Karen Sander: Der Sturm: Verachtet

Wo Sander draufsteht, ist auch Sander drin. Stimmt auch diesmal wieder, wenn sie uns wieder mitnimmt zu den Ermittlungen auf dem Darß.

Tom Engelhardt und sein Team sind noch immer mit dem Fall der beiden Skelette befasst, die bei einer Sturmflut am Kliff freigelegt worden waren. Noch ist die Identität der Toten nicht geklärt. Auch eine CD, die bei den Skeletten gefunden worden war, konnte bisher nicht entschlüsselt werden. Mascha Krieger, Kryptologin vom LKA in Schwerin ist es bisher nicht gelungen an die gespeicherten Daten zu kommen. Sie geht nicht ganz legale Wege, um weiterzukommen, aber das sind sowohl ihr Chef in Schwerin als auch Tom Engelhardt bereits gewohnt. Ebenso wie Mascha die Standpauken in Kauf nimmt, die sie sich mit ihren Alleingängen oft einhandelt. Bisher hatte sie ja auch immer Erfolg und damit im Nachhinein oft eine Rechtfertigung. So auch diesmal, denn nachdem sie die Daten auf der CD auslesen konnten, nimmt der Fall eine völlig neue Wendung. Gleichzeitig zum Fall der Skelette vom Kliff müssen sich die Kollegen aber noch mit mindestens einem weiteren Fall beschäftigen, in den Mascha auch ganz persönlich verwickelt ist. Es geht um einen Stalker, der junge Frauen bedroht.

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Laurie Forest: Black Witch: Prophezeiung

Elloren Gardner ist gerade einmal drei Jahre alt, als ihr Onkel, bei dem sie und ihre Brüder aufwachsen, sie alleine mit in den Wald nimmt. Auf einer einsamen Lichtung drückt er ihr einen Holzstab in die Hand, stellt eine Kerze auf, die sie anvisieren soll, und dann darf sie einige merkwürdige Wörter wiederholen. Das nächste, an das sie sich erinnert, ist die Flucht mit ihrem Onkel vor dem den Wald verzehrenden Feuer. Ihr Onkel bläut ihr ein, nur ja niemanden von dem Vorfall zu erzählen.

Jahre später, sie ist 17, kommt ihre Tante ins einsam gelegene Dorf. Sie, die einzige Frau im hohen Rat, will ihre Nichte verwinden (vermählen) – möglichst mit einem der jungen, aufstrebenden Magier des Ratnachwuchses. Einst, drei Generationen ist es her, hat Ellorens Großmutter, die schwarze Hexe Carnissa den Reichskrieg mit ihren sagenumwobenen Kräften für die Gardnerier entscheiden – jetzt soll ihre Enkelin, zur Zementierung der Macht des Rates, beitragen. Obwohl sie ihrer Großmutter äußerlich gleicht, hat sie ein Manko – sie hat – offiziell zumindest – keine magischen Fähigkeiten.

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Naoise Dolan: Das glückliche Paar

Wenn zwei ihre Hochzeit feiern, hört man häufig den Satz vom schönsten Tag im Leben. Kann es danach nur noch weniger schön werden, wenn das junge Ehepaar nach vorne schaut? Bei dem ungleichen Paar Celine und Luke gab es in der dreijährigen Beziehung schöne und glückliche Momente. Der bindungsscheue Luke glaubt, inzwischen sei er so weit, ein Verlobter und Bräutigam zu werden. Und Celine glaubt, in ihrem Pianistinnenleben könne es auch einen Platz für Luke geben.

Die irische Autorin Naoise Dolan studierte in Dublin und Oxford englische Literatur. Ihr Debüt „Aufregende Zeiten“ wurde international ein Erfolg und für diverse Preise nominiert. Mit ihrem zweiten Roman spielt die inzwischen in Berlin wohnende Autorin mit dem Thema Beziehung zwischen zwei Menschen. Kann ein glückliches Paar in der heutigen Zeit funktionieren, wenn alte Rollenbilder nicht passen wollen und das verbindlich Unverbindliche den Alltag bestimmt? Das alte Model Mann – Frau, Patriarch – Mutter steht für ein Abhängigkeitsverhältnis, das der freien Entfaltung und Karriere entgegenwirkt.

