Kate Atkinson: Nacht über Soho

Ein beschwingter Krimi voller schillernder Charaktere im London der 20er Jahre! Mit eleganten Spitzen und gewitzter Fabulierkunst entführt die „Costa Novel Award“-Preisträgerin in die Roaring Twenties vom Glanz bis zur Gosse. Das Besondere: Eine Frauenfigur (die auf einer realen Person basiert!) hält hier das Zepter der Unterwelt fest in der Hand. Sie ist die Königin der Nachtclubs in Soho, deren Leitung sie auf ihre sechs Kinder verteilen möchte. Diese eignen sich mal mehr, mal weniger, mal gar nicht für die Aufgabe. Noch dazu, wo korrupte Polizisten, Diebe und Gläubiger darauf warten, ihr Imperium zu stürzen.  
Wer denkt, dass erst seit Social Media merkwürdige Trends kursieren, sei hier eines Besseren belehrt. Die „Bright Young Things“ waren damals VorreiterInnen in Sachen Motto- und Fetischpartys. Ein großartiger Pageturner mit britischen Schwarzen Humor.

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Anne Freytag: Blaues Wunder

Schein und Abgrund auf offenem Meer

Nach „Lügen, die wir uns erzählen“, das mich mit seiner Zärtlichkeit und schmerzhaften Ehrlichkeit tief berührt hat, schickt Anne Freytag uns diesmal auf offenes Meer – und direkt in die Abgründe hinter makellosen Fassaden. Ganz anders im Ton, aber ebenso brillant.

„Blaues Wunder“ ist kein Wohlfühlroman, auch wenn er sich anfühlt wie Urlaub. Es glitzert, es schmeckt nach Salz und Luxus, doch unter Deck brodelt es:

„Wir sind allein mitten auf dem Meer – wir und der Schein, den wir wahren.“ (S. 17)

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Lily Martin: Sommernächte unter dem Eiffelturm

Ein wunderbarer Wohlfühlroman, gemacht zum Lesen auf der Terrasse oder auf dem Balkon oder im Urlaub unter dem Sonnenschirm. Der Duft von Croissants, café au lait, frischem Baguette und Käse mit einem schönen Glas Wein … das Treiben in den kleinen Sträßchen und Gassen des Montmartre, die Bistros und Boutiquen, kleinen Buchhandlungen und Flohmärkte, all das wird lebendig beim Lesen und Sich-nach Paris-Träumen. Der dritte dieser Sommerromane von Lilly Martin, alias Anne Stern, spielt diesmal zwar nicht im Quartier Latin, aber den einen oder die andere Bekannte aus den früheren Romanen treffen wir dennoch wieder. Jaobine, die alternde Schauspielerin, die immer einen guten Rat parat hat, oder den Lebkuchenverkäufer, der seine Backwaren mit kleinen philosophischen Weisheiten schmückt und jetzt auch mal ein anderes Quartier beglückt. Im Mittelpunkt steht Aurélie, eine junge Schriftstellerin, die vom Verlag gedrängt wird, einen locker-leichten Liebesroman zu schreiben, am besten mit Pool und so, was so grade en vogue ist und auf fast allen Covern zu finden, doch Aurélie hat eine Schreibblockade.

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Brittainy C. Cherry: Wie die Stille unter Wasser

Durch ein schlimmes Erlebnis in ihrer Kindheit hat Maggie May ihre Stimme verloren und kann das Haus nicht mehr verlassen. Sie verschanzt sich mehr und mehr hinter Tausenden von Büchern, und der Einzige, der noch zu ihr vordringen kann, ist Brooks Taylor, der beste Freund ihres Bruders. Nur er glaubt noch daran, dass Maggie eines Tages wieder vor die Tür treten und ein normales Leben führen wird – und das erste Mal seit langer Zeit träumt Maggie auch davon! Sie verliebt sich mit jedem Tag mehr in den aufstrebenden Musiker. Doch dann gelingt Brooks mit seiner Band der große Durchbruch, und er betritt schweren Herzens eine Welt, in die Maggie ihm nicht folgen kann …

Das Buch erschien im Deutschen erstmals 2018, hat nun eine schicke Neuauflage erhalten und das hat mich dazu gebracht, die gesamte Reihe ein weiteres Mal zu lesen. Hierbei handelt es sich um Band drei der Romance-Elements Reihe, man kann die Bücher aber auch unabhängig voneinander lesen.

