Alexander Schwarz: Bertha Benz und die Straße der Träume

Wer den Namen „Bertha Benz“ hört, denkt sicher gleich an die erste Autofahrt der Welt. 1888 war es die Ehefrau des Erfinders und Ingenieurs Carl Benz, die dem ersten selbstfahrenden Wagen zum Durchbruch verhalf. Bertha hatte es einfach satt, dass ihr Mann über Jahre und Jahrzehnte an einem Projekt tüftelte und feilte, Zeit und damit auch wertvolles Geld investierte, ohne dass es je zu einem Ende kam. Carl war voller Ideen und machte viele Erfindungen, aber mit Geld konnte er nicht umgehen und an Unternehmergeist fehlte es ihm.

Ohne Bertha wäre seine Firma mehr als einmal pleite gegangen. Das Leben an Carls Seite ist für Bertha nicht leicht. Wäre ihre Liebe nicht so stark, wäre sie sicher verzweifelt. Bertha glaubt an den Erfolg ihres Mannes. Immer wieder steht sie ihm zur Seite, steht harte und entbehrungsreiche Zeiten mit ihm durch, bis hin zur Pfändung all seiner Maschinen und Werkzeuge durch den Gerichtsvollzieher. Carl steht wieder einmal vor dem Nichts, kann nur noch kleine Aufträge annehmen und muss alles von Hand machen. Bertha ermutigt ihn, weiterzumachen. Von nun an kümmert sich Bertha um alles Finanzielle. Mit zwei Geschäftsleuten, die an Carls gute Arbeit glauben und in seine Firma investieren, geht es wieder aufwärts. Allerdings sehen die beiden es nicht gerne, dass Carl viel Zeit auch weiterhin an die Entwicklung seiner selbstfahrenden Maschine verschwendet.

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Isabel Allende: Der Wind kennt meinen Namen

Die inzwischen über achtzigjährige, weltberühmte chilenische Schriftstellerin Isabel Allende schreibt und schreibt und schreibt. Am 15. April 2024 ist ihr neuer Roman „Der Wind kennt meinen Namen“ im Suhrkamp Verlag erschienen. Svenja Becker übersetzte ihn aus dem Spanischen.

Von 1938 bis 2020 – Flucht vor Terror und Gewalt

Isabel Allende erzählt in „Der Wind kennt meinen Namen“ die Geschichte zweier Kinder, die ihre Eltern verlieren. Da ist zum einen der sechsjährige Samuel Adler, der Sohn eines jüdischen Arztes, der 1938 mit einem Kindertransport aus dem österreichischen Wien nach England gebracht wird, um ihn vor den Nazis zu retten. Er wächst in England bei Pflegefamilien auf und sieht seine Eltern nie wieder. Dafür entdeckt er seine Leidenschaft für die Musik. 1958 geht er nach New Orleans, um sich mit Jazz zu beschäftigen. Dort lernt er Nadine LeBlanc kennen und heiratet sie später. Sie leben in einer alten Villa in Berkeley, wo Samuel an der Universität lehrt und Nadine ihren künstlerischen Neigungen folgt.

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Maz Evans: Over My Dead Body

Als die unausgeglichene Ärztin mit Alkoholikerhintergrund Miriam Price tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, sind sich alle einig: Tod durch Missgeschick. Ein Rückfall zum Trinken, zu viele Schlaftabletten und ein trauriges, aber logisches Ende für die kluge, aber unausstehliche Frau. So denkt der Voruntersucher bei Gericht, so denken Ehemann, Freunde und Familie.

Miriam denkt das nicht. Sie weiß: Sie wurde ermordet. Und nun muss sie es beweisen. Zu blöd, dass ihre alte Nachbarin und ehemalige Erzfeindin Winnie die einzige ist, die sie sehen kann. Um nicht die nächsten fünfzig Jahre in einem Zwischenzustand gefangen zu sein und endlich in die Eternity übergehen zu können, muss Miriam trotzdem dringend herausfinden, wer sie ermordet hat.

Nur leider war sie in ihrem Leben nicht nur eine begabte Ärztin, sondern auch eine sehr verbitterte Frau mit mehr Feinden, als sie aufzählen kann. Ein lustiger, trauriger und emotionaler Wettlauf gegen ihren eigenen Mörder beginnt – und dieser hat nicht zum letzten Mal getötet …

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Rick Riordan: Percy Jackson 06: Der Kelch der Götter

Da sind wir wieder – gestatten, dass ich mich erneut vorstelle (ich weiß ja, dass ihr alle mich schon kennt, aber Höflichkeit und so weiter) Percy Jackson der Name, Halbgott, Sohn von Poseidon und mehrfacher Weltenretter.

Das hilft mir nur leider nicht sonderlich viel, wenn ich auf das College in Neu-Rom gehen will. Zeus hat entschieden, dass er mich nur zulässt, wenn ich ihm neben dem Abschlusszeugnis (auch so ein gewisses Problem) auch noch drei Empfehlungsschreiben von Göttern präsentiere.

Eigentlich kein Problem sollte man meinen, ich habe ja für die vom Olymp schon oft genug die Kohlen aus dem Feuer geholt, nur dass ich für jedes Schreiben einen neuen Einsatz leisten muss!

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Claire Keegan: Reichlich spät

Die Frau in den Augen eines Mannes – erschreckende Erzählung aus Irland

Die Bücher dieser irischen Autorin sind immer etwas ganz Besonderes. Bei ihr sitzt jedes Wort, jedes Bild ist präzise gewählt, jeder Satz eine Aussage, die in Erinnerung bleibt.

Das gilt natürlich genauso für dieses neue schmale Bändchen, das nicht mehr ist als eine Erzählung. Gerade einmal 55 mit großer Schrift bedruckte Seiten umfasst diese Geschichte, in der es um einen Mann und sein Frauenbild geht.

Wir begleiten diesen Mann auf dem Weg in seinen Feierabend, folgen seinen Gedanken während der Busfahrt, beobachten ihn beim Essen und Trinken. Und wir erleben seine Erinnerungen an die Frau, die er eigentlich an diesem Tag heiraten wollte.

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Charlotte Jacobi: Blütenweiße Träume

„Onkel Hugo hat mir erzählt, dass ihr an etwas forscht, das meiner Oma beim Waschen hilft. Damit sie nicht mehr so schrumpelige Hände hat.“ …. „Es heißt Natriumperborat, zusammen mit dem Natriumsilikat, das ist das Wasserglas, das Fritz Henkel senior früher verkauft und damit seine Firma begründet hat, sowie Soda und Seife entsteht eine Mischung, die dafür sorgt, dass die Wäsche ganz von selbst sauber wird.“
„Wasserglas“ das war für mich bisher ein Glas, aus dem man Wasser trinkt.

Dass das auch ein Begriff in der Chemie ist, habe ich in diesem Roman über die Familie Henkel und die Entstehung des  Waschmittels „Persil“ erfahren. Genau wie ich einiges gelernt habt über die Herkunft des ein oder anderen Begriffs, zum Beispiel: blaumachen. „Blaumachen“ ist ein Begriff, der beim Stoffe färben entstanden ist. Damit die Stoffe, die vorher mit möglichst alkoholhaltigem Urin gefärbt worden waren (ja, wirklich mit Urin! Der übrigens auch zum Waschen genutzt wurde), blau wurden, mussten sie in der Sonne trocknen. In dieser Zeit hatten die Färber Pause und konnten „blaumachen“.

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Ann Leckie: Der Rabengott

Willkommen im Königreich Iraden. Hier sind die Büger sicher, werden sie doch von dem Rabengott und seinem menschlichen Statthalter geschützt. Stirbt der Rabe – nicht der Gott, das versteht sich ja von selbst, sondern seine Personifizierung – dann muss der Statthalter ebenso sterben und sein Nachfolger übernimmt zusammen mit einem neuen Raben das Amt. Man kann sich vorstellen, dass die Bewerbungen für das Amt nicht eben deren viele sind, zumeist rekrutieren sich die Statthalter aus einer Familie, die Nachfolger werden zeit ihres Lebens auf ihre Tätigkeit vorbereitet.

Mawat ist der nächste Nachfolger. Zunächst verdiente er sich an der Grenzen zum aggressiven Nachbarreich Meriten, jetzt kehrt er, begleitet von seinem Freund Eolo, in die Hauptstadt Vastai zurück – nur um zu sehen, dass sein Vater verschwunden und sein Oheim auf seinem Platz sitzt!

Das ist etwas, das er weder begreifen noch akzeptieren kann. Als Eolo dann im Turm der Raben noch auf ein Geheimnis stößt, wird es so richtig interessant …

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Andreas Wagner: Wie Treibgut im Fluss

Bewegender Familienroman über weniger bekannte historische Begebenheiten

Ein Roman um Freundschaft und Trennung, um Tradition und Religion, um Aufbegehren und Unterordnen und um Familie und ihre Generationen.

Tief in die Vergangenheit blickt Ich-Erzähler Niklas, um die Geschichte seiner Familie zu ergründen. In der unausgesprochenen Hoffnung, dass sie ihm hilft, sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen, seinem Sohn ein guter Vater zu sein.

Vor fast 300 Jahren beginnt die Geschichte, sie beginnt mit den armen Bauern im Hunsrück, die einer Schimäre nachjagen, als sie davon träumen, nach Amerika auszuwandern, nach Pennsylvanien. Gegen den Willen seiner Frau Catharina schließt sich Peter der Auswanderergruppe an. Doch sie kommen nicht weit. Die Niederlande lassen die Menschen nicht einreisen, nicht durchreisen zum Hafen. So landen sie am Niederrhein, können nicht vorwärts und nicht zurück, beginnen hier zu siedeln.

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Blaise Hofmann: Die Kuh im Dorf lassen

Blaise Hofmann wurde 1978 in der französischsprachigen Schweiz geboren. Seine Eltern waren Bauern. Er hat über zehn Bücher geschrieben und unterrichtet am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, aber immer wieder zieht es ihn zurück in die Landwirtschaft. In seinem neuesten Werk „Die Kuh im Dorf lassen oder die Herausforderungen einer nachhaltigen Landwirtschaft in der Schweiz“ macht er sich Gedanken darüber, was sich in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Oftmals nicht zum Guten. In Hofmanns Buch steckt viel Herzblut. Er lässt keinen wunden Punkt unerwähnt, lässt kein kritisches Thema aus. Die Verschuldung der Bauern wird skizziert, ihr Faible für riesige Landmaschinen, die man nur schwer reparieren kann. Die Einsamkeit der Bauern wird angesprochen. Es gibt nur mehr wenig von ihnen in den Dörfern und die sitzen tagelang alleine auf dem Traktor.

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T. J. Klune: Die Außergewöhnlichen

Nick Bell ist sechzehn – kein wirklich einfaches Alter, das wissen alle, die diesen Meilenstein bereits hinter sich gelassen haben. Nick aber hat es noch schwerer, als seine Altersgenossen.

Seine Mutter ist tot, sein Dad bei der Polizei – und er hat mit 15 sein Coming-out gehabt. Ja, Nick ist schwul – eigentlich hat sein Vater wirklich gut und verständnisvoll reagiert, nur, dass er gleich auf geschützten Sex zu sprechen kam, war ja aber auch so etwas von peinlich!

Nick wohnt in Nova City, einer Stadt, in der sich zwei Superhelden gegenseitig jagen.

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