Susanne Esser: Fräulein Liebe und das Glück der Bücher

Lassen Sie sich von Titel und Cover nicht irritieren. Auch wenn es nach seichtem Roman klingt, ganz so ist es nicht. Klar, es ist ein Roman, die Inhalte überwiegend fiktiv, aber dennoch basierend auf realem Hintergrund. Die Autorin selbst ist gelernte Buchhändlerin, was erklärt, dass eine Buchhandlung der wichtigste Ort des Geschehens ist. Mal ein ganz anderer Hintergrund für eine Geschichte, die mehr ist als die Romanze zwischen zwei jungen Leuten.

Geschildert wird das Schicksal einer jungen Frau, die bei einem Bombenangriff auf Berlin ihre komplette Familie verliert und plötzlich vor dem Nichts steht. Wenige Tage zuvor hatte sie sich verlobt, aber Alfred musste unmittelbar danach an die Front. Bei seiner Familie findet Eva zunächst eine Unterkunft. Als allerdings die Nachricht kommt, dass Alfred gefallen ist, setzt sein Vater Eva vor die Tür. Die Eltern wollen nichts mehr mit ihr zu tun haben. Wohin jetzt? Die einzige Verwandtschaft, die Eva noch hat, kennt sie so gut wie gar nicht, sie weiß lediglich, dass Onkel August eine Buchhandlung in Andernach betreibt. Ganz auf sich allein gestellt macht Eva sich auf den gefährlichen Weg an den Rhein, vorsichtshalber in Männerkleidung und mit kurz geschnittenen Haaren.

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Cecilia Rabess: Alles gut

Turbulente Liebesgeschichte aus der Welt der Finanzhais – nicht das Besondere, das man erwartet

Am Ende ist dieser Roman auch nur eine Liebesgeschichte, mit dem üblichen Hin und Her, den Missverständnissen und aufgeblähten Problemchen – nicht unähnlich den Büchern von Ali Hazelwood, wenn auch ohne deren ausschweifende Sexszenen.

Der Unterschied ist lediglich, dass hier die Protagonistin eine Schwarze Frau ist, die eine für Leute ihrer Hautfarbe und für ihr Geschlecht unübliche Karriere anstrebt. Und somit, auch das wenig überraschend, mit den üblichen Schwierigkeiten, Vorurteilen und männlichen Überheblichkeiten zu kämpfen hat.

Jess begegnet an ihrem ersten Arbeitstag bei Goldman Sachs ihrem ehemaligen Studienkollegen Josh wieder. Dieser, obwohl er zunächst mal keine wesentlich andere Ausbildung hat als sie, bekommt mehr Unterstützung, wird gefördert, ergattert die wichtigen und großen Aufträge. Während ihr wenig mehr als Sekretärinnentätigkeiten zugewiesen werden.

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Mareike Fallwickl: Und alle so still

Die österreichische Schriftstellerin Mareike Fallwickl (Jahrgang 1983) hat 2022 mit ihrem Roman „Die Wut, die bleibt“ ein sehr erfolgreiches Stück Gegenwartsliteratur geschaffen. Nun erschien am 16. April 2024 „Und alle so still“ bei Rowohlt Hundert Augen. Es knüpft an ihren letzten Roman an, ist jedoch noch ein Stück radikaler und aufwühlender.

Mareike Fallwickl stellt in „Und alle so still“ drei Protagonisten in den Mittelpunkt ihrer Geschichte. Zunächst ist da die Anfang zwanzigjährige Elin, die mit ihrer Mutter Alma in einem Wellness-Hotel lebt, das von ihrer Mutter gemanagt wird. Elin selbst ist erfolgreiche Influencerin mit 1,2 Millionen Followern. Allerdings macht ihr das Leben auf Social Media immer mehr Stress. Sie hat Sex mit zahllosen Männern. Einer davon fickt sie ohne Kondom. Fortan begleitet sie die Furcht vor einer Schwangerschaft.

Nuri ist neunzehn, hat die Schule abgebrochen und schlägt sich als Fahrradkurier, „Bettenschubser“ im Krankenhaus und nachts als Aushilfe in einer Bar durch. Er wohnt bei seinen Eltern, die in Sprachlosigkeit und Schweigen versunken sind.

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Alexandra Rowland: Der Geschmack von Gold und Eisen

Es ist schon eine Krux, wenn man in der Thronfolge auf Platz drei steht. Die ältere Schwester dient dem Reich als Sultanin, ihre Tochter ist die Thronerbin, ich selbst der Ersatz auf der Auswechselbank.

Allerdings bin ich darüber nicht wirklich böse. Ich bin von eher zurückhaltendem Wesen – so drücken das meine Lehrer zumindest vornehm aus – und wenn ich unter Stress gerate, dann überkommen mich Panikanfälle. Eigentlich bin ich peinlich, unnütz, eine Belastung für das Reich und die Sultanin.

Just, als meine Nichte geboren wird, brechen Unbekannte in das Gildenhaus ein und stehlen wichtige Unterlagen. Der Reichtum unserer Nation ruht auf zwei Säulen – unsere Fähigkeit, als Einzige Schiffe zu bauen, die auch während der Laichzeit der Seeschlangen sicher die Meere überqueren können, und unseres Reichtums der harten Währung. Unsere Münzen haben immer einen Goldgehalt von 986 Teilen puren Goldes – dafür stehen wir mit unserem guten Namen ein.

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Elizabeth Wein: Code Name Verity 

Die gläserne Wand war überall. Maddie und Julie lebten auf der einen Seite, die eine in England, die andere auf einem schottischen Schloss. Trotzdem hatten sie etwas Gemeinsames: Sie sahen beide, was auf der anderen Seite der gläsernen Wand geschah. Sie sahen, wie Männer mit einer Selbstverständlichkeit ihre beruflichen Perspektiven ausloteten.

