 2014 ein. Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag veröffentlichte das Sachbuch am 18. November 2025.

Daniel Schreiber geht spazieren

Als Rahmenhandlung zu seinem neuen Essay „Liebe! Ein Aufruf“ wählt Daniel Schreiber einen Aufenthalt zu einem Schreibworkshop im Frühsommer in einem Seminarhaus in einem deutschen Mittelgebirge.

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T. M. Logan: The Mother

Vor zehn Jahren kam Heather für den Mord an ihrem Mann Liam, einem einflussreichen Politiker, ins Gefängnis. Ihre beiden Söhne, damals noch Kleinkinder, hat sie seitdem nicht mehr gesehen. Nun hat sie ihre Strafe abgesessen und nur ein Ziel vor Augen: Ihre Unschuld beweisen, um ihre Kinder wiedersehen zu können. Denn Heather hat Liam nicht getötet. Nur: Wie soll sie das beweisen?

In ihrem Fall gab es nie Zweifel, kaum andere Verdächtige. Polizeibeamte und Richter sind inzwischen längst in Rente, der Skandal hat sich gelegt. Nur der Journalist Owen glaubt daran, dass an Heathers Fall etwas faul ist, hat es aber nie beweisen können.

Gemeinsam versuchen die beiden, für Gerechtigkeit zu sorgen, doch der echte Mörder beobachtet jeden ihrer Schritte …

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Anne Lück: Queens Cartel: With All Your Scars

Cillian Harlow – der Name dieses Mannes genügt, um Florie einen Schauer über den Rücken zu jagen. Die Geschichten über den Boss der berüchtigtsten Gang Englands sind grausam. Dass sie ihm eines Tages begegnet und sogar einen Deal mit ihm eingeht, hätte sie daher nie für möglich gehalten. Schließlich will Florie als angehende Ärztin Menschen helfen, nicht sie ausliefern. Auch Cillian wäre lieber nicht auf diese Zusammenarbeit angewiesen. Einer Zivilistin zu vertrauen, kann er sich eigentlich nicht leisten. Doch ausgerechnet in ihrer Gegenwart droht seine Maske zu fallen, und schon bald stehen nicht nur Leben, sondern auch ihre Herzen auf dem Spiel.

Es handelt sich um einen Liebesroman, der fast schon in die Richtung Dark Romance geht – und genau das fand ich besonders reizvoll, da ich dieses Genre bisher noch nicht allzu oft gelesen habe. Vor allem die Mischung aus Gangmilieu und der nahezu detektivischen Spurensuche im Krankenhaus war spannend umgesetzt. Besonders der Handlungsstrang rund um die mysteriösen Todesfälle hat mir sehr gut gefallen.

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Peter Huth: Aufsteiger

Auf Felix Licht kommen mehr Veränderungen zu, als er für möglich hält. Sein Chef, der Chefredakteur des Magazins, wird gehen, und Felix soll sein Nachfolger werden. Für diesen Karrieresprung hat er alles gegeben, seine ganze Kraft und all seine Fähigkeiten und vor allen Dingen die sehr enge Zusammenarbeit mit dem neuen Verleger Berg. Eigentlich hat er alles richtig gemacht. Eigentlich.

„Das also, dachte er, … ist die Redaktion der Zukunft. Ein Keller. Keine Reporter mehr, kein Recherchieren, keine Dokumentation. Keine Konferenzen … Kein Teamsport sondern eine Einzeldisziplin. Ein Tisch mit einem Computer, ein paar Mikros, ein Monitor, auf dem die ganze Welt als Hintergrund gefakt werden kann.“ (S. 242)

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Jon Fosse: Vaim

Der neue Roman des Literatur-Nobelpreisträgers von 2023 Jon Foss, „Vaim“ heißt er, ist vor allem eines: anstrengend. Der 160 Seiten lange Text ist im Grunde ein einziger Satz, einen Punkt sucht man vergebens. Es gibt viele Wiederholungen mit nur kleinen Abweichungen. Das schafft zwar einen besonderen Rhythmus, macht das Lesen aber mühsam und manchmal monoton.​

Drei Männer aus einem Küstenort erzählen abwechselnd von ihrem Leben, von ihrer Unsicherheit und von einer Frau namens Eline, die alles verbindet. Ihre Stimmen klingen jedoch sehr ähnlich, sodass man sie gedanklich kaum auseinanderhalten kann.​

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L.J. Shen und Parker S. Huntington: My Dark Prince

Kindheit, Erinnerungen. Die Kindheit nahezu perfekt, während die andere nur so vor Lieblosigkeit trotzt. Daraus resultiert zwischen Oliver und Bismarck und Briar eine enge Freundschaft, aus der beim Aufwachsen beider mehr wird. Liebe. Gefühle. Aber das Schicksal hat es anderes gemeint. Die Kapitel in „My Dark Prince“ sind eine Mischung aus Gegenwart, Vergangenheit und vereinzelt nur Textnachrichten. Eine Geschichte, die mich als Leserin auf den ersten Buchseiten schnell ergriffen hat und aufgrund der verschiedenen Zeitebenen ebenso in den Bann ziehen konnte.

