Kalie Cassidy: Das Lied der Tiefe

Seien Sie willkommen am Hof des grausamen Königs Nemea. Seit dieser sich – aus einfachen Verhältnissen stammend – hochgemordet und die Herrschaft über die unwirtliche Insel Seraf an sich gerissen hat, ist er unter seinen Standesgenossen verpönt.

Nun hat er zur Hochzeit seines Mündels mit seinem Kommandanten gerufen – und alle sind trotz ihrer Ressentiments seiner Einladung gefolgt. Dass die junge Braut Imogen Nel, von deren ererbtem Reichtum der König zehrt, eine Sirene ist, ahnt er nicht.

Als ihr Verlobter sie anlässlich der Verlobungsfeier verführt, brechen schwarze Flügel aus ihrem Rücken – ihr Geheimnis, das sie so lange gehütet hat, ist offenbart.

Sie ahnt, nein, sie weiß, dass sie ein Schicksal schlimmer als der Tod erwartet, sofern sie nicht flieht.

Der Einzige, der ihr vielleicht helfen kann, ist der größte Feind ihres Pflegevaters: König Theodor, ein charismatischer Mann, der für seine Hilfe bei der Flucht jedoch eine Gegenleistung erwartet. Im Kampf gegen die Untoten der Meere soll sie ihm beistehen – eine Mission, die höchstwahrscheinlich ihren schmerzhaften Tod bedeuten wird …

Romantasy ist das Subgenre, das gegenwärtig die Kassen der Buchhandlungen und Verlage klingeln lässt. Kein Verlag, der nicht versucht, ein Stück von diesem Kuchen abzubekommen. Entsprechend übertreffen sich die Verlagshäuser mit neuen Veröffentlichungen, die zumeist herausragend gestaltet sind. Auch der vorliegende Roman besticht durch ein sehr stimmungsvolles Cover und einen Rundumfarbschnitt.

Man versucht, mit großen Gefühlen, gepaart mit Magie, zu punkten.

Insofern entspricht der vorliegende Band zunächst dem Üblichen. Allerdings erwartet uns in der Hauptrolle eine Sirene – ein Wesen, das gemeinhin eher nicht sonderlich positiv gezeichnet wird.

Sirenen – das sind bekanntermaßen kalte Wesen aus den Tiefen der Meere, die Menschen verführen und in ihr nasses Grab entführen.

Anders im vorliegenden Fall: Cassidy stellt uns eine Protagonistin vor, die sowohl verletzlich als auch beeindruckend ist und mit Kräften ringt, die sie entweder retten oder verdammen könnten.

Imogens Entwicklung von einer ängstlichen jungen Frau, die ihre wahre Natur verbirgt, zu jemandem, der ihr monströses Potenzial annehmen muss, wirkt authentisch und weckt nicht nur unser Mitgefühl, sondern auch unsere Hochachtung vor ihrem Mut.

Nach einem etwas verhaltenen Auftakt zieht das Tempo des Romans immer weiter an. Der Dramatikfaktor nimmt kontinuierlich zu, und es warten Offenbarungen auf uns, die diesen Namen wirklich verdienen. Auch die Darstellung der wachsenden Gefühle bleibt weit entfernt vom sonst Üblichen.

So ist dies ein Buch, das zwar die Leserinnen und Leser ansprechen wird, die romantische Fantasy lieben, das aber zugleich mit einer ungewöhnlichen Protagonistin und interessanten Figuren punktet.chen wird, das aber zugleich mit einer ungewöhnlichen Protagonistin und interessanten Figuren punktet.

Kalie Cassidy: Das Lied der Tiefe (In the Veins of the Drowning – 2025)
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Franziska Wegmann
Heyne Verlag Oktober 2025
413 Seiten, gebundene Ausgabe, Euro 24,00

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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