Daniel Donskoy: Brennen

Der Debütroman des Schauspielers und Musikers Daniel Donskoy, Brennen, ist ein Roadtrip durch das Leben eines jungen Mannes, der vor allem eines möchte: sich lebendig fühlen.

In kurzen Episoden schildert er teils skurrile Begegnungen – etwa eine sizilianische Jagdgesellschaft, ein in Flammen stehendes Filmstudio nahe Auschwitz oder eine Nacht in Tel Aviv, die einst alles veränderte. Der Erzähler reflektiert dabei immer wieder über vergangene Zeiten und die Freundschaft zu einem gewissen Tyler, die nach Jahren wieder aufgenommen werden soll.

Kritisch fällt auf, dass Donskoy an manchen Stellen Gesprächs- und Gedankenpassagen einstreut, die durch ihre etwas pseudo-intellektuelle Färbung eher bemüht wirken. Seine Beschreibungen von Grenzübertritten, Übermut und Leidenschaft werden oft durch teils schwerfällige, selbstverliebte Sprachbilder ergänzt, was der Geschichte einiges von ihrer Kraft und Glaubwürdigkeit nimmt.

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Antje Huhs: Zuhause ist vorübergehend geschlossen

Inhalt

Antje Huhs schreibt in ihrem Roman humorvoll über aktuelle Themen: überfüllte Pflegeheime bei zu geringem Personalschlüssel und schlechter Bezahlung. Daraufhin streiken die Pflegekräfte, ein Notbetrieb findet kaum statt. Wohin nur mit den Bewohnern? Die Lösung: Privathaushalte sollen Pflegebedürftige aus den örtlichen Heimen aufnehmen. Und das kurz vor Weihnachten …

Rezension

Huhs Gedankenexperiment zeigt eine drastische Alternative zur Versorgung in Pflegeheimen – frei nach dem Motto: „Wer keine Oma oder keinen Opa hat, bekommt eine/n.“ Konflikte vorprogrammiert.

Die Narration ist aus verschiedenen Perspektiven beteiligter Personen geschrieben: eine Familie, die einen fremden älteren Herren aufnehmen muss; ein Pfleger und die Bürgermeisterin, die für die Verteilung der Pflegeheim-Bewohner zuständig sind. Das ermöglicht eine breitere Annäherung an das Thema. Jeder Protagonist geht anders mit dem hohen Konfliktpotenzial um.

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Chloe Walsh: Boys of Tommen 5: Taming 7

Im fünften Band der „Boys of Tommen“-Reihe stellt Chloe Walsh Gerard („Gibsie“) Gibson und Claire Biggs in den Vordergrund.
Man kennt die beiden bereits aus den vorherigen Bänden, ahnt jedoch nicht, was in Gibsie wirklich vorgeht.
Hinter seiner sorglosen, humorvollen Art verbirgt sich ein zerbrochener, verlorener Junge – und hinter diese Fassade kann nur Claire blicken.
Sie hat den Jungen von nebenan immer verstanden und bewundert und sich vorgenommen, den wilden Jungen mit dem gebrochenen Herzen zu zähmen.
Doch etwas Unerwartetes geschieht, Grenzen verschwimmen, und alles steht auf dem Spiel.

Auch wenn es sich hier um eine in sich geschlossene Geschichte handelt, empfehle ich, die Reihenfolge beizubehalten und nicht mittendrin einzusteigen.
Denn natürlich tauchen auch Charaktere aus den vorherigen Bänden auf, und man würde leicht den Überblick verlieren, wenn man erst in der Mitte zu lesen beginnt.

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Iny Lorentz: Der Krieger und die Königin

Soviel gleich vorweg: ich bin dieses Mal ein bisschen enttäuscht. Eigentlich finde die super recherchierten, gut geschriebenen historischen Romane von Iny Lorentz immer spannend und sehr interessant wegen des geschichtlichen Hintergrunds, aber diesmal waren es mir einfach zu viele Schlachten, Völker, Stämme, Gruppierungen, Namen, Verwandtschaftsbeziehungen …. als dass ich es leicht gefunden hätte, dem zu folgen. Man hätte einen Notizblock gebraucht, um sich mit Querverweisen „auf dem Laufenden“ zu halten, wer jetzt mit wem verwandt, verfeindet oder befreundet ist.

