Oliver Plaschka entführt uns nach Genua. Wir befinden uns im Jahr 1822. Hier lebt die junge Schriftstellerin Mary Shelley in der Nähe des Anwesens, das Lord Byron bewohnt. Ihr Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley, ist bei einem rätselhaften Schiffsunglück ums Leben gekommen.
Während sie noch tief um ihren Mann trauert, tritt die geheimnisvolle Ermittlerin Pat Colombari, angeblich beauftragt von Shelleys Vater, um die Umstände des Todes zu untersuchen in ihr Leben. Pat ist beileibe keine gewöhnliche Detektivin. Mithilfe einer eigentümlichen Apparatur ist sie in der Lage, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen – nicht nur in Marys, sondern auch in jene ihres berühmten Umfelds; – Lord Byron, John Polidori, Claire Clairmont und weitere Figuren des literarischen Zirkels. Auf diese Weise entfaltet sich die Handlung als eine vielschichtige Spurensuche durch subjektive Erinnerungsräume, die zunehmend erkennen lässt, dass hinter Percys Tod und der Entstehung von „Frankenstein“ weit mehr steckt, als bloße biografische Zufälle. Je tiefer Pat vordringt, desto deutlicher wird, dass Mary selbst ein Geheimnis verbirgt – und dass die Grenze zwischen Erinnerung, Einbildung und etwas Übernatürlichem gefährlich durchlässig ist …
Man begegnet nicht allzu häufig Romanen, die sich mit einer solcher Ambition zwischen historischer Rekonstruktion, spekulativer Fantastik und erkenntnistheoretischem Spiel ansiedeln wie Oliver Plaschkas vorliegender Einzelroman „Die Geister von La Spezia“. Der Stoff ist ebenso verheißungsvoll wie anspruchsvoll – Mary Shelley im Jahr 1822, kurz nach dem Tod ihres Mannes Percy Bysshe Shelley, wird zur zentralen Figur einer Erzählung, die nicht weniger unternimmt, als die Entstehungsbedingungen von „Frankenstein“ neu zu deuten – und dies mittels einer fiktiven Technik, die Reisen durch Erinnerungen erlaubt.
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