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Nicola Förg: Zornige Söhne

Kommissarin Irmi Mangold und ihre Kollegen ermitteln wieder. Im 15. Band der „Alpenkrimi“-Reihe von Nicola Förg wird einmal mehr gemordet. Das Opfer heißt Joshua Heiligensetzer, wurde zweiundzwanzig Jahre alt und durch einen Schuss ins Herz getötet. Der junge Mann bewachte bei Nacht eine Baustelle, an der seine Tante einen Hausumbau durchführen lässt. Es hat in der Gegend Baumaterial-Diebstähle gegeben. Joshua sollte verhindern, dass am Haus seiner Tante etwas gestohlen wird. Irmi und ihre Kollegin Kathi machen sich an die Arbeit.

Sie finden heraus, dass sich der junge Mann im Internet mit seinem Vater, einem berühmten Schriftsteller „gebattled“ hat. Sie haben sich heftige Wortgefechte über aktuelle Themen geliefert wie die Klimakrise oder auch darüber, dass die Vätergeneration, die sogenannten „Boomer“, geboren zwischen 1957 und 1969, den Planeten zugrunde konsumiert haben und es immer noch tun. Eine große Fan- oder Hatergemeinde, je nach Perspektive, hat die Vorgänge kommentiert. Joshuas Eltern haben sich schon vor längerer Zeit getrennt. Hat der Vater seinen Sohn getötet?

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Anne Lück: Versprich mir morgen

Mit „Versprich mir morgen“ hat Anne Lück ihre sogenannte „Berlin-in-Love-Dilogie“ gestartet – und wie ich finde, durchaus erfolgreich.

Von Anfang an ist man mitten dabei, wenn Alica – die zentrale Figur in diesem New-adult-Roman  –  ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen landet, der keineswegs federt, sondern ihr alles abverlangt, was sie zu geben bereit ist. Alica steht das Leben offen, sie hat ihr Abitur in der Tasche, kommt aus einem Elternhaus, in dem Geld keine Rolle spielt, ein Studium an jeder renommierten Universität der Welt stünde ihr offen. Ihr Vater wünscht sich nichts mehr als sie in die Welt hinaus ziehen zu lassen und an einer Elite-Uni den Grundstein zu einer tollen Karriere legen zu sehen. Ihr Vater! Alica wünscht sich das alles nicht. Sie will eine Krankenpflege-Ausbildung machen und glücklich damit werden, Menschen zu helfen.

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Miles Cameron: Artifact Space

Zwar stammt sie aus einer Patrizierfamilie, doch so wirklich viel hat Marca Nbaro diese Tatsache in ihrem jungen Leben bislang nicht gebracht. Nachdem ihre Eltern, zusammen mit den meisten Verwandten, bei einem Piratenüberfall ermordet wurden, hat der DMK sie in ein Waisenhaus gegeben. Eigentlich sind diese dafür da, den Nachwuchs für die Handelsmarine heranzuziehen, de facto aber streicht die Familie, die über die Waisenhäuser wacht, das Geld ein und verkauft die jungen Menschen in die Sklaverei.

Doch nicht mit Nbaro – zwar sorgt der Leiter des Hauses dafür, dass sie die Prüfung versiebt, die Fähigkeiten eines Hackers verdankt sie es dann, dass sie sich dennoch als Fähnrich an Bord der Athen, einem der wenigen, alten Riesenschiffe wiederfindet. Nur diese haben die technische Fähigkeit derartige Distanzen zu überwinden, um in Tradepoint, dem einzigen Außen- und Handelsposten das mehr als lukrativen Geschäft mit den Aliens und deren Xenoglas abzuwickeln.