Das Cover zeigt eine schöne, junge Adlige vor gebirgiger Landschaft, aber bis man einen Rückschluss ziehen kann, dass es sich hier um die Langobarden-Prinzessin Waltrada handeln wird, vergeht viel Zeit. Knapp 600 Seiten umfasst der neue Roman, der eigentlich schon vor gut dreißig Jahren hätte veröffentlicht werden sollen, bis es zur angekündigten „Geschichte, die die Geschichte Deutschlands grundlegend veränderte“ kommt, sind wir schon im letzten Teil. Zwar taucht der Name Waltrada bis dahin das ein oder andere Mal auf, aber die wesentliche Rolle, die ihr dann letzten Endes zukommt, kann man daraus nicht unbedingt ableiten. Zum ersten Mal trifft Garibald, der Held und ruhmreiche Krieger dieses Epos‘ auf die Prinzessin, als sie (vermeintlich) von den gefürchteten Wolfsreitern bedroht wird. Garibald schreitet ein und „befreit“ sie, was er mit einer Verletzung bezahlt, die sie ihm mit einem Dolch zufügt.

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Janine Barchas und Isabel Greenberg: Jane Austen: Ihr Leben als Graphic Novel

Einzelne Ausschnitte aus dem Leben der genialen Autorin in interessanten Zeichnungen

Nachdem ich gerade voller Vergnügen die Biografie über Jane Austen aus der Feder von Elsemarie Maletzke lesen durfte, musste ich natürlich auch nach dieser Graphic Novel greifen. Die mir einerseits durchaus auch gefiel, andererseits meiner Meinung nach auch ein paar Nachteile hat.

So hätte ich die in diesen Bildern erzählte Geschichte vermutlich weniger bis gar nicht verstanden, hätte ich eben nicht besagte Biografie kurz vorher gelesen. Das ermöglichte mir, die in den Dialogen genannten Personen zu erkennen und die jeweilige Einordnung.

Denn diese Graphic Novel, so nett die Idee ist, ein Leben auf diese Weise zu schildern, greift eben nur einzelne Episoden heraus. Sie konzentriert sich vor allem auf die Beziehung zwischen Jane und ihrer älteren Schwester Cassandra. Die beiden verband eine innige Liebe, ein immerwährendes Verständnis und ein großer Zusammenhalt. Der, im Falle von Cassandra, noch über Janes Tod hinaus Bestand hatte.

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Auður Ava Ólafsdóttir: Eden

Die 1958 geborene Autorin Auður Ava Ólafsdóttir lebt in Reykjavík.

Ihre Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und in 25 Sprachen übersetzt. 2019 wurde ihr für den Roman Miss Island in Frankreich der Prix Médicis étranger für den besten ausländischen Roman des Jahres verliehen.

Zum Inhalt:

Die Sprachwissenschaftlerin Alba arbeitet als Dozentin an der Uni in Reykjavík. Sie ist Expertin für aussterbende Sprachen. Um an verschiedenen Konferenzen teilnehmen zu können, ist sie als Vielfliegerin unterwegs. Als sie ihren unsteten Beruf und ihren CO2-Fußabdruck hinterfragt, fasst sie ziemlich schnell den Entschluss, ihr Leben zu ändern.

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Daniela Drescher: Milli ist draußen

Ich bin mit Daniela Dreschers Bilderbüchern aufgewachsen und war direkt wieder so verzaubert wie früher, als ich dieses neue Buch durchgeblättert habe. Ich wünsche allen Kindern, dass sie ebenso schöne Erinnerungen mit dieser verzaubernden Malerei verknüpfen dürfen (und vielleicht wie ich im Erwachsenenalter die ein oder andere Postkarte der Künstlerin an der Wand hängen haben) – und „Milli ist draußen“ ist die perfekte Möglichkeit, für die ganz Kleinen, damit anzufangen.

Begleitet von süß gedichteten kurzen Texten, folgen wir in diesem Pappbilderbuch dem Mädchen Milli in ihrem Garten und durch Pfützen bis zu den Glühwürmchen in der Nacht. Die Geschichte ist simpel, aber süß. Sie kommt von Text und Illustration nicht an Dreschers frühere Werke wie „Komm mit ins Elfenland“ heran, ist aber ja wie gesagt auch wirklich für die allerkleinsten Leser.

