Alex Johnson: Schreibwelten

Wer das Lesen liebt, wer Hochachtung vor Schreibenden empfindet, der sollte dieses Buch haben: „Schreibwelten“ von Alex Johnson. Ein ganz wunderbares, wunderschön gestaltetes Buch über die Welten, in denen berühmte Autorinnen und Autoren ihre Werke verfassen.

Zusammen mit sehr ansprechenden, gelungenen Illustrationen schildert der Autor die Umgebungen, die Rituale und Manierismen weltbekannter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. In alphabetischer Reihenfolge stellt er so unter anderem die Gewohnheiten der Brontë-Schwestern vor, beschreibt das Arbeitszimmer von Anton Tschechow oder die Methode, mit der Jane Austen die Tinte herstellte, die sie zum Schreiben brauchte.

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Maurice Höfgen: Teuer!

Das Drama heißt Inflation. Es befinden sich verschiedene Interessenvertreter auf der schwarzen Bühne. Vorhang auf, Spot an für den 1. Akt: Es treten auf:
Die EZB, die stabile Preise bei 2% Inflation will. Die Banken, die solvente Schuldner wollen. Die Schuldner/Investoren, die Gewinnmaximierung wollen, um ihre Konkurrenten im Preiskrieg zu besiegen. Die Politiker, die sich für die nächste Wahl gut präsentieren wollen. Und eine Handvoll Bürger, hinten links, die Frieden und genug Geld für ihr Leben verdienen wollen.

2. Akt: Eskalation. Großes Geld frisst kleines Geld.

3. Akt: Im Wirtschaftskrieg fallen die Grenzen. Für die Gegner gibt es kein Erbarmen. Aus Prinzip werden keine Gefangenen gemacht.

4. Akt: Das Massaker. Die Überlebenden zahlen die Reparationskosten.
5. Akt: Die Inflation wächst.
6. Akt: Abzug der Interessenvertreter. Es bleiben die Bürger. „Weil der Markt nicht regelt, muss der Staat den Notfall planen.“ (S. 198)

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Maria Petterson: Anführerinnen, Agentinnen, Aktivistinnen

Als ich das Buch „Anführerinnen, Agentinnen, Aktivistinnen“ von Maria Petterson aussuchte, um es zu lesen, rechnete ich mit den allbekannten Frauenleben, die hier geschildert werden sollten. Doch tatsächlich stellt die finnische Autorin, eine preisgekrönte Journalistin, hier ganz viele mir bislang völlig unbekannte Frauen vor, aus allen Jahrhunderten, vielen verschiedenen Ländern und vor allem mit absolut unterschiedlichen Schicksalen.

Der Untertitel des Buchs sagt auch bereits viel darüber aus, nach welchen Kriterien die Verfasserinnen die Frauen auswählte, über die sie hier schreibt. Der Untertitel lautet: Außergewöhnliche Frauen, die Regeln brachen. Im Vorwort erläutert Maria Petterson auch, warum sie genau über diese Frauen berichten wollte: Weil es sich um Frauen handelt, die davon abgehalten wurden, ihre Begabung zu nutzen. Um Frauen, deren Geschichten niemals erzählt wurden, deren Erfolge Männern zugeschrieben wurden. Frauen, die für sich, für ihre Kinder, ihr Volk oder für andere Frauen gekämpft haben.

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Jillian Scudder: In 74 Fragen durch das Universum

Das Universum: Wer ist nicht davon fasziniert? Aber was wissen wir wirklich über den leuchtenden Nachthimmel über uns? Die meisten Menschen werden mehr Fragen als Antworten haben und 74 dieser Fragen verspricht Jillian Scudder in ihrem neuen Sachbuch „In 74 Fragen um das Universum“ zu beantworten. Die Autorin ist Astrophysikerin und Assistenzprofessorin am Oberlin College in Ohio (USA), die ihr Leben dem Weltraum widmet.