Dann kam der Zweite Weltkrieg. Die gläserne Wand öffnete sich für mutige Frauen. Die technik- und motorenbegeisterte Maddie durfte endlich ihren Traumberuf, den einer Pilotin, erlernen. Und Julie entdeckte für sich das Agentenleben. Sie liebte es, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Die beiden ungleichen jungen Frauen lernen sich während ihrer Ausbildung kennen und schätzen. Es folgten die ersten Einsatzbefehle. Aus der Theorie des Krieges wurde blutiger Ernst.

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Sarah Brown: Katzen und ihre geheime Sprache

Sie sind die beliebtesten Haustiere Deutschlands. Rund 15,7 Millionen Katzen teilen hierzulande das Sofa mit ihren Zweibeinern. Auf dem Weg dorthin mussten Katzen über sich selbst hinauswachsen: Katzen haben im Gegensatz zu Hunden, deren Vorfahren bereits in sozialen Rudeln lebten, eine gewaltige kommunikative Metamorphose hinter sich. Sie entwickelten sich von den solitär lebenden Einzelgängern, die überwiegend aus der Distanz über Duftmarken kommunizierten bis hin zu den miauenden, schnurrenden Fellknäueln von heute. Katzen haben nicht nur für den Menschen neue Signale entwickelt, sondern auch für ihre eigene Spezies. Und das machen perfekt! Beispiel: Ihr Miauen bewegt sich auf einer Frequenz von 604 Hertz und ist damit nahezu identisch mit der Frequenz von Babyweinen. Wildkatzen wie Ozelot oder Jaguar können sogar die Rufe von Vögeln nachahmen, um sie anzulocken. Sie sind ein Erfolgsbeispiel der Evolution, ein Meister der Anpassung. Das macht Mut und begeistert. Ganz egal, ob man ein Fan der grazilen Samtpfoten ist oder nicht.

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Ashley Audrain: Das Geflüster

Die kanadische Autorin Ashley Audrain (Jahrgang 1982) schrieb in ihrem 2021 auf Deutsch erschienen Debütroman „Der Verdacht“ über eine Mutter, die ihre neugeborene Tochter ablehnt. Nun veröffentlichte der Penguin-Verlag am 24. April 2024 ihren zweiten Roman „Das Geflüster“. Aus dem Englischen übersetzt wurde er von Lotta Rüegger und Holger Wolandt.

Zu diesem Roman haben unsere Rezensenten Sabine Sürder und Olivia Grove ganz unterschiedliche Meinungen. Wir veröffentlichen hier beide. Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung in den Kommentaren unten mit.

Sabine Sürders Besprechung fällt so aus:

Gossip im Großstadt-Viertel

Im Buch finden wir vier Frauen aus einem früher von Portugiesen bevorzugtem Viertel einer US-amerikanischen Großstadt. Whitney, Blair, Rebecca und Mara leben mit ihren Ehemännern in kleineren oder größeren Häusern mit oder ohne Kinder.

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Susanne Popp: Loreley: Die Frau am Fluss

Keine Angst, es ist kein weiterer Mythos um den sagenumwobenen Felsen oberhalb des Rheins, den wir da vor uns haben.

Die berühmte Loreley bildet sozusagen den Rahmen, in dem sich die Geschichte um Juliane, genannt Julie und Johann abspielt. Gleichzeitig ist sie aber auch Schauplatz eines traurigen Höhepunktes der Romanze zwischen beiden. Auch wenn Susanne Popp nicht den Anspruch erhebt, einen historischen Roman geschrieben zu haben, so orientiert sie sich doch an den Fakten der Zeit und gibt einen guten Einblick in das Leben der Menschen am Rhein im 19. Jahrhundert.

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Werner Rohner: Das Märchen vom Meerchen

Der wunderbare Titel „Das Märchen vom Meerchen“ verspricht eine wundervolle Geschichte, die sicherlich viele neugierig machen dürfte. Worum geht es hier?

Man stelle sich einen schattigen Parkplatz vor einem großen Einkaufszentrum vor. Und ganz am Rand, unter einer Baumkrone lebt eine Pfütze. „Sie war mal größer oder kleiner, mal tiefer oder fast ausgetrocknet – je nach Wetter und Witterung.“ (S. 1)

Als eines Tages ein weitgereister Regentropfen der kleinen Pfütze erzählt, er käme vom Meer, da ist ihre Neugier geweckt. Da will sie auch hin. Sie will auch groß und schön und blau und tief sein wie das Meer.

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Trude Teige: Und Großvater atmete mit den Wellen

Prequel zum Vorgängerroman – schmonzettenartige Geschichte um Liebe und Kriegsgefangenschaft

Das ist so oft das Problem mit dem Anschließen wollen an vorigen Erfolg: Es gelingt eben nicht immer. In dem letztes Jahr erschienenen Band erzählte Trude Teige die Geschichte von Tekla, ihrer Tochter Lilla und ihrer Enkelin Juni. Jener Roman war spannend und vor allem berichtete er von einem unbekannten Stück Historie aus dem zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.

Nun, so laut Vor- und Nachwort, möchte Juni uns von ihrem Großvater Konrad erzählen, von seinen Erlebnissen in Asien während des Krieges. Er gerät erst in Seenot, gelangt halb tot an Land, kommt ins Krankenhaus und begegnet dort der Krankenschwester Sigrid. Schließlich geraten beide in japanische Gefangenschaft, wie auch Konrads Bruder Sverre.

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