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Jordan Prince: Prince of Germany

Über den Autor und zum Inhalt

Jordan Prince ist Komiker, Musiker, Podcaster und Schauspieler aus New Orleans, Louisiana. In Corona-Zeiten erlebte er seinen großen Durchbruch mit Videos über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland (insbesondere seiner Wahl-Heimat Bayern) und den USA. Momentan tourt er mit seiner zweiten eigenen Comedy-Show durch Deutschland. Besonders seine Kunstfigur „Johannes“ erfreut sich auf Instagram und Co. großer Beliebtheit: ein stereotypischer Deutscher, der bei jedem Wetter „Schport“ im Freien macht, bei jeder Gelegenheit lüftet und sein „Schprudelwasser“ über alles liebt.

Über genau solche Klischees und ähnliche reale Bekanntschaften schreibt Jordan Prince in seinem ersten Buch „Prince of Germany“.  Dabei teilt er viele lustige und peinliche Anekdoten sowie einige der Schwierigkeiten, als Amerikaner in Deutschland Fuß zu fassen.

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Buzzy Jackson: Wir waren nur Mädchen

Ich muss gestehen, der Name „Hannie Schaft“ hat mir zunächst einmal nichts gesagt. Ganz im Gegensatz zu Anne Franks ist die Geschichte des „Mädchens mit den roten Haaren“, das sein Leben dem Widerstand der Nazi-Besatzer in den Niederlanden opferte, um Freunde zu schützen und einfach nur zu helfen, eher wenig bekannt.

Geboren am 16. September 1920 als Jannetje Johanna Schaft in Haarlem, nahm Jo den Namen „Hannie“ an, als sie in Amsterdam anfing, Jura zu studieren. Ehrgeizig, fleißig, engagiert und mit Bestnoten. An der Universität lernte sie Sonja und Philine kennen, zwei jüdische Kommilitoninnen, die zu ihren besten Freundinnen wurden. Zunächst spielte es für die drei jungen Mädchen keine Rolle, dass Sonja und Philine Jüdinnen waren, erst als die deutschen Besatzer Ende 1940 immer schärfere Regeln für Juden in den Niederlanden durchsetzten, waren die beiden und ihre Familien in Gefahr. Hannie versuchte, zu helfen. Zunächst „besorgte“ sie den Freundinnen Personalausweise, die sie im Stadtbad in Spinden anderer junger Frauen geklaut hatte. Später machte sie das eher regelmäßig und half so jüdischen Mitbürgern. Außerdem half sie, Verstecke für sie zu organisieren. Sonja und Philine brachte sie wenig später nach Haarlem zu ihren Eltern, die sie damit einer riesigen Gefahr aussetzte, die ihre Tochter aber ohne Nachfrage unterstützten.

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T. C. Boyle: No Way Home

Der US-amerikanische Schriftsteller T. C. Boyle wird im Dezember dieses Jahres 77 Jahre alt. Inzwischen hat er dreißig Bücher geschrieben. Einige haben wir auf unserer Homepage besprochen. Zuletzt die Storys unter dem Titel „I Walk Between the Raindrops“ aus dem letzten Jahr. Am 16. September 2025 ist Boyles neuer Roman „No Way Home“ im Carl Hanser Verlag erschienen. Dirk van Gunsteren hat ihn aus dem Englischen übersetzt.

Zwei Männer und eine Frau in einer Kleinstadt in der Wüste Nevadas

In sieben Kapiteln erzählt T. C. Boyle die Dreiecksgeschichte zwischen Terrence, Bethany und Jesse. Dabei wechseln die Perspektiven der Figuren von Kapitel zu Kapitel. Boyle beginnt mit Terrence (Terry) Tully, einem Arzt Anfang dreißig, der in einem Krankenhaus in Los Angeles arbeitet. Der Krankenhausalltag ist stressig und belastend. Terrences Mutter verstirbt plötzlich und er muss sich um ihren Nachlass kümmern. Die Mutter lebte in Boulder City, Nevada, einer kleinen Stadt am Rande der Wüste. Sie hinterlässt ihm ihr kleines Haus und ihre Hündin Daisy. Bei einem ersten Besuch in Boulder City lernt Terrence die schöne Bethany in einer Bar kennen. Aber auch ihren Ex, den High-School Lehrer und Motorradfahrer Jesse Peter Seeger. Terrence und Bethany schlafen miteinander. Wie selbstverständlich nistet sich Bethany im Haus von Terrys Mutter ein. Und dann hat Terrence einen Unfall.

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