Tillie Cole: A Thousand Boy Kisses

Als Rune Kristiansen nach Blossom Grove, Georgia, zurückkehrt, hat er nur eins im Sinn: herausfinden, warum Poppy ihn von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben verbannt hat. Und das, obwohl sie ihm versprochen hatte, bis in alle Ewigkeit auf ihn zu warten. Zwei Jahre lang hat Poppys Schweigen Rune jeden Tag aufs Neue das Herz gebrochen, doch als er ihr nach all der Zeit das erste Mal wieder gegenübertritt, weiß er augenblicklich, dass ihnen der schlimmste Schmerz erst noch bevorsteht …

 

Das Buch erschien 2020 unter dem Titel „All Your Kisses“ und hatte mich schon damals begeistert. Auch nach dem zweiten Mal lesen hat es mich zutiefst berührt und ich konnte es kaum aus der Hand legen, wollte es jede freie Minute in die Hand nehmen, um weiterzulesen, es hat mich aus einer Leseflaute geholt. Besonders die letzten 150 Seiten haben mich überwältigt, ich musste mich nach dem Beenden der Geschichte erst einmal sammeln und das, obwohl ich grob noch wusste, was alles geschehen wird. Weiterlesen

Gina Mayer: Der Kuckuck

Der Kuckuck ist ein Familienroman und eine einfühlsame Geschichte über Mutterschaft, die für viele Frauen über Generationen hinweg und selbst heute, nicht immer eine unbelastete, freie Entscheidung ist. In poetischen Worten erzählt Gina Mayer von drei ungleichen Freundinnen in einem winzigen Dorf im Jahre 1919. Im Riestal zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb werden Babette Rosch, Kind einer alteingesessenen Bauernfamilie, Rosl Böswanger, Spross der ärmsten Familie des Dorfes und Evelin Gruber, die Tochter des Gutsherren zu Freundinnen, die ihre Geheimnisse miteinander teilen und zusammen von der Zukunft träumen. Eine Zukunft, die für jede von ihnen ganz anders kommt, als erhofft, ihre Schicksale fest miteinander verwebt, auch wenn sie sich später aus den Augen verlieren und die schließlich sogar die Leben ihrer Angehörigen und Nachgeborenen stärker beeinflusst, als ihnen bewusst ist. Weiterlesen

Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Wind und Wellen

Stürmisch, wie es Titel und Cover versprechen, geht es im sechsten Fall für Tereza Berger zu, die vor längerer Zeit auf der bretonischen Halbinsel Crozon „gestrandet“ ist, nachdem sie ein altes, leicht verfallenes Häuschen mit Charakter geerbt hat, in das sie sich schnell verliebt. Buchhandlung und Lebensmittelpunkt verlegt sie kurzerhand in die Bretagne und wird schnell heimisch. Mit ihrer zugewandten, offenen und freundlichen Art findet sie schnell Anschluss und ist rasch integriert. Ihre angeborene Neugier, oder besser: ihr Interesse an ihren Mitmenschen und dem, was um sie rum so passiert, ist schuld, dass sie ihre Nase eben auch immer wieder in die kleinen und größeren Verbrechen steckt, die das Leben auf der Insel erschüttern. Nicht immer zur Freude der Polizei, aber doch immer erfolgreich und vor allem unbelehrbar. Tereza lässt sich nicht aufhalten, wenn sie einmal angefangen hat, sich einzumischen. Dass sie inzwischen mit Kommissar Gabriel Mahon liiert ist, macht es nicht einfacher. Mehr als einmal war sie mit ihren Recherchen ja auch durchaus erfolgreich und hat zur Aufklärung der Fälle beigetragen. Weiterlesen

Charlotte Jacobi: Heldin der Gezeiten: Eine Schwimmerin. Ein Ziel. Ein weltweiter Erfolg

Mercedes Gleitze hat sich und allen anderen als junge Frau bewiesen, was man mit Zähigkeit, unbedingtem Willen, hartem Training und Ausdauer erreichen kann! Ihr größter Wunsch, ihr erklärtes Ziel war es schon als junges Mädchen, eines Tages den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Ihre ersten Schwimmversuche machte sie als Kind mit ihren beiden älteren Schwestern in Brighton, von Stund an war das Wasser ihr Element.