Zumindest ging mir es die etwa ersten 100 Seiten so. Auch das weitere Konzept, wie beide Protagonisten zueinander finden sollten, erschien mir als leicht amüsant, aber nicht unbedingt negativ. Jedoch muss ich hier gestehen, dass ich im weiteren Leseverlauf zusehends genervter von dem Inhalt wurde. Je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto schwerer ist es mir tatsächlich gefallen.

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Simon Beckett: Knochenkälte

Der siebte Band von Simon Becketts Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter beginnt wie ein klassischer Horrorfilm: tiefschwarze Nacht, Sturm und Blitz und Donner, sintflutartige Regenfälle, ein undurchdringlicher, finsterer Wald. Mittendrin David Hunter, der sich verfahren hat. Eigentlich war er auf dem Weg nach Carlisle, um an einer Ermittlung teilzunehmen. Stattdessen landet er in einem abgeschiedenen Dorf in den Cumbrian Mountains und einem heruntergekommenen ehemaligen Hotel mit spinnwebverhangenen Fenstern. Fehlen nur noch Zombies, Vampire oder Poltergeister.

Hinreichenden Ersatz findet Hunter in den Bewohnern des gar sich so paradiesischen Edendale. Die Menschen sind unfreundlich, misstrauisch oder gar feindselig, insbesondere ein herrischer, hasszerfressener Alter, ein hinterhältiger Riese und ein pubertierendes Rabenaas.

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Florian Illies:  Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary

Mit den Manns in ihrem ersten Exil – ein wahrhaft gelungenes Buch

Man meint, mit der Familie am Tisch zu sitzen, wenn sie sich zum Mittagessen versammelt. Man glaubt, dabei zu sein, wenn Thomas und Heinrich Mann am Meer spazieren gehen. Man windet sich mit den Kindern, die aus Angst vor dem Übervater zittern und sich nichts zu sagen trauen. Man leidet mit „Tommy“, dem Nobelpreisträger, der sich so sehr entwurzelt fühlt.

Das geniale Buch von Florian Illies – so wunderbar geschrieben, so perfekt Stimmungen beschreibend und Personen entlarvend – liest sich wie ein spannender, humorvoller und sehr sensibler Roman. Durch dessen Seiten man jagt, die man nicht schnell genug umblättern kann, so sehr fesselt das Erzählte.

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Holly Jackson: Not Quite Dead Yet

Jet ist die Tochter einer der reichsten Familien in Woodstock, Vermont. Mit 27 Jahren wartet sie immer noch darauf, dass ihr Leben endlich beginnt. „Das kann ich später noch machen“, sagt sie immer. Denn Jet hat Zeit. Bis zu jener Halloween-Nacht, in der sie von einem unsichtbaren Eindringling brutal angegriffen wird. Dabei erleidet sie eine schwere Kopfverletzung, und die Ärzte sind sich sicher: Spätestens in einer Woche wird ein tödliches Aneurysma sie umbringen.

Jet hätte nie gedacht, dass sie Feinde hat. Doch plötzlich sieht sie alle Menschen in ihrem Umfeld in einem neuen Licht: ihre Familie, ihre ehemalige beste Freundin, die inzwischen ihre Schwägerin ist, und ihren Ex-Freund. Sie weiß, ihr bleiben höchstens sieben Tage – Tage, in denen sich ihr Zustand stetig verschlechtert und nur Billy, ein Freund aus Kindertagen, an ihrer Seite ist. Dennoch ist sie fest entschlossen, endlich etwas zu Ende zu bringen: ihren eigenen Mord aufzuklären.

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Helga Schubert: Luft zum Leben

Helga Schubert (Jahrgang 1940), inzwischen 85-jährige Schriftstellerin und Psychotherapeutin, lässt das Schreiben nicht. Ist sie doch „ein altes Schreibtier“, wie sie sich selbst im Vorwort zu ihrem neuen Buch nennt. Ihr Debüt „Lauter Leben“ erschien 1975. Nach dem Erzählband „Vom Aufstehen“ über „ein Leben in Geschichten“ (2021), für dessen Titelgeschichte sie schon 2020 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und „Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe“ aus dem Jahr 2023 ist am 13. November 2025 „Luft zum Leben“ bei dtv erschienen.

Helga Schuberts „Luft zum Leben“ erzählt Zeitgeschichte

In 38 Texten von 1960 bis heute erzählt Helga Schubert „Geschichten vom Übergang“.

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