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Amelie Fried: Der längste Sommer ihres Lebens

Spannungsarmer Roman um drei Frauen und zu viele Themen

Dass sich dieser Roman des Themas Klimawandel annimmt und ein tatsächliches Ereignis rund um die Klimaaktivisten aufgreift, ist noch das Beste daran. Ansonsten bietet er wenig Überraschendes, schablonenartige Figuren und vor allem viele Klischees.

Claudia Berner führt in x-ter Generation ein Autohaus in einer überschaubaren Kleinstadt. Daneben arbeitet sie als Stadträtin und will nun Bürgermeisterin werden. Ihr Mann Martin ist in ihrem Autohaus angestellt und sie hat eigentlich vor, ihn, sollte sie gewählt werden, zum Geschäftsführer zu machen. Claudias Mutter Marianne hat jedoch schon immer Vorbehalte gegen ihren Schwiegersohn und mischt sich immer wieder in die Geschäfte ein.

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Jussi Adler-Olsen: Verraten

Da ist es nun: das große Finale. Der zehnte und letzte Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen von Jussi Adler-Olsen. Am 21. März 2024 erschien „Verraten“ bei dtv. Hannes Thies übersetzte den Thriller (wie auch die gesamte Reihe) aus dem Dänischen.

Carl Mørck und die Vergangenheit

Und wie zu erwarten, setzt Jussi Adler-Olsen auf „großes Kino“. „Verraten“ wird dem, dies sei schon einmal „verraten“, aber nur teilweise gerecht.

Es ist Weihnachten 2020, Carl Mørck muss ins Gefängnis. Schuld ist der alte Koffer auf dem Dachboden, den sein Kollege Anker Høyer ihm vor Jahren zur Aufbewahrung gab. Nun wird Carl Mørck des Drogenhandels, der Korruption und des Mordes verdächtigt. Im Gefängnis beginnt ein Spießrutenlauf für den Kommissar. Von seinem schwer enttäuschten Chef Marcus Jacobsen, dem Leiter der Mordkommission, kann er keine Unterstützung erwarten.

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Bernardine Evaristo: Zuleika

Grotesk, genial, genreübergreifend. Was Booker-Prize Trägerin Bernardine Evaristo da zu Papier gebracht hat, fordert Lesegewohnheiten heraus und feiert die Fabulierkunst in all ihren Facetten.Zuleika liest sich so, als ob eine Rapperin Aristoteles und Shakespeare zu einem literarischen Stelldichein einladen würde. Die Form des Plots ist in Versen, in Paarzeilen, mit Enjambements (Zeilensprüngen) geschrieben.

Evaristo springt nicht nur durch Genres und Zeilen, sondern durch ganze Geschichtsepochen. Der Roman spielt in London des Jahres 211 n. Christus. Doch Zuleika kommentiert ihre Umgebung so rotzfrech und modern, dass der Plot genauso gut von einer Influencerin im heutigen New York verfasst sein könnte. Ein herausragendes Werk, welches beweist, dass Sprache auch im Zeitalter von ChatGPT noch richtig Spaß machen kann.

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Dani Atkins: Was die Sterne dir schenken

Dani Atkins Romane stehen für gefühlvolle und dramatische Geschichten, in denen Frauen wichtige Entscheidungen für ihr Leben treffen. In ihrem Roman „Was die Sterne dir schenken“ steht die tiefe Verbindung zweier Schwestern im Zentrum, die in der gleichen Petrischale künstlich befruchtet worden sind und im Abstand einiger Jahre zur Welt kamen. Sie fühlen wie Zwillinge und sehen zum Verwechseln ähnlich aus. Trotzdem sind beide in ihrem Wesen grundverschieden.

Die Geschichte beginnt mit Amelias Rettung, bei der zwei Ärzte sie zufällig unterkühlt und leblos am Strand von Somerset finden und zurück ins Leben holen. Als die in New York wohnende Lexi erfährt, dass ihre Schwester auf der Intensivstation liegt, lässt sie alles hinter sich: ihren Partner, den Job beim Verlag und die anstehende Beförderung, für die sie viel geopfert hat.

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