Bevor sie aber anfangen konnte, ihren Wunsch in die Tat umzusetzen und täglich hart zu trainieren, machte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin, trat eine Stelle in einer Reederei in London an und bewies auch dort, dass sie gut war in dem, was sie machte. Sie hatte das Glück, dass ihr Chef ihre Ambitionen, das Schwimmen betreffend, unterstützte und es ihr ermöglichte, bald täglich am sehr frühen Morgen unter fachmännischer Anleitung und Betreuung ihre Trainingseinheiten zu absolvieren. Oft unter widrigsten Bedingungen, aber immer mit ihrem erklärten Ziel vor Augen, unerbittlich und ausdauernd. Die ersten Versuche, den Kanal zu überqueren, scheitern. Oft wegen der Wetterbedingungen, manchmal auch, weil Mercedes‘ Körper Warnsignale sendet. Weiterlesen

Julia Hausburg: Fighting Through Deep Waters

Meeresbiologiestudentin Henriette hat einen der begehrten Plätze auf der Segeljacht Sapient Sailor ergattert und verbringt ein exklusives Auslandssemester auf hoher See. Endlich hat sie die Chance, sich aus dem Schatten ihrer Schwester zu lösen. An Bord des Großseglers stößt Henriette auf Lukas, ihren besten Freund aus Kindertagen, der ihr inzwischen jedoch fremd ist. Das erste Wiedersehen ist eisig, aber zwischen Studienprojekten und gemeinsamen Tauchgängen im Südpazifik funkt es gewaltig. Bis ein verhängnisvoller Kuss, alte Wunden und ungesagte Wahrheiten drohen, ihr neues Glück im Keim zu ersticken. Als ein Sturm die Jacht in Gefahr bringt, müssen sie kämpfen: gegen ihre Vergangenheit und um ihre Liebe.

Leider konnte mich das Buch nicht ganz abholen, obwohl das Setting wirklich mega war.

Der Schreibstil der Autorin ist gut, fast schon meditativ und man kann das Buch flüssig lesen. Allerdings wirkte er mir manchmal ein bisschen zu kindisch. Aber man fühlt sich so, als wäre man selbst auf der Segeljacht und alles ist stimmig.

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Inka Lindberg: All the things (s)he said

Skye ist eine »Serial Monogamist«: Ihr Leben lang hüpft sie von Beziehung zu Beziehung und bleibt nie lange allein. Doch als sie sich von Lukas trennt, ist alles anders. Dieses Mal schwört sich die junge Kölnerin, ein Jahr lang single zu bleiben, um herauszufinden, was sie im Leben wirklich will. Wer ist sie ohne Partner? Was gefällt ihr wirklich und was hat sie nur ihrem Freund zuliebe gemacht? Und wie knüpft man bitte mit Mitte zwanzig noch neue Freundschaften? Die Antworten auf diese Fragen zu finden, stellt sich als gar nicht so einfach heraus.

Ausgerechnet Skyes neue Nachbarn Amir und Naima stellen ihren guten Vorsatz auf eine harte Probe. Fühlt sie für Amir eine tiefe Freundschaft oder hat sie doch Schmetterlinge im Bauch? Oder ist es Naima, die ihren Plan, single zu bleiben, wirklich gefährdet?

Die Geschichte hatte ich innerhalb weniger Tage beendet. Nachvollziehbar und nahbar geschrieben, fliegt man nur so durch die Seiten. Erwartet hatte ich hier einen Wohlfühl-Roman, doch es war anders als ich dachte – zwar habe ich mich darin wohlgefühlt, aber er hat mir auch so viele Emotionen abverlangt. Weiterlesen

Daniela Dröscher: Junge Frau mit Katze

Die Studentin Ela steckt im Prüfungsstress fest. Ihre psychischen und physischen Probleme scheinen kein Ende zu nehmen.

Junge Frau mit Katze“  ist der Kategorie der autofiktionalen Bücher zuzuordnen. Wer Daniela Dröschers Vorgängerroman „Lügen über meine Mutter“ kennt, wird auch „Junge Frau mit Katze“ gerne lesen und hier altbekannte Personen und Probleme im Handlungsverlauf wiederfinden. Um es gleich vorwegzunehmen: Das neue Buch kann „Lügen über meine Mutter“, wie so oft bei Folgeromanen, nicht toppen. Dennoch ist es auf jeden Fall lesenswert.

Ela ist eine junge Frau mit Katze (die eine nicht zu unterschätzende Rolle im Handlungsverlauf einnimmt). Elas Tagesabläufe werden von ihrer Prüfungsangst dominiert. Die Verteidigung ihrer Doktorarbeit, auf die sie all die letzten Jahre hingearbeitet hat, steht kurz bevor. Doch Ela kann sich nicht konzentrieren. Ständig wird sie von ihrem Körper mit neuen Wehwehchen gepeinigt. Hängt alles mit ihrem inneren „Schmetterling“, ihrer Schilddrüse und der Diagnose „Hashimoto“ zusammen? Das wäre im doppeldeutigen Sinn nicht verwunderlich, schließlich befasst sie sich tagein, tagaus, mit der japanischen Literatur. Weiterlesen

Katrin Böhning-Gaese et al.: Rettet die Vielfalt: Manifest für eine biodiverse Gesellschaft

