Chris van Tulleken: Gefährlich lecker

Augenöffnende Pflichtlektüre

Na, wie oft wirfst du einen Blick auf die Inhaltsstoffe der Zutatenliste deiner Pausensnacks? Schockierend, oder? Nahezu alles, was wir essen, ist kein Essen. Es ist eher eine industriell hergestellte, essbare Substanz. Der Originaltitel des Buches „Ultra-Processed People: The Science Behind the Food ThatIsn’t Food“ könnte passender nicht sein. Wer einen staubtrockenen und gähnend langweiligen Ratgeber erwartet, wird enttäuscht, denn „Gefährlich lecker“ von Chris van Tulleken ist überraschend unterhaltsam geschrieben. Beinah süchtig machend.

„Wenn es in Plastik verpackt ist und mindestens eine Zutat enthält, die man nicht in einer normalen Haushaltsküche findet, handelt es sich um ein HVL.“ (S. 17; HVL = hochverarbeitete Lebensmittel)

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Ursel Braun: Unangepasst. Künstlerinnen und ihre Kleider

Ursel Braun porträtiert in „Unangepasst“ eine Reihe großer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und legt das Hauptaugenmerk auf ihre Garderobe. Durch Kleidung kann man den Fokus der Gesellschaft auf sich richten, man kann damit provozieren oder sich darin verstecken. Josephine Baker, die bis zu ihrem achten Lebensjahr keine Schuhe besitzt, erlangt Bekanntheit, weil sie in jungen Jahren bei ihren Auftritten kaum etwas trägt und sich später umwerfend elegant kleidet.

Die Modejournalistin Helen Hessel fällt durch ihren androgynen Look auf, die Malerin Georgia O´Keeffe zieht sich in ihre minimalistischen schwarzen Textilien zurück. Einige der Damen designen oder nähen ihre Garderobe selbst, andere greifen Trachten, Farben, Styles indigener Völker auf und Louise Nevelson durchwühlt förmlich die Flohmärkte New Yorks, um extravagante Fundstücke kreuz und quer und kunterbunt zu eigenwilligsten Kreationen zu kombinieren.

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Marie Benedict: Die einzige Frau im Raum

Es gibt Lichtgestalten in der Geschichte, die ihrer Zeit weit voraus sind. Helle Geister, mutige Vorreiter, Menschen mit erweitertem Horizont. Hedy Lamarr war so eine Gestalt. Unter diesem Namen machte sie in Hollywood Karriere und wurde in den 40er Jahren als schönste Frau der Welt gehandelt. Wohingegen wenig über Hedwig Kiesler, die interessantere Frau hinter der Rolle bekannt ist. Über die Erfinderin, die Widerstandskämpferin, das Genie. Hedwig Kiesler hätte vieles sein können. Wenn sie nicht jüdisch und vor allem keine Frau in den 1930er und 1940er Jahren gewesen wäre. Das Problem an Lichtgestalten ist häufig, dass sie zu Zeiten leuchten, in denen ringsum noch Dunkelheit herrscht. Weshalb sie selten ein glückliches Ende finden.

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Orna Donath: #regretting motherhood

Die meisten von uns kennen keine Mutter, die offen ausspricht, dass sie die Mutterschaft bereut. Manchmal sagen Mütter zwar, dass sie die Freiheiten vermissen, doch darauf folgt dann sofort ein: „Aber ich würde mich trotzdem wieder so entscheiden“. Es gibt sie aber: Frauen, die sich nicht mit der Mutterrolle identifizieren können. Frauen, die diese Entscheidung bereuen. Frauen, die unter der Mutterschaft leiden. Dieses Gefühl ist gesellschaftlich jedoch so stark tabuisiert und stigmatisiert, dass es selbst in feministischer Literatur nur selten thematisiert wird.

Um diesem Tabu entgegenzuwirken, hat die Soziologin Orna Donath Forschungsarbeiten durchgeführt, in denen sie anonymisierte Interviews mit Müttern geführt hat, die lieber keine Mütter wären. Über die individuellen Erfahrungen dieser berichtet sie in dem Sachbuch „#regretting motherhood. Wie Frauen mit einem unerlaubten Gefühl leben“. Heranwachsende Personen, die noch nicht wissen, ob sie ein Kind haben wollen, sollten dieses Buch unbedingt lesen, um eine andere Sichtweise auf diese Thematik kennenzulernen. Für Mütter, die insgeheim nicht glücklich mit dieser Rolle sind, kann dieses Buch darüberhinaus einen wertfreien Raum schaffen, in dem sie endlich unter Gleichgesinnten sind.

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Jennette McCurdy: I´m Glad My Mom Died

Ich muss zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, als die Enkelin meiner Nachbarn in mein Freundebuch schrieb. Unter „Lieblingsserie“ notierte sie „iCarly“. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was das war, aber damit bin ich in meiner Generation ein Einzelfall. iCarly war eine der erfolgreichsten Kinderserien der frühen 2000er, produziert von dem Kinderunterhaltungs-Megakonzern Nickelodeon.

Die Hauptdarstellerinnen gelangten dadurch zu weltweiter Bekanntheit – und eine von ihnen ist Jennette McCurdy. Vor der Kamera spielt sie die durchgedrehte, witzig-zynische beste Freundin der Hauptdarstellerin. Hinter der Kamera ist sie ein traumatisiertes Kind, das von seiner Mutter missbraucht und emotional erpresst wird.

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CJ Hauser: Die Kranichfrau

Dieses Buch hat mein Lesen nicht unbeschadet überstanden. Als ich es wieder ins Regal stellte, zierten seine Seiten etliche Eselsohren. Jaja, ich weiß, vielen von euch wird das gar nicht gefallen. Für mich aber ist es ein Zeichen dafür, dass das Buch in vielen Momenten sehr intensiv zu mir gesprochen hat. „Die Kranichfrau“ von CJ Hauser ist genial. Ich bin absolut begeistert – um das an dieser Stelle schon einmal vorweg zu nehmen.

Die Autorin schreibt so klug und tiefsinnig, dass ich beinahe neidisch bin. Sie verknüpft sehr geschickt ihre Beziehungen zu Partner:innen und zu sich selbst mit Ereignissen aus ihrem Leben, die zu Metaphern werden für etwas größeres. So fragen wir uns gemeinsam, wieso sich Tracy im Film „Nacht vor der Hochzeit“ für diesen oder jenen Mann entscheiden muss, der sie als diese oder jene Frau sieht und sie durch die Verbindung der Ehe verspricht, zu dieser oder jener Frau zu machen. Wieso muss sie ÜBERHAUPT einen der Männer wählen und wieso ist die Entscheidung für oder gegen einen Partner auch eine Entscheidung, die man über sich selbst trifft? „Du bist eine Statue!“, sagt der eine. „Du bist eine Königin!“, sagt der andere.

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Friederike Emmerling, Julia Hagen u.a. (Hrsg.): Sag jetzt nichts, lass mich zu Ende reden!

Wie viele andere Frauen auch kann ich mich noch gut an das berühmte Buch von Christine Brückner erinnern, das den Titel hatte: Ungehaltene Reden Ungehaltener Frauen. An den Erfolg und vor allem an den Anspruch dieses Buches aus den 80er Jahren knüpft nun diese neue Sammlung ungehaltener Reden an: „Sag jetzt nichts, lass mich zu Ende reden!“

Im Gegensatz zum Vorbild, in welchem die Autorin damals fiktive Reden berühmter historischer Frauenfiguren veröffentlichte, handelt es sich beim vorliegenden Band, der von mehreren Autorinnen herausgegeben wurde, um eine Zusammenstellung von Reden heutiger realer Frauen, die einem entsprechenden Aufruf folgten.

Dabei sind Autorinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Mütter, Töchter, Großmütter und Enkelinnen. Es sind Reden von berufstätigen, erfolgreichen Frauen, von Ehefrauen und Singles, von Opfern von Missbrauch oder sexueller Belästigung, von Unterdrückung oder schlicht von Vergessen und Ignoranz.

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Bessel van der Kolk: Das Trauma in dir

Eines vorweg: Bessel van der Kolk ist Wissenschaftler und das Buch „Das Trauma in dir“ ist eine wissenschaftliche Abhandlung mit allem, was dazugehört. Es handelt sich also nicht um ein Selbsthilfebuch der Art: Mach dies, dann passiert das.

Dafür werden die Entstehung und Behandlung von Traumata sehr anschaulich und verständlich beschrieben. Was mich wirklich umgehauen hat, war die Beschreibung, dass man Traumata messen kann. Am Verhältnis von Herzschlag zu Atmung, am Verhalten der Gehirnströme und an einigen Immunanteilen im Blut. Die Erkenntnis war für mich überwältigend. Ich hatte den gleichen Oha-Effekt damals nach meinem ersten Rheumaschub, als nach etlichen Wochen von Selbstzweifeln und Diskussionen mit meinem Umfeld ein Arzt mir mitteilte, dass Muskelstärke selbstverständlich messbar wäre und man sich nicht auf die auf die subjektive Aussage des Patienten verlassen müsste. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich habe gerne was Messbares in meinem Leben. Und gerade bei einem sensiblen Thema wie Traumata und deren Auswirkungen finde ich das umso wichtiger, wenn man sich an was Objektivem festhalten kann.

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Thilo Wydra: Eine Liebe in Paris: Romy & Alain

Ich war etwa 12 Jahre alt, als im Fernsehen jeden Mittwoch ein Film mit Alain Delon kam. Ich war sofort schockverliebt. Inzwischen hat sich mein Beuteschema gewandelt, aber mich befällt noch immer eine leise Wehmut, wenn ich Alain Delon sehe. Daher war das Buch „Eine Liebe in Paris“ von Thilo Wydra für mich Pflichtlektüre.

Romy Schneider und Alain Delon begegnen sich im April 1958, als beide die Hauptrollen in dem Film „Christine“ spielten.  Sie war zu dieser Zeit schon eine bekannte Schauspielerin, die sich vor allem mit den „Sissi“-Filmen einen Namen gemacht hatte. Er war noch ein unbeschriebenes Blatt und hatte doch schon einiges erlebt. Folgerichtig erzählt Thilo Wydra im ersten Teil zwei Geschichten, die sich doch ähneln. Romy, die Tochter zweier Filmschauspieler (Magda Schneider und Wolf Albach-Retty), findet selten die Aufmerksamkeit ihrer Eltern.  Alain Delon wiederum fühlt sich nach der Scheidung seiner Eltern in beider neuen Familien eher als unwillkommener Störenfried.

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Susanne Lipps: Bücherorte

An diesem Buch kommt niemand, der Bücher liebt, vorbei. Man kann sich wunderbar hineinträumen in diese Bücherorte, die hier liebevoll mit Wort und Bild vorgestellt und beschrieben werden. Und man möchte sofort die Koffer packen und sie besuchen, die Buchhandlungen, die Bibliotheken in ganz Europa.

Dabei wusste ich peinlicherweise gar nicht, dass die UNESCO Literaturstädte und Hauptstädte der Bücher auswählt. Doch solche sind es, die in diesem sehens- und lesenswerten Buch zusammengestellt und gezeigt werden.

In drei Kapitel ist das Buch untergliedert. Das erste mit dem Titel „Stadtgeschichten“ stellt von Dublin bis Krakau, von Granada bis Lillehammer Städte vor, die sich (nicht nur) der Literatur verschrieben haben, Städte, in denen berühmte Schriftsteller und Schriftstellerinnen lebten und arbeiteten.

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