Die siebzehnjährige Sherry landet in einem Camp für straffällige Jugendliche – nach einer Tat, die ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Zunächst genießt sie es, an einem Ort zu sein, an dem niemand ihre Vergangenheit kennt, denn online ist ihr Leben ein offenes Buch. Seit dem Tag ihrer Adoption haben Sherrys Eltern jede Einzelheit aus ihrem Leben mit einem Millionenpublikum auf YouTube geteilt. Egal, wie es Sherry ging, egal, wo ihre Bilder und Videos anschließend landeten – die Follower durften nicht enttäuscht werden. Hier, in dem Camp mitten in der Sächsischen Schweiz, hat sie endlich das Gefühl, sie selbst sein zu können und nicht performen zu müssen. Als Sherrys neue Clique jedoch von ihrem Geheimnis erfährt, droht ihr Leben erneut in Flammen aufzugehen.
Brandaktuell und toll umgesetzt!
Zu dem Buch gegriffen habe ich wegen der Thematik: Family Influencing – Eltern, die ihr Familienleben mit Kindern bis ins kleinste Detail in sozialen Netzwerken teilen. Ich wollte wissen, wie das Ganze in einem Buch aufgearbeitet wird, und kann sagen: sehr gut. Die Darstellung war sehr erschreckend, aber gerade deshalb so wirksam, um möglichst viele Menschen auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Trotzdem handelt es sich natürlich nicht um ein trockenes Sachbuch, sondern um ein Jugendbuch. Das bedeutet, das Thema wurde in eine Geschichte verwoben, die vor allem eines war: wunderschön.
Die Freundesgruppe ist mir sehr ans Herz gewachsen, und wie sie sich die Zeit vertrieben haben, erschien zwar manchmal unsinnig und wenig gewinnbringend für die Geschichte, aber trotzdem ergab sich am Ende ein schlüssiges Gesamtbild ihrer Dynamik untereinander. Jede einzelne Figur mochte ich sehr und habe sie gern begleitet. Vor allem Sherry als Protagonistin hat zwar selbst von sich behauptet, transparent zu sein, doch sie war eine sehr vielschichtige Figur mit viel Tiefe und Eigenheiten. Und genau das Gleiche zeigte sich auch bei allen anderen Figuren – das war schön.
Sehr spannend fand ich die Aufteilung der Kapitel. Die Handlung im Jetzt wurde immer wieder von Rückblicken durchbrochen, sodass man sich Sherrys Vergangenheit Stück für Stück zusammensetzen musste. Und die Spannung blieb stets erhalten, da das Gesamtbild lange Zeit nicht vollständig war.
Besonders bemerkenswert fand ich bei diesem Buch den Buchsatz. Teilweise wurde mit der Schriftfarbe gespielt, um den Inhalt visuell zu unterstreichen. Auch der Text auf der Seite wurde gelegentlich anders gesetzt. Das hat die Geschichte noch einmal auf eine andere Ebene gehoben und gezeigt, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch das Äußere des Buches liebevoll gestaltet wurde.
Please Unfollow kann ich grundsätzlich jedem ans Herz legen, weil es eine unfassbar wichtige Thematik unserer Zeit behandelt – und das mit viel Liebe, Freundschaft und einer Prise Witz. Es ist nur zeitweise ein Wohlfühlbuch, aber eine Geschichte, deren Botschaft die Welt ein kleines bisschen besser macht.
Basma Hallak: Please Unfollow.
Arctis Verlag, Oktober 2025.
Hardcover, 19 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Sanya Lehmann.