Das Thema Biodiversitätsverlust wird gegenüber dem Klimawandel häufig übersehen. Zu Unrecht. Intakte Ökosysteme stellen uns Nahrung, Energie, Lebensraum, Luft zum Atmen, sauberes Wasser, Schutz vor Umweltkatastrophen, Erholung, Ästhetik und Gesundheit bereit (Beispiel: rund 70 Prozent aller Krebsmedikamente gehen auf Naturwirkstoffe zurück!). Die Botschaft des Buches ist knackig: „Während der Klimawandel darüber bestimmt, WIE wir in Zukunft leben werden, entscheiden das globale Artensterben und die globale Vernichtung von Ökosystemen darüber, OB wir Menschen auf diesem Planeten überleben werden.“ (S. 161). Doch das Buch schürt keine Panik, sondern beschreibt viele Lösungsvorschläge. Was bereits möglich ist und in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wird. Das Autoren-Trio aus den Bereichen Wissenschaft, Juristik und Geschichte veranschaulicht das Thema äußerst umfassend, praxisnah, hinterlegt mit erstaunlichen Zahlen und Fakten.

Wirtschaftsfaktor Natur: Ökonomischer Wert der Artenvielfalt!
Schon gewusst: Die Hälfte aller Wirtschaftsleistungen weltweit geht auf Leistungen der Natur zurück!  Und sogar kostenlos. Genau darin liegt laut den Autoren das Problem. Was nichts kostet, ist nichts wert. Was nichts wert ist, wird nicht geschützt, hat im Diskurs zwischen wirtschaftlichen und sozialen Fragen stets das Nachsehen. Dabei hat eine 2024 veröffentlichte Studie erstmals den Wert der von der Natur bereitgestellten Leistungen berechnet. Weiterlesen

Gabriela Kasperski: Zürcher Verrat

Auch der sechste der Zürich-Krimis besticht wieder durch akribische Recherche, historisch fundierte Fakten, Charaktere, die sympathisch (oder eben auch nicht) und lebensecht gezeichnet werden, in die man sich leicht hineinversetzen kann, durch eine Story, die in ihrer Authentizität besticht und auch wieder durch die Liebe der Autorin zu der Stadt, in der sie lebt und den Menschen dort.

Wer die vorherigen Bände der Reihe um Schnyder und Meier nicht gelesen hat, braucht keine Scheu zu haben. Die Story um den Toten im Orchestergraben, der eine Open-Air-Aufführung des Zürcher Opernhauses zu einem jähen Ende bringt, ist durchaus unabhängig zu lesen. Die Beziehung zwischen den Ermittlern, Zita Schnyder und Werner Meier spielt zwar auch hier wieder eine Rolle, aber man kommt durchaus zurecht mit dem Familiengeflecht und den Beziehungen Meiers zu den Kollegen von der Polizei. Da Meier zufällig vor Ort ist, wird er mit den Ermittlungen zum Fall beauftragt. Recht schnell steht Lou Müller, die Chorleiterin im Verdacht, das Opfer gestoßen und damit seinen Sturz über eine Brüstung verursacht zu haben. Zeugen haben einen Streit zwischen beiden beobachtet. Lou ist flüchtig. Es beginnt eine Verfolgungsjagd, die nicht nur durch die Schweiz, sondern auch über Deutschland nach Frankreich und England führt und – wie sich später herausstellt – viel tiefergehende Ursachen hat als den Sturz des Mannes in den Orchestergraben. Weiterlesen

Mariette Navarro: Am Grund des Himmels

Claire hat von ihrem Kollegen Marc erfahren, wie er aus der Führungsetage geflogen ist. Während seine Kollegen wie gewohnt in der obersten Etage ihre Besprechungen abhalten, wurde er eine Etage tiefer versetzt. Er würde auch dort bei Bedarf informiert werden. Doch dies geschah nicht. Marc wurde vergessen. Nur Claire erinnert sich an ihn und seine Frage, ob sie mit ihrem Fuß gegen eine bestimmte Treppenstufe stoße. Inzwischen ist ihr Zeh wundgestoßen, und sie wechselt täglich das Pflaster. Auch sonst stößt sie gegen Hindernisse, die nur sie nicht sehen kann.

Anfangs sah ihr Karrieresprung so vielversprechend aus. Sie fühlte sich dazugehörig und arbeitete mit großem Einsatz. Doch heute gibt es bei den üblichen Treffen mit den Kollegen Gespräche, die sie ausschließen. Sie kennt nicht die Vornamen bestimmter Leute, und ihr fehlt das notwendige Netzwerk. Mitten in einer Besprechung erkennt Claire auf einmal die tatsächliche Distanz, vor der sie so lange die Augen verschlossen hat. Völlig unerwartet bekommt sie keine Luft mehr. Sie muss raus. Über eine Letter klettert sie auf das Dach, um frische Luft zu atmen. Dort oben ist die Perspektive eine andere, und sie erlaubt sich eine ehrliche Analyse über ihr aktuelles Leben. Weiterlesen