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Sara Hashem: The Jasad Heir

Vor über zehn Jahren wurde das Königreich Jasad verbrannt. Seine Bürger waren mit ihrer Magie eine zu große Bedrohung für die anderen Reiche. Das Königreich Nizahl ist seither dafür verantwortlich, alle überlebenden Jasadi aufzuspüren und zu vernichten.

Essiya dürfte eigentlich gar nicht existieren. Sie ist nicht nur eine Jasadi, sie ist außerdem die Thronerbin von Jasad, die im Massaker um ihre Familie für tot erklärt wurde. Als Helferin eines Apothekers versteckt sie sich in einem armen Dorf und will ihre Vergangenheit einfach nur auslöschen. Auf ihre Magie hat sie keinen Zugriff und für die anderen Jasadi kann sie sich nicht verantwortlich fühlen, sonst vergeht sie vor Schuld.

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Jo Furniss: Der Stau

Mehrere Terroranschläge legen den Verkehr in London lahm. Mittendrin Police Sergeant Belinda »Billy« Kidd, auf einem kilometerlangen Autobahnabschnitt, der von vier Meter hohen Schallschutzwänden abgeschirmt ist und in einem Tunnel endet. Tausende Menschen sitzen für Stunden fest. Und dann wird in einem der Wagen ein Toter entdeckt, mit einem Metallspieß im Nacken.

Billy steht kurz vor dem vorzeitigen Ruhestand und ist aufgrund eines Traumas eigentlich nicht in der Lage, eine verzwickte Ermittlung durchzuführen. Da es, wie der Untertitel schon sagt, kein Entkommen gibt, muss sich der Mörder/die Mörderin noch am Tatort befinden. Doch niemand will etwas bemerkt oder eine Person gesehen haben, die sich vom Tatort entfernte.

Bei »Der Stau« handelt es sich somit um einen »Locked-Room-Thriller«, in dem ein scheinbar unmögliches Verbrechen begangen wird, meist in einem verschlossenen Raum oder Haus. Furniss kreiert nicht nur einen besonders ungewöhnlichen »locked room«, sie erhöht die Dramatik durch die Rahmenhandlung mehrerer Terrorangriffe, die dazu führen, dass sie auf unabsehbare Zeit ganz auf sich allein gestellt ist, da sämtliche Polizeikräfte anderweitig im Einsatz sind. Und dann wird auch noch das Handynetz abgeschaltet.

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Kat Eryn Rubik: Furye

Ich bin verliebt. Verliebt in das Cover, das diese hypnotisch-tropische Melancholie atmet und den Vibe des Romans vorwegnimmt.

Kat Eryn Rubiks „Furye“ zieht auf wie ein Sommergewitter über dem Meer: zunächst leise, dann ohrenbetäubend intensiv.

„Er ahnte nicht, dass ich schon lange vergessen hatte, wie es sich anfühlte, ›einfach nur glücklich‹ zu sein.“ (S. 24)

Die Geschichte von Alec, einer Frau, die zwischen der Leere ihres Erfolgs und den scharfkantigen Erinnerungen ihrer Jugend taumelt, hat mich lange zappeln lassen.

Die Erzählung tanzt auf zwei Zeitebenen: die glühende, wilde Jugend der siebzehnjährigen „Furien“ Alec, Meg und Tess, die wie BFFs durch Feuer und Chaos gehen; Freundschaft, erste Liebe, Selbstzerstörung. Und der kühlen Gegenwart, in der Alec alles erreicht hat und doch nichts fühlt.

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Nina Martin: Lucid Fate: Was, wenn wir nicht sterben?

Band 3 der Lucid-Reihe

Somna und Corpora haben sich vermischt. Die Welt fällt ins Chaos und die Emotionen der Menschen führen zu gefährlichen Traumwandlungen. Selena, Ria und ihre Freunde suchen Schutz in einer abgelegenen Berghütte, aber allen ist klar: Sie müssen etwas tun, um die Welten wieder zu trennen. Die Frage ist nur, sind sie bereit, selbst zu sterben, um die Menschheit vor Eric zu retten?

Ich glaube, das Cover mit seiner rot-lilanen Färbung ist mein liebstes in der Reihe. Es sieht wunderschön aus, passt zu Träumen und die Schrift leuchtet wie bisher auch im Dunkeln – ein tolles Alleinstellungsmerkmal. Zum Cover passend wurden auch die Kapitelüberschriften designt, sodass das Buch innen wie außen gern anzusehen ist.

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Linn Ullmann: Mädchen 1983

Die Autorin Linn Ullmann ist die Tochter des berühmten Regisseurs Ingmar Bergman und der Schauspielerin Liv Ullmann. Sie gilt als eine der bedeutendsten skandinavischen Autorinnen. Ihre Romane wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet und erscheinen in über zwanzig Sprachen. Eine Rezension zu ihrem vorangegangenen Roman „Die Unruhigen“ ist ebenfalls in unserem Leselust-Portal nachzulesen.

Linn Ullmann versucht sich im Jahr 2021 rückzuerinnern, was fast vierzig Jahre zuvor, im Jahr 1983, vorgefallen ist. Damals war sie sechzehn Jahre alt. Erst jetzt, nach achtunddreißig Jahren, ist sie bereit, nach Antworten zu suchen. Ist alles so gewesen, wie ihre Erinnerungen es vorgeben, oder hat sie Wünsche und Träume in ihrer Fantasie dazugefügt, um Traumatisches auszulöschen? In ihrer Annäherung an die Vergangenheit entsteht diese autofiktionale Erzählung. Wiederholt stößt man im Buch auf den Satz „Das Mädchen, das ich war, und die Frau, die ich bin“.

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Tim Pieper: Die Mündung

Es braucht grade mal etwa 70 Seiten, bis dieser Thriller mit der ersten überraschenden Wendung aufwartet, die alles, was man bisher gelesen hatte, in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.
Hat man bisher etwa alles einfach falsch verstanden? Lena, eigentlich Hauptkommissarin beim LKA Niedersachsen, nimmt sich eine Auszeit. Sie muss die Ermordung ihrer Schwester verarbeiten, deren Leiche bisher allerdings nicht gefunden wurde. Jette ist wohl Opfer des sogenannten Gezeitenmörders geworden, der inzwischen neun Frauen ermordet haben soll. Als Umweltpraktikantin auf der Vogelinsel Scharhörn will sie Abstand gewinnen, doch immer wieder hat sie Albträume, außerdem lässt sie der Gedanke nicht los, dass bei den Ermittlungen zum Tod ihrer Schwester und der anderen Frauen geschlampt wurde. Nach einem Unwetter findet Lena in den Dünen der Insel eine männliche Leiche, in den Taschen der Jacke des offenbar Ermordeten findet sie Schmuck. Genau jene Schmuckstücke, die der Gezeitenmörder seinen Opfern abgenommen hat. Eindeutig: eine Kette, die ihrer Schwester Jette gehört hat. Für Lena der Moment, sich wieder aktiv an den Ermittlungen zu beteiligen, wieder Teil der Soko oder wenigstens des Teams zu werden. Doch stattdessen findet sich Lena in einer psychiatrischen Klinik wieder – angeblich hat sie Wahnvorstellungen! Lena beginnt, an sich selbst zu zweifeln, gleichzeitig aber auch nach wie vor an den Ermittlungen. Was wird hier gespielt?

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