Ein spannendes Konzept, das viel verspricht – auch mit dem Untertitel: „Warum Sterne funkeln und wo wir nach außerirdischem Leben suchen sollten“. Die letztendliche Zusammenstellung der Fragen, die dieses Buch leiten sollen, ist hingegen … ausbaubar. Dass einige Fragen etwas gestelzt formuliert sind, ist bei so einem Konzept natürlich verzeihbar – manchmal soll einfach ein spannender Punkt ausgeführt werden, für den die formulierte Frage die Antwort eigentlich schon vorwegnimmt.

These mit Fragezeichen

Eher eine mit Fragezeichen gekennzeichnete These als eine echte Frage. Darüber kann man hinwegsehen, immerhin ist das hier ein Sachbuch und kein literarisches Werk mit hohem rhetorischem Anspruch. Aber das führt zum echten Kritikpunkt: Es ist ein Sachbuch. Ein Sachbuch über das Weltall, von einer Astrophysikerin verfasst – „Was sind Meteore?“, „Warum leuchtet der Mond?“ und „Was ist das Polarlicht?“ sind Fragen, für deren Antwort ich kein Sachbuch, sondern nur die Allgemeinbildung aus der fünften Klasse brauche.

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Franziska Tanneberger & Vera Schröder: Das Moor

Auf einmal war dieses Bild in meinem Kopf: Auf einer für Menschen unhörbaren Frequenz dröhnt ein Alarmsignal. Es ist so gigantisch laut, dass die Bäume zittern, und allmählich der Boden unter den Füßen in Bewegung gerät. Dies könnte so bis zur Katastrophe weitergehen, wären da nicht ein paar Menschen, die etwas wahrnahmen. Irgendwann verstanden sie das Signal, und dann begriffen sie das Ausmaß der Bedrohung.

Die Autorin und Wissenschaftlerin Dr. Franziska Tanneberger verlebte ihre Kindheit in Berlin-Pankow. Die Urlaube in Usedom waren für sie das Beste, weil ihr Großvater mit ihr immer wieder ins Moor ging. Sie lernte dort die Pflanzenvielfalt und Tierwelt kennen. Ihre Liebe zu der Schönheit unberührter Natur wuchs. Nach dem Abitur studierte sie Landschaftsökologie, Naturschutz und das Hauptfach Moorökologie. Damit belegte sie eine Nische, in der besondere Menschen in ihren Fokus gerieten. Sie nennt sie die Moormenschen. Auch in den Moorgebieten in Ostpolen fiel ihr auf, dass der Mensch in die Moore stark eingegriffen hatte. (S. 48)

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Martin Häusler: Gezählte Tage: Als John Lennon seine Seele verkaufte

Es wird immer wieder gesagt, dieses Buch sei etwas für John Lennon-Fans … doch ist der Roman „Gezählte Tage“ mehr als eine Geschichte der Band und des Künstlers, wobei dieser Teil des Romans mit viel Verve erzählt wird. Der Autor und Musikredakteur Martin Häusler hat natürlich das Hintergrundwissen und als Mitglied einer Beatles-Cover-Band die nötige Leidenschaft, dem „Shootme!“ aus dem Song „Come together“ nachzuspüren.

Die Antwort auf Frage, ob Yoko Ono die Gute oder die Böse im Leben von John Lennon und der Beatles war, wird naturgemäß höchstens der Hälfte aller Fans gefallen.

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Christoph Marx: Deutsche Geschichte in 100 Zitaten

Wer hätte gedacht, dass man Geschichte erzählen kann mittels Zitaten. Doch es gelingt, und zwar sehr interessant und abwechslungsreich. Der Publizist Christoph Marx versammelt 100 Zitate zu einem mehrere Jahrhunderte währenden Marsch durch die Deutsche Geschichte. Beginnend im ersten Jahrhundert nach Christus mit einem Tacitus zugeschriebenen Zitat, das seinem Erstaunen über das Erscheinungsbild der Germanen Ausdruck verleiht.

Im Mittelalter finden wir beispielsweise ein Zitat Walter von der Vogelweides, von wem auch wohl sonst. Aber auch der Wahlspruch der Hanse „Eintracht innen, draußen Frieden“ wird in der Zitatensammlung aufgeführt.

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Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister: Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben in Deutschland

Ewald Frie hat zehn Geschwister. Der älteste Bruder wird 1944 geboren, die jüngste Schwester 1969. Ewald ist die Nummer neun. Familie Frie betreibt in Münster in Westfalen einen Viehzucht- und Milchviehbetrieb. Ewald Frie, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen, hat seine Geschwister interviewt und sie nach ihren Kindheits- und Jugenderlebnissen befragt. Anhand ihrer unterschiedlichsten Erfahrungen macht er den Wandel in der deutschen Landwirtschaft sichtbar. Er berichtet von der stillen Auflösung der bäuerlichen Gesellschaft. Haben die Ersten in der Geschwisterreihe noch Hilfskräfte am Hof erlebt, eine Gemeinschaft, in der beinahe jeder nach Stall roch und Pferde vor den Pflug gespannt wurden, so ist die Welt eine völlig andere, als die Jüngste, Martina, den Hof verlässt, um eigene Wege zu gehen. Bis ca. 1830 blickt der Autor in seiner Familiengeschichte zurück. So einschneidende Veränderungen wie zwischen 1950 und 1980 hat es niemals zuvor gegeben.

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Frank Vorpahl: Aufbruch im Licht der Sterne: Wie Tupaia, Maheine und Mai Captain Cook den Weg durch die Südsee erschlossen

Es ist noch gar nicht so lange her – es war 2018 -, da legte der Historiker Frank Vorpahl eine wunderschöne und erkenntnisreiche Monografie über Georg Forster vor, jenen faszinierenden Forscher und Freidenker, der in jungen Jahren das Privileg hatte, als Assistent seines Vaters eine der Reisen des berühmten Captain James Cook begleiten zu dürfen. Forster schrieb seine unvergleichliche „Reise um die Welt“ und Vorpahl würdigte sein Schaffen in einem von Galiani Berlin großartig gestalteten Band (Der Welterkunder. Auf der Suche nach Georg Forster. Galiani Berlin 2018).

Nun legen Autor und Verlag nach: Mit „Aufbruch im Licht der Sterne“ holen sie drei verdienstvolle Polynesier, ohne die Cook wohl nie aus der Südsee zurückgefunden hätte, aus dem Reich des Vergessens – eben jene Tupaia, Maheine und Mai. Alle haben eine faszinierende individuelle Geschichte und stehen doch für eine beeindruckende Kultur, die man als exotisches Beiwerk der großen Taten Cooks gerne mitrezepiert, deren Bedeutung aber in der eurozentrischen Perspektive oft vernachlässigt wird.

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Siri Hustvedt: Mütter, Väter und Täter

Zwanzig Essays, die Siri Hustvedt in den Jahren zwischen 2011 und 2020 verfasst hat, sind in diesem Buch versammelt.

Einerseits sind diese Essays stark von ihren persönlichen Erinnerungen an ihre Familie und deren Herkunft geprägt, andererseits greift Hustvedt Themen auf, mit denen sie sich auch bereits in ihren Romanen auseinandergesetzt hat, so unter anderem mit den Neurowissenschaften, der Psychoanalyse, Kunst, Schreiben, natürlich dem Feminismus und – weil es ins Zeitraster fällt – der Pandemie. 

Gleich zu Anfang gewährt sie uns sehr private Eindrücke aus ihrer Kinderperspektive auf ihre ländlich geprägte Großmutter Tillie, der Mutter ihres Vaters, die keinen feinen Sprachgebrauch pflegte. Ihrem Vater, einem Literaturprofessor, kreidet sie indirekt an, dass er so gut wie nie über Frauen, sondern immer nur über Männer schrieb und auch die Frauen aus der eigenen Familie in seinen hinterlassenen Briefen und Dokumenten wenig bedachte. Dennoch behauptete sich ihre Mutter als starke und autarke Frau neben dem